Bremerhavens "Neuer": Was der Bürgermeister eigentlich macht

Heute wählt Bremerhaven seinen neuen Bürgermeister. Wir erklären, was der zweitwichtigste Mann der Stadt zu tun hat und was er dafür bekommt.

Torsten Neuhoff

"Bremerhavens neuer Bürgermeister? Geht Melf Grantz?", das mögen sich manche gefragt haben, als sie von der Neuwahl gehört haben. Aber Grantz (SPD) bleibt. Ausgetauscht wird der zweite Mann, der Bürgermeister und Dezernent unter anderem für die Kämmerei. Amtsinhaber Paul Bödeker (CDU) geht zum November in den Ruhestand, Christdemokrat Torsten Neuhoff soll ihm nachfolgen. Die Wahl in der Stadtverordnetenversammlung gilt als bombensicher – die CDU hat für den Posten das Vorschlagsrecht, der größere Koalitionspartner SPD wird der Personalie zustimmen.

Dann also ist der Weg frei für die Amtsübergabe im November. Doch: Was macht ein Bürgermeister eigentlich so? "Er ist der Stellvertreter des Oberbürgermeisters", sagt Stadt-Sprecher Volker Heigenmooser. Und er sagt gleich dazu: "Damit ist er aber nicht Vize-Chef des Magistrats", also der Stadtorganisation als Ganzes. Denn nicht einmal der Oberbürgermeister hat in Bremerhaven ein formales Durchgriffsrecht in alle Ämter. "Da sind die einzelnen Dezernenten vor", so Heigenmooser.

Weil Neuhoff mit seiner Wahl gleichzeitig Dezernent für die Kämmerei, die Stadtkasse, das Rechtsamt und die Seestadt-Immobilien wird, hat er aber auch einen eigenen Verwaltungsbereich in seiner Verantwortung – auch ihm kann hier dann nicht einmal OB Grantz reinreden.

Verantwortung für ein zentrales Amt

Mit der Kämmerei fällt dem "Neuen" Neuhoff in der chronisch klammen Stadt Bremerhaven ein zentrales Amt zu. Dass der designierte Dezernent anscheinend über das Partei-Ticket auf so einen Posten kommt, hatte in der Opposition für Kritik gesorgt. "Ich habe Lust drauf", sagt Neuhoff im buten-un-binnen-Interview und verteidigt seine Bewerbung: "Ich bin jetzt 16 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv gewesen und seit sieben Jahren als ehrenamtlicher Stadtrat in zwei Dezernatsbereichen."

Er sehe "ganz praktisch", wo es hier noch weiteren Handlungsbedarf gebe. "Ich traue es mir zu, diese Stelle die nächsten sechs Jahre ordentlich auszukleiden." Mit Detail-Fachwissen dazu werden ihm notfalls seine Beamte helfen können: Direkt unterhalb der Dezernenten-Ebene sitzen die Fach-Amtsleiter.

Paul Bödeker
Paul Bödeker, der bisherige Bürgermeister, geht zum November in den Ruhestand.

Und es gibt für Bremerhavens Zweiten noch mehr zu tun: Traditionell ist der Bürgermeister Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Kliniken, außerdem sitzt er im Aufsichtsrat der Weserfähren-Gesellschaft. Und am Ende ist der Bürgermeister eben auch – Bürgermeister: Bei repräsentativen Auftritten, bei Ehrungen, Eröffnungen, Band-Durchschneidungen und anderen öffentlichen Terminen wird man Neuhoff regelmäßig zu sehen bekommen.

Auch finanziell der zweithöchste Posten

Der neue Posten ist übrigens nicht nur formal der zweithöchste in der Stadt, sondern auch finanziell. Der Bürgermeister wird laut Ausschreibung nach der Besoldungsgruppe B7 vergütet. Das bedeutet ein Gehalt von knapp 10.000 Euro im Monat – und nach der sechsjährigen Amtszeit als Wahlbeamter einen Anspruch auf Ruhestandsbezüge.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Juni 2018, 19:30 Uhr