Fragen & Antworten

5G-Start: Ab wann Bremer den neuen Mobilfunkstandard nutzen können

Seit August funkt Bremens erste 5G-Antenne. Wir erklären, warum das nur bedingt eine gute Nachricht ist, und was Sie noch über die neue Technologie wissen sollten.

Ein Mitarbeiter von Ubimax testet die Funktionen einer Datenbrille

Welcher Anbieter plant was?

Schilder vor dem Bremer Flughafen.
Flugreisende sind in Bremen die einzigen, die schon jetzt schnellen Mobilfunk nutzen können.

Die gute Nachricht: Ein erster 5G-Mast in Bremen steht bereits – am 15. August hat ihn Vodafone am Flughafen in Bremen installiert. Die schlechte: Wer weder Vielflieger noch Vodafone-Kunde ist, kommt in der Hansestadt nicht vor 2020 in den Genuss der neuen Übertragungstechnik. Der Grund: Deutschlandweit funken bislang nur 50 "Pionierstandorte" von Vodafone im 5G-Handy-Netz. Und die nächsten Antennen werden erst 2020 installiert.

Bei den anderen Netzbetreibern sieht es aus Bremer Sicht kaum besser aus. Zwar plant die Telekom bis Jahresende den Bau von rund 300 5G-Antennen in sechs deutschen Städten – Bremen ist aber nicht dabei. Erst Ende 2020 sollen die 20 größten deutschen Städte mit dem 5G-Netz der Telekom verbunden werden. Darunter wären dann zwar Bremen, nicht aber Bremerhaven.

Der dritte große Anbieter, Telefónica, hat sich hingegen noch nicht konkret zu Ausbauplänen geäußert. Und beim Newcomer 1&1 Drillisch soll der Startschuss erst im Jahr 2021 fallen.

Die vier Netzanbieter Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch sind verpflichtet, erst 2022 mindestens 98 Prozent der Bevölkerung mit einer mobilen Bandbreite von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen. Bis dahin dürfte die 5G-Abdeckung lückenhaft bleiben.

Was könnte den 5G-Ausbau noch verzögern?

Ein Mobilfunkmast wird auf einem Dach in Berlin Friedrichshain montiert.
Ein Mobilfunkmast wird auf einem Dach montiert – für den neuen Funkstandard werden zusätzliche von ihnen gebraucht. Bild: DPA | Alexandra Schuler

Zwar planen die Anbieter für die 5G-Technik vorhandene Mobilfunkinfrastruktur an Masten, Aussichtstürmen, Kirchtürmen, öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern mitzunutzen. Ob die rund 25.000 Mobilfunkstationen, die Telekom, Telefónica und Vodafone jeweils in Deutschland betreiben, ausreichen, ist jedoch fraglich.

Beispiel Vodafone: Im Land Bremen betreibt das Unternehmen derzeit 144 Stationen, 116 davon bislang für den LTE-Standard. Nach und nach sollen dort auch 5G-Antennen installiert werden. Ob die vorhandene Infrastruktur ausreicht, um die gesamte Bevölkerung Bremens an das 5G-Netz von Vodafone anzubinden, müsse noch getestet werden, so ein Vodafone-Sprecher zu buten un binnen. Doch schon rechnerisch spricht einiges dagegen. Denn die neuen 5G-Stationen haben eine Reichweite von höchstens einem Kilometer, was bei 144 Stationen im Land Bremen deutlich weniger als 300 Kilometer Abdeckung bedeutet – während allein die Stadt Bremen 325 Quadratkilometer misst.

Wie schnell neue Sendemasten genehmigt würden, ist offen. Laut Telekom hat Deutschland in Europa die längsten Genehmigungsverfahren für Antennenstandorte – im Schnitt 18 Monate. Hinzu kämen Widerstände auf kommunaler Ebene, weil die Antennen "aus ästhetischen Gründen abgelehnt würden", so Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner.

Welche Geräte unterstützen den neuen Standard?

Eine junge Frau hält ihr Smartphone in der Luft
Nicht nur die 5G-Masten, sondern auch die 5G-Smartphones sind noch kaum zu finden. Bild: Imago | Chromorange/Westend61

Noch gibt es kaum 5G-fähige Smartphones auf dem Markt. Nur der chinesische Anbieter Huawei und der südkoreanische Samsung-Konzern bieten bereits entsprechende Modelle in Deutschland an.

Vodafone bietet seinen Nutzern darüber hinaus einen so genannten "GigaCube 5G" an, der über das Mobilfunknetz als Ersatz für vergleichsweise langsame DSL-Festnetzanschlüsse in ländlichen Regionen dienen soll – wenn der neue Mobilfunkstandard in der entsprechenden Region überhaupt schon verfügbar ist.

