So sollen Prostituierte besser geschützt werden

Kondompflicht, Untersuchungen und Kontrollen – ein neues Gesetz soll die Situation von Prostituierten verbessern. Ob das auch klappt, ist jedoch offen.

Prostituierte warten hinter bunt beleuchteten Fenstern auf Kundschaft

Ein Besuch beim Amtsarzt ist jetzt Pflicht für die Prostituierten. Außerdem müssen sie sich bei den Behörden anmelden. Bordellbetreiber brauchen eine Genehmigung und für Freier gilt eine Kondompflicht. Wer gegen die neuen Regeln verstößt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

Die Lessingstraße ist das Herz der Rotlichtszene in Bremerhaven. Dort arbeiten etwa 200 Frauen als Prostituierte, schätzen die Behörden. Zu vielen dieser Frauen habe man bereits jetzt einen guten Kontakt, sagt Bremerhavens Amtsarzt Ronny Möckel. Viele kämen bereits jetzt regelmäßig in die Sprechstunde, um sich beraten zu lassen.

Dass die Beratung jetzt auch zur Pflicht geworden ist, findet Möckel gut. Es sei ein Vorteil, dass damit ein regelmäßiger Kontakt zwischen Prostituierten und den Behörden geregelt sei. "Und dass man es auf die Art und Weise vielleicht auch schafft, Hemmnisse, die vielleicht von Seiten der Prostituierten bestehen, sich staatlichen Stellen zuzuwenden, abzubauen."

Gesetz sorgt für viel Verunsicherung

Viele Prosituierte stehen dem Gesetz skeptisch gegenüber: "Ich glaube, dass viele Frauen sich nicht anmelden werden, weil sie befürchten, dann Steuern zahlen zu müssen", sagt Monika H., die als Prostituierte in Bremerhaven gearbeitet hat. "Dass die Freier jetzt Kondome benutzen müssen, finde ich eigentlich gut, aber die meisten Frauen werden da nicht nachfragen, weil Sex ohne Kondom viel besser bezahlt ist."

Das bundesweite Gesetz war schon zum Sommer in Kraft getreten, soll aber ab diesem Jahr vermehrt kontrolliert werden und vor allem die Frauen besser schützen. Für die Kontrollen ist das Ordnungsamt zuständig. Dort müssen sich die Prostituierten auch anmelden und die Betreiber ihre Genehmigung beantragen. Ordnungsamtchef Horst Keipke verspricht sich einiges von dem neuen Gesetz: "Ich denke schon, dass das dem Schutz der Frauen dient." Das werde aber erst durch die neuen Kontrollen wirksam werden.

Dieses Thema im Programm: bunten un binnen, 2. Januar 2018, 19:30 Uhr