Kinderärzte kritisieren Versorgung am Ameos-Klinikum in Bremerhaven

  • Verfasser bemängeln Abläufe in Kinderklinik
  • Zusammenlegung von Neonatologie und Kinderklinik gefordert
  • Senatorin will Ameos den Versorgungsauftrag entziehen
Das Logo der AMEOS Gruppe.

Kinder- und Jugendärzte aus Bremerhaven, dem Landkreis Cuxhaven und dem Kreis Wesermarsch kritisieren in einem offenen Brief, der am Mittwoch unter anderem an Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) ging, die Versorgung der Kinder und Jugendlichen am Ameos-Klinikum "Am Bürgerpark" in Bremerhaven. "Der Versorgungsauftrag im Sinne unserer Patienten, der Kinder und Jugendlichen, wird in Bremerhaven nicht mehr gewährleistet", heißt es in dem Brief. Von Ärzten eingewiesene Patienten seien in den vergangenen Monaten von der Ameos-Kinderklinik "Am Bürgerpark" zunehmend nur erstversorgt und dann in andere Kliniken weiterverlegt worden.

In den vergangenen Wochen waren vor allem die unzureichende Versorgung und das drohende Aus der Frühchenstation von Ameos am Standort Bremerhaven-Reinkenheide in den Medien. Aber auch die Klinik für Kinder und Jugendliche am Bürgerpark in Bremerhaven sei betroffen, schreiben die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte. Seit Jahren werde die Bettenzahl in der Kinderklinik reduziert. Zudem hätten viele Kinderkrankenschwestern die Klinik verlassen. Zwischenzeitlich könnten Kinder und Jugendliche aufgrund des Personalmangels nicht aufgenommen werden. Zuletzt war die Zahl der Betten auf offiziell 35 reduziert worden. Laut der niedergelassenen Kinderärzte stehen aber weniger als 20 Betten zur Verfügung.

Ausbilder verlassen Klinik

Durch die räumliche Trennung von Neonatologie und Kinderklinik sei Bremerhaven als Ausbildungsort für Ärzte unattraktiv. Viele Ausbilder hätten die Klinik verlassen. Wegen mangelnden Personals ruhe die volle Weiterbildungsermächtigung seit Monaten, heißt es in dem Brief weiter.

Wenn Ameos den Versorgungsauftrag nicht abgebe oder er dem Konzern entzogen werde, drohe eine Schließung der Bremerhavener Klinik für Kinder und Jugendliche mit Neonatologie. Die Verfasser des offenen Briefes fordern, dass Kinderklinik und Frühchenstation so bald wie möglich an einem Standort zusammengeführt werden.

Ameos befürwortet Zusammenlegung

Letzteres wünsche sich Ameos auch, sagte Axel Renneberg, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum "Am Bürgerpark", auf Nachfrage von Radio Bremen: "Nach wie vor ist eine rasche Verbesserung der Strukturen unser oberstes Anliegen. Die Zusammenlegung von Neonatologie und Kinderklinik an einem Standort ist dringend erforderlich." Ameos bemühe sich seit Jahren bei Politik und Kostenträgern um ein modernes Eltern-Kind-Zentrum in Bremerhaven, um eine optimale neonatologische Versorgung sicherzustellen. "Eine verbindliche Lösung würde dazu beitragen, schneller zusätzliches Personal zu gewinnen, das eine klare Perspektive benötigt, um sich für einen Arbeitsplatz in Bremerhaven zu entscheiden." Ein Entzug des Versorgungsauftrags würde laut Renneberg kurzfristig zu einer Verschlechterung der Versorgungssituation für kranke Kinder und Jugendliche führen.

Die schlechte Personalsituation räumt Renneberg ein: "Besonders in den Kalendermonaten mit einer hohen Zahl an Infektionserkrankungen sind nicht nur die Kinder betroffen, sondern auch das Personal. Krankheitsbedingt mussten wir besonders im März die Zahl der gleichzeitig zu versorgenden Patienten auf ein Maß begrenzen, das für den Bedarf nicht immer ausreichend war." Weiterverlegungen nach einer Erstversorgung habe es in Einzelfällen gegeben.

Gesundheitssenatorin will Versorgungsauftrag entziehen

Senatorin Quante-Brandt betonte am Mittwoch auf Nachfrage, dass sie Ameos den Versorgungsauftrag für die Frühchenstation entziehen will. "Da stellen wir fest, dass sie im Moment nicht in der Lage sind oder sehr schlecht in der Lage sind, die ärztliche Versorgung sicherzustellen." Sie habe Ameos bereits informiert, dass sie einen Widerruf prüfen lasse. Nun müsse eine Lösung gefunden werden, Neonatologie, Geburtshilfe und die Kinder- und Jugendklinik an einem Standort zusammenzuführen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. April 2019, 19.30 Uhr