"Frisch und unverbraucht": Bremer Forscher sieht Chancen für Baerbock

  • Politikwissenschaftler Klee hält Regierungsbeteiligung der Grünen für realistisch
  • Bremer Grüne nehmen Nominierung positiv auf
  • Bremer CDU sieht noch wenig Substanz bei konkreten Fragen
Video vom 19. April 2021
Die Grünen-Politikerin Annalena Baerboch während einer Pressekonferenz.
Bild: Radio Bremen

Die Bremer Grünen haben die Nominierung von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Bundespartei positiv aufgenommen. "Annalena Baerbock und Robert Habeck haben uns Grüne in den letzten drei Jahren zu der Partei gemacht, die wir heute sind", sagte die Bremer Grünen-Chefin Alexandra Werwath zu buten un binnen. "Annalena Baerbock ist es nicht geworden, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie Willensstärke, Überzeugungsstärke und den Mut zur Veränderung nach außen trägt und eine gute Kandidatin für uns ist." Die 40-Jährige habe einen klaren politischen Kompass, wolle den Klimaschutz voranbringen und trotzdem die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sichern.

"Annalena Baerbock ist es nicht geworden, weil sie eine Frau ist"

Video vom 19. April 2021
Alexandra Werwath im Interview
Bild: Radio Bremen

Dass Baerbock sich gegen Habeck durchsetzen konnte, ist für den Bremer Politikwissenschaftler Andreas Klee eine Überraschung. "Habeck wäre die etwas erwartbarere Person gewesen, weil er stärker verankert ist im Politikbetrieb", sagte er zu buten un binnen.

Sie ist sehr direkt in ihrer Ansprache, und sie wirkt wenig verstellt. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein Politikstil ist, den die Menschen in der aktuellen Situation gut finden.

Andreas Klee, Professor an der Uni Bremen

Dass die 40-Jährige praktisch "aus dem Nichts" komme, könne für viele Wähler in der aktuellen Situation attraktiv sein. Baerbock verkörpere etwas Frisches, Unverdorbenes und Unverbrauchtes. "Sie wirkt wenig verstellt", sagte Klee. Er hält es für realistisch, dass die Grünen in die Regierung einziehen. Denkbar sei eine schwarz-grüne Koalition. "Daran hat sich durch die Nominierung von Annalena Baerbok nichts geändert", so Klee. Wenn sich CDU und CSU aber weiter stritten, könne auch das Bremer Model – also eine Koalition von Grünen, SPD und Linken – möglich werden.

"Wenn sich die CDU weiter zerlegt, wird Grün-Rot-Rot wahrscheinlicher"

Video vom 19. April 2021
Politikwissenschaftler Andreas Klee im Interview
Bild: Radio Bremen

Bremer CDU sieht Baerbocks Nominierung kritisch

Die Bremer Christdemokraten sehen die Nominierung Baerbocks hingegen kritisch. Sowohl beim Thema Pandemiebekämpfung, als auch beim Klimaschutz höre man zwar viel von der Seitenlinie, aber echte Verantwortung und Konsequenz sei noch nicht dabei, sagte der Bremer CDU-Chef Carsten Meyer-Heder. Trotzdem bestünden zwischen den beiden Parteien viele Schnittmengen, sodass er eine Regierung mit den Grünen auf Bundesebene für möglich hält. Ähnlich sieht das auch die Bremer SPD für die eigene Partei. Allerdings stellt die Bremer Vorsitzende Sascha Aulepp klar, dass ihre Partei ein Bündnis ohne die Union mit einem SPD-Kanzler Olaf Scholz anstrebe.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. April 2021, 19:30 Uhr