Bremer Psychotherapeuten: Geplantes Gesetz diskriminiert Patienten

In Zukunft soll ein Gutachter entscheiden, wer wo in Behandlung gehen kann. Das will die Psychotherapeutenkammer verhindern – und macht gegen den Vorschlag mobil.

Ein junger Mann spricht mit seiner Psychiaterin.
Soll ein Gutachter über eine Behandlung beim Psychotherapeuten entscheiden? Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, der in der Kritik steht. Bild: DPA | Mascha Brichta

Wer psychische Probleme hat und eine Psychotherapie beginnen will, kann sich selbst einen Therapeuten aussuchen – vorausgesetzt, der oder die Therapeutin stimmt zu. Das soll ein geplantes Gesetz des Bundesgesundheitsministeriums ändern. Wer eine Therapie aufnehmen will, soll sich danach erst bei bestimmten Ärzten und Therapeuten vorstellen müssen. Sie entscheiden dann über die Behandlung.

Dagegen regt sich in Reihen von Psychotherapeuten Unmut. Rund 65.000 Unterschriften sammelten Aktive für eine Petition gegen das sogenannte Terminservice- und Versorgungsgesetz, gab die Bundespsychotherapeutenkammer am Donnerstag bekannt. Damit gibt es bereits ausreichend Unterschriften, damit der Petitionsausschuss zu den Forderungen eine öffentliche Anhörung veranstalten kann. Die Petition kann noch bis zum 13. Dezember unterschrieben werden.

Bremer Kammer spricht von Diskriminierung

Auch in Bremen stoßen die Änderungsvorschläge auf Ablehnung. "Es ist sehr positiv, dass es eine so breite Ablehnung gibt", sagt Karl Heinz Schrömgens, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bremen. Bei ihrer Versammlung im Januar verabschiedete die Kammer eine Resolution, die sich kritisch mit der geplanten Regelung auseinandersetzt.

"Wir sehen das als Diskriminierung", sagt Schrömgens. Das Erstzugangsrecht zu Psychotherapeuten werde den Patienten damit verweigert. Die Kammer sieht außerdem die Therapiefreiheit in Gefahr. Schließlich oblägen Diagnose- und Indikationsstellung den behandelnden Psychotherapeuten, nicht einem weiteren Gutachter.

Bei anderen Arztgruppen wäre das undenkbar.

Heinz Schrömgens, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bremen

Schrömgens befürchtet außerdem eine zusätzliche Belastung für die Patienten. Sie müssten sich einer weiteren Person mit all ihren Problemen offenbaren.

Wartezeiten für Therapieplatz bereits bei 15 Wochen

Nicht zuletzt befürchten die Bremer Fachleute, dass es für die Patienten noch längere Wartezeiten geben könnte, als ohnehin schon. In der Resolution heißt es dazu: "Solch eine zusätzlich eingeführte Instanz benötigt Ressourcen und schafft für Patienten eine zusätzliche Hürde auf dem Weg zur Psychotherapie. Damit werden sich die Wartezeiten auf psychotherapeutische Behandlung verschärfen, die schon jetzt im Land Bremen bei 4,3 Wochen auf einen ersten Termin und bei 15 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie liegen."

Wie viele Bremer sich nun an der Petition beteiligt haben, ist nicht bekannt. Allerdings seien viele Kollegen mit Unterschriftenlisten unterwegs gewesen, sagt der Kammerpräsident.

Bundesrat rät zum Abwarten

Auch der Bundesrat hatte die Änderung im November abgelehnt. Dort hatte sich auch das Land Bremen dagegen ausgesprochen, wie das Gesundheitsressort mitteilt. Ein Grund: Der Erstkontakt zwischen Patient und Psychotherapeut sei erst im Jahr 2017 neu geregelt worden. Seitdem hätten sich die Wartezeiten auf ein Erstgespräch erheblich verkürzt. Bevor weitere Anpassungen vorgenommen würden, sollte die Evaluation dieser Neuregelung abgewartet werden. Der Bundestag wird in der kommenden Woche erstmals über das Gesetz beraten.

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 7. Dezember 2018, 23:30 Uhr