CDU-Sieger: Meyer-Heder wirbt um die Grünen

Der CDU-Spitzenkandidat will Bremer Bürgermeister werden und feiert das Ergebnis als historisch. Die SPD ist geschockt und die Grünen wollen mit fast allen reden.

Carsten Meyer-Heder lacht in die Kamera, im Hintergrund sind einige Anhänger zu sehen
Carsten Meyer-Heder hat als Spitzenkandidat die CDU zur vermutlich stärksten Kraft in Bremen gemacht. Bild: Reuters | Wolfgang Rattay

Der Spitzenkandidat der CDU sah sich schon nach der ersten Prognose um 18 Uhr als Wahlsieger. Und die neuste Hochrechnung bestätigte die Prognose: Demnach liegt die CDU mit 25,4 Prozent als stärkste Kraft vor der SPD. Sein Gemütszustand sei "komplex", sagte Carsten Meyer-Heder im Interview. "Eins ist klar: Wir sind stärkste Fraktion, wie es aussieht, und das war unser Wahlziel." Allerdings hatte die CDU im Wahlkampf betont, über 30 Prozent kommen zu wollen. Dass das jetzt wohl nicht hinhaut, ist für den Neu-Politiker mit Manager-Hintergrund kein Problem. "Man muss sich ja auch ein paar Ziele hoch setzen, damit die Leute in die richtige Richtung laufen", sagte Meyer-Heder.

CDU will schnelle Sondierungsgespräche

Meyer-Heder gab sich sicher und sprach schnell von Sondierungsgesprächen in der kommenden Woche, "wenn wir den Auftrag erhalten." Den kann die CDU nur mit Grünen (16,8) und FDP aufnehmen, die laut Hochrechnung bei 5,8 Prozent liegt.

Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich mir Jamaika vorstellen könnte. Da muss man gucken, ob die FDP reinkommt oder nicht. Ich kann mir auch schwarz-grün sehr gut vorstellen; auch was die Programmatik angeht. Mit den Grünen passt es menschlich  gut. Die Grünen haben natürlich eine starke Position.

Spitzenkandidat der CDU Carsten Meyer-Heder
Carsten Meyer-Heder, Spitzenkandidat CDU

Auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Heiko Strohmann sieht den Auftrag der Wähler, die neue Bremer Regierung zu stellen.

Wir können auf das Ergebnis stolz sein. Wir haben es geschafft, stärkste Partei zu werden. Die Leute zeigen mit diesem Ergebnis, dass sie einen Wechsel haben wollen und daraus leiten wir einen Regierungsauftrag ab.

Heiko Strohmann, CDU Bremen
Heiko Strohmann, CDU Bremen

SPD hoffte noch auf besseres Ergebnis nach der Hochrechnung

Die Bremer Sozialdemokraten haben laut der neusten Hochrechnung 8,5 Prozentpunkte verloren und kommen nur auf 24,3 Prozent. Nach der Prognose hatte Bürgermeister Carsten Sieling noch auf eine positive Entwicklung nach der Prognose gehofft und sagte bei der Wahlparty seiner Partei vor enttäuschten SPD-Mitgliedern: "Das ist noch lange kein Ergebnis, da wird noch viel, viel passieren, aber es deutet sich an, dass unser Ziel so noch nicht erreicht ist. Ich hoffe, dass es eine Verbesserung gibt." Die Hochrechnung aber zeigt, dass die SPD sogar noch weiter zurückliegt als bei der Prognose.

Sieling: "Da wird noch viel, viel passieren"

Carsten Sieling

SPD-Innensenator Ulrich Mäurer mit deutlichen Worten

Deutlich klarere Worte fand SPD-Genosse Ulrich Mäurer. Der Bremer Innensenator zeigte sich schon nach der Prognose geschockt.

Wenn ich mir die Zahlen auf Bundesebene anschaue, dann ist das eine Katastrophe. Das ist ein absoluter Tiefpunkt in der Geschichte der stolzen Sozialdemokratie und man muss gründlich drüber nachdenken, welche Konsequenzen da zu ziehen sind.

Ulrich Mäurer
Ulrich Mäurer, SPD-Innensenator

SPD sieht Konsolidierungskurs als Grund

Der Fraktionsvorsitzende der Bremer SPD, Björn Tschöpe, macht vor allem den Konsolidierungskurs der letzten Jahre für das schlechte Abschneiden der SPD verantwortlich.

