Pro & Contra

Sollte Bremen mehr Parkplätze schaffen?

Zu wenig Stellplätze, zugeparkte Straßen und Gehwege – die Parksituation sorgt für Frust. Was also tun? Unsere Autoren sind da ganz unterschiedlicher Meinung.

Parkende Fahrzeuge in der Bremer Neustadt.
In vielen Straßen Bremens ist die Parkplatzsuche vor allem Glückssache.

Pro

Eines schonmal vorweg: Ich fahre gerne Fahrrad und oft mit dem Rad zur Arbeit. Aber ich habe auch ein Auto, und ich fahre eben auch gern Auto. Denn ich habe das große Glück, in meiner Gegend einen privaten Parkplatz mieten zu können. Das können die meisten anderen Autofahrer aber nicht – und schieben Frust. Der wird analog zum Parkplatzproblem größer und größer und führt teilweise zu abenteuerlichen Parkmanövern. Geht gar nicht, zeigt aber die Verzweiflung der Bürger. Parken auf dem Grünstreifen, Parken halb auf dem Gehweg, Parken an der Kreuzungs-Einmündung, weil die Menschen nicht mehr wissen, wohin mit dem Auto.

Denn immer mehr Menschen zieht es in die Stadt. Bremen baut zwar Wohnungen, ganze Wohnparks – ausreichend kostenlose oder zumindest günstige Parkflächen baut Bremen aber nicht. Stattdessen propagiert der Grüne Umweltminister immer wieder, er wolle die Autos aus der Stadt verbannen, auf ÖPNV und Fahrrad setzen. Klingt ja auf den ersten Blick ganz vernünftig, funktioniert aber nicht. Vielmehr muss man jede Form der Mobilität weiterentwickeln.

ÖPNV billiger machen, Fahrradwege ausbauen, Parkplätze schaffen. Denn es gibt nunmal sehr, sehr viele Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, um beispielsweise zur Arbeit zu fahren. Raus aus Bremen, rein nach Bremen, quer durch Bremen. Und der ÖPNV ist da leider zu teuer, zu unflexibel und zu langsam, um eine echte Alternative zu sein. Und bis sich das in Bremen ändert, werden viele, viele Jahre ins Land gehen. Der Parkplatz-Mangel besteht aber jetzt.

Man kann die Augen nicht davor verschließen, dass die Menschen Autos haben, weil sie sie brauchen. Das muss nicht immer der Arbeitsweg sein, es kann auch der Weg zu den pflegebedürftigen Eltern sein, für das aufwendige Hobby oder als Chauffeur der Kinder am Wochenende. Die Stadt muss Konzepte entwickeln, wie alle gemeinsam einigermaßen zufrieden in den engen Stadtteilen leben können.

Eine Möglichkeit: Bestehende Flächen nutzen. Ein Beispiel: Der Parkplatz am Weserstadion Richtung Sportgarten ist sehr groß, doch nur ein Teil ist geöffnet und dort parkt kaum jemand. Nachts ist hier alles frei, hundert Meter weiter drängen sich die Autos auf den Gehwegen. Warum? Weil ich fast sicher sein kann, dass mein Auto aufgebrochen wird, wenn ich es dort über Nacht abstelle – das passiert schon in den dunklen Ecken der Seitenstraßen regelmäßig.

Mein Vorschlag: Die Stadt installiert bewachte Parkplätze und vermietet einen Teil an Dauerparker. Ich bin sicher, viele Anwohner würden dieses Angebot nutzen. Und die Stadt könnte Einnahmen generieren. Eine Win-Win-Situation, ganz ohne Frust. Und ganz nebenbei eine Methode, die teils wahnwitzigen Parkgebühren privater Anbieter zu drücken. Bezahlbare Parkplätze in Parkhäusern oder auf Freiflächen müssen geschaffen werden – dann ist auch die Stadt nicht mehr so verstopft.


Contra

Auch ich fahre gern Auto: Wenn es regnet und stürmt und ich zu bequem bin, mit nassen Klamotten im Büro anzukommen. Aber das ist ein riesen Luxus, wie teuer essen gehen oder den Fahrstuhl in den ersten Stock zu nehmen statt die Treppe. Heißt: Ich kann darauf verzichten, mit dem Auto zu fahren. Und ich verzichte meistens.

Wenn ich dann zur Arbeit radel, sehe ich neben mir die Autos im Stau stehen – meist sitzt eine einzige Person darin. Schneller kommen sie meist auch nicht voran. Wahnsinn ist das! Vor allem wenn man sich anguckt, was Auto besitzen, Auto fahren und Auto parken so alles an Ressourcen und Geld verschlingen.

Mir ist klar, dass nicht jeder seinen Arbeitsplatz in Radfahr-Weite vor der Haustür hat. Pendler haben oft keine andere Wahl, als mit dem Auto zu kommen. Doch innerhalb Bremens mit dem Auto durch die Gegend zu juckeln ist – ich wiederhole mich da gerne – purer Luxus.

Der Anspruch, sein Auto tagsüber vor dem Büro und abends direkt vor der Haustür abzustellen, ist ebenfalls von vorgestern. Fast 300.000 Autos sind aktuell im Land Bremen zugelassen. Und es werden immer mehr. Allein in den letzten zehn Jahren sind nochmal 30.000 dazugekommen. Eine Entwicklung in die falsche Richtung. Denn in Anbetracht von schlechter Luft und zu engen Straßen müsste es in unseren Ballungsgebieten eigentlich längst weniger Autos geben. Statt immer breitere Straßen zu bauen und immer mehr öde Parkflächen zu schaffen, sollte sich der Staat darum kümmern, dass die Menschen auch Lust haben, auf ihr Auto zu verzichten.

Möglichkeit Eins: Car-Sharing. Denn wenn man wirklich mal ein Auto braucht, kann man sich eins holen. Doch auch hier ist Bremen nicht gerade ein gutes Vorbild. Nur ein Anbieter hat sich etabliert, weil die Politik das so will. Andere Städte haben mehrere Anbieter. In Hamburg, Düsseldorf und Berlin kann man sich Autos an jeder Straßenecke leihen und diese nach Ende der Fahrt da abstellen, wo Platz ist. In Bremen muss man umständlich zu einem der extra reservierten Parkplätze. Zweite Möglichkeit ist ein besserer und vor allem auch bezahlbarer Nahverkehr. Denn das bisherige Angebot an Bussen, Bahnen und Regiozügen in Bremen ist immer noch extrem mangelhaft.

Ein besonders trauriges Beispiel ist der neue Bremer Stadtteil Überseestadt. Dort gibt es massenhaft Parkplätze in Tiefgaragen, auf freien Flächen und am Straßenrand. Alles schön durchdacht und teilweise mit Steuergeldern finanziert. Aber eben nur aus Autofahrersicht. Gerade mal eine einzige Buslinie schlafwandelt durch den völlig neuen Stadtteil mit tausenden neuen Wohnungen.

Wer beispielsweise im Bereich der Haltestelle „Hafenkante“ wohnt, muss genau den Fahrplan der Schnarch-Buslinie studieren. Denn zur Rush-Hour fährt dieser Bus gerade mal alle halbe Stunde. Am Wochenende kommt die Linie einmal pro Stunde. Auf jedem Dorf kommt der Bus öfter. Dass die Leute da lieber mit dem Auto die drei Kilometer in die City fahren, kann ich nachvollziehen. Bescheuert ist das aber allemal.

  • René Möller
  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 26. Juni 2018, 23:20 Uhr