Pro & Contra

Warnstreiks auch in Bremen: Muss man dafür Verständnis haben?

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst fordern 4,8 Prozent mehr Lohn. Ist das in Corona-Zeiten vertretbar? In unserer Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

Ein Verdi-Schild mit dem Aufdruck: Wir sind es wert.
Für 4,8 Prozent mehr Lohn: Die Gewerkschaften rufen zu Arbeitsniederlegungen in Kitas, Klinken und Verwaltungen auf. Bild: Imago | Eibner

PRO

Geht gar nicht, oder? Streik in Corona-Zeiten? Doch, das geht. Denn die Pandemie darf nicht als k.o.-Argument für das Aushebeln demokratischer Rechte dienen. Der Weg in die Normalität in und nach der Seuche geht genau hier entlang. Und: 4,8 Prozent mehr Geld wollen die Staats-Angestellten? Das ist weniger als die letzten Erhöhungen: Für Bankerinnen, Bahn-Beschäftigte oder Stahl gab es neulich noch mehr.
Und dann war da doch noch was: Hatten wir, hatte die Politik, nicht all denjenigen, die in der Corona-Krise den Kopf hinhalten, außer Applaus auch eine angemessene Bezahlung versprochen? Den Krankenschwestern, Altenpflegern, Kita-Kräften? Na, dann mal zu! Jetzt gilt's. Und deswegen: Streik darf sein. Auch in diesen Zeiten. So blöd ich es auch finde, wenn die Führerscheinstelle zu, der Klassenraum nicht geputzt, die Kita dicht ist.


CONTRA

Ich gönne jedem und jeder eine Lohnerhöhung. Pflegerinnen im Krankenhaus, Sachbearbeiterinnen im Bürgeramt, Polizisten, die jeden Tag für Sicherheit sorgen. Aber 4,8 Prozent? Jetzt? Tausende Menschen bangen um ihren Job oder sitzen bald schon auf der Straße. Lufthansa, Karstadt, Airbus sind hier nur die großen Beispiele. Der Staat versucht gegenzusteuern und pumpt Milliarden in Wirtschaft und soziale Sicherungssysteme. Das ist richtig – muss aber auch bezahlt werden. Und dazu muss jeder und jede einen Beitrag leisten.
4,8 Prozent Lohnsteigerung im Öffentlichen Dienst erscheint mir da eine unangemessen hohe Forderung und das trägt wenig zum gesellschaftlichen Frieden bei.

So erlebten Pendler und Streikende den Ausstand bei der BSAG

Video vom 29. September 2020
Der Bahnhofsvorplatz menschenleer.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Folkert Lenz
  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 30. September 2020, 6 Uhr