Wir haben zehn Jahre Konsolidierungskurs hier gehabt, der schwierig gewesen ist für die Stadt und den Bürgerinnen und Bürgern einiges abverlangt hat. Dass das Spuren hinterlässt, ist klar.

Björn Tschöpe, Fraktionsvorsitzender SPD

Die Grünen können über Regierung entscheiden

Die Bremer Grünen haben trotz zwölfjähriger Regierungsbeteiligung neben der SPD nach der neusten Hochrechnung 1,7 Prozentpunkte dazugewonnen und kommen als drittstärkste Kraft auf 16,8 Prozent. Klar ist: An den Grünen geht bei der kommenden Bremer Regierung kein Weg vorbei – schließlich hat die SPD schon vor der Wahl eine große Koalition mit der CDU ausgeschlossen. Die Grünen könnten derzeit also in ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP (5,8 Prozent) gehen oder zusammen mit der SPD und der Linken eine rot-rot-grüne Regierung bilden.

Spitzenkandidatin Maike Schaefer schließt naturgemäß nichts aus.

Mit der FDP liegen wir programmatisch weit auseinander. Aber auch bei Rot-Rot-Grün haben wir einen Dissens mit den Linken, was die Schuldenbremse angeht. Wir wollen daran festhalten, die Linken stellen sie in Frage. Es gibt also in jedem Bündnis Partner, wo es Dissense gibt und deshalb warten wir die Gespräche ab.

Spitzenkandidatin der Grünen Maike Schäfer
Maike Schaefer, Spitzenkandidatin Die Grünen

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, zeigte sich in Bremen skeptisch, was ein mögliches Jamaika-Bündnis angeht. Er selbst war Teil einer Jamaika-Regierung in Schleswig-Holstein. Die Programminhalte seien doch sehr unterschiedlich, sagte Habeck buten un binnen.

Linke "sehr happy" mit Ergebnis

Die Linke hat in Bremen mit ihrer Spitzenkandidatin Kristina Vogt nach der neusten Hochrechnung 11 Prozent geholt – als einziges Land neben dem Saarland hat die Linkspartei damit ein zweistelliges Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland. "Es ist deutlich geworden, dass gerade in der Frage der sozialen Spaltung die Menschen in Bremen einen deutlichen Politikwechsel wollen, und sie uns den zutrauen. Von daher sind wir total froh und happy über das Ergebnis", so Vogt. Einem möglichen rot-rot-grünen Bündnis steht sie offen gegenüber.

Wir wollen reden. Wir sind auch der Meinung, dass ein Politikwechsel in Bremen möglich ist. Die drei Wahlprogramme zeigen große Übereinstimmungen, zum Beispiel in der Frage der Verkehrswende.

Die Linke Spitzenkandidatin Kristina Vogt
Kristina Vogt, Spitzenkandidatin Die Linke

FDP trotz geringer Verluste zufrieden

Die FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner ist glücklich, nach vier Jahren im Parlament erneut über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen zu sein. Eine Wiederwahl war den Liberalen lange nicht mehr geglückt.

Wir haben es geschafft nach 25 Jahren das erste Mal wieder in die Bremische Bürgerschaft einzuziehen. Es zeigt, dass wir in den letzten vier Jahren vernünftige Oppositionsarbeit gemacht haben.

Lencke Steiner
Lencke Steiner, Spitzenkandidatin FDP

AfD mit 7 Prozent unzufrieden

Die Alternative für Deutschland wird vermutlich mit 6,9 Prozent erneut in die Bremische Bürgerschaft einziehen. Der Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz hätte sich "acht Prozent gewünscht. Wenn es sieben werden, ist das eine solide Basis für eine Fraktion. Und das ist das, was wir für eine effektive Oppositionsarbeit brauchen."

Nach der Wahl: Die Runde der Spitzenkandidaten

Elefantenrunde: Kristina Vogt, Maike Schaefer, Carsten Sieling, Felix Krömer, Carsten Meyer-Heder, Lencke Steiner und Frank Magnitz
  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: buten un binnen Bremen hat gewählt, 26. Mai 2019, 18 Uhr