Bis die 5G-Technik auch in Autos und anderen Produkten jenseits von Smartphones verbaut wird, könnten allerdings noch Jahre vergehen. Ein Grund: Der 5G-Netzausbau an Autobahnen und Bundesstraßen ist für die Netzanbieter zwar auch verpflichtend – aber erst bis Ende 2024.

Logos von Telefónica, Vodafone, Telekom, Drillisch
Die vier Anbieter Telefónica, Vodafone, Telekom und Drillisch sollen die schnellen Netze bis Ende 2022 deutschlandweit verfügbar machen. Bild: DPA

Was unterscheidet 4G von 5G?

Werderfans in der Ostkurve im Weser-Stadion.
Videos aus dem Weser-Stadion zu versenden, sollte mit 5G kein Problem mehr sein. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Eines vorweg: Der neue 5G-Standard ersetzt die bisherige 4G-Technologie, also das LTE-Netz, nicht. Beide Standards werden weiterhin parallel existieren. Die 4G-Technik wird sogar weiter ausgebaut – und für viele Bremer auf Jahre hinaus der Standard bleiben.

Dort, wo die 5G-Technik künftig eingesetzt wird, hat sie im Vergleich zum bisherigen Standard jedoch einige Vorteile:

  • Höhere Bandbreite: Downloads von Apps, Videos oder Fotos laufen viel schneller. Einen acht Gigabyte großen Full-HD-Kinofilm mit 4G herunterzuladen, dauert rund 10 Minuten. Denselben Film mit 5G zu downloaden, dauert rund 1 Minute und 20 Sekunden.
  • Schnellere Reaktionszeit: Die so genannten Latenzzeiten können im 5G-Standard auf weniger als zehn Millisekunden sinken. Das ist vor allem für die Vernetzung von Robotern und Maschinen in der Industrie wichtig, aber auch für autonom fahrende Autos. Denn erst eine Signalübertragung fast ohne Zeitverzögerung macht deren Live-Steuerung möglich.
  • Präzisere Ortung: 5G-Geräte können bis auf einen Meter genau geortet werden. Wer beispielsweise in Bremen ein Leihfahrrad per App ausleiht oder eine Drohne fliegt, kann sich somit darauf verlassen, dass der in der App angezeigte auch dem wahren Standort entspricht.
  • Mehr Kapazität: In einer 5G-Funkzelle können viel mehr Geräte bedient werden als bei den älteren Standards. Die Kurzmitteilung aus dem Weser-Stadion samt Torjubel-Video könnte so zum neuen Standard werden.

Was kostet die neue Technik Verbraucher?

Unter dem Motto "schon heute zukunftssicher" bietet bislang lediglich die Telekom einen eigenen 5G-Vertrag an. Er kostet 5 Euro mehr als der bisherige Spitzentarif. Auch Vodafone verlangte bei Verträgen zunächst einen Zuschlag von 5 Euro pro Monat, hat diesen inzwischen allerdings gestrichen.

Telefónica und die Tochter O2 geben die ersten Tarife für Endverbraucher erst 2020 bekannt. Neuling Drillisch mit der Tochter 1&1 macht ebenfalls noch keine Angaben zu potenziellen 5G-Tarifen.

Hat die Bremer Wirtschaft schon 5G-Pläne?

Ein Mitarbeiter vom Bremer Mercedes-Werk steuert bei der Montage eines Autos einen Roboterarm.
Ein Mitarbeiter im Bremer Mercedes-Werk steuert einen Roboterarm – bald auch 5G-unterstüzt? Bild: Daimler AG | Werk Bremen

Daten im 5G-Mobilnetz fast in Echtzeit übermitteln zu können, macht das neue Mobilfunknetz auch attraktiv für industrielle Anwendungen oder die Telemedizin. Bremer Unternehmen halten sich dennoch bislang zurück.

Beispiel Mercedes: Der Automobilkonzern testet die 5G-Technologie derzeit in einer Fabrik am Standort Sindelfingen gemeinsam mit Telefónica. Das Ziel: "Wir verfolgen das Ziel einer 360-Grad-Vernetzung aller Anlagen und Maschinen in der Produktion”, so eine Konzernsprecherin zu buten un binnen. Für das Bremer Werk hat der Konzern bislang jedoch noch keine diesbezüglichen Pläne verkündet.

Beispiel Gesundheit Nord: Die Telemedizin ist im Bremer Klinikverbund längst Alltag. Dennoch dürfte die 5G-Technik für die Geno zunächst nur einen geringen Einfluss haben. "Für dass, was wir in diesem Bereich machen, nutzen wir Festnetz und W-Lan", so eine Geno-Sprecherin zu buten un binnen. 5G sei für die Zwecke des Klinikverbunds daher derzeit kein Thema.

Beispiel Werder: Auch der SV Werder Bremen drückt auf die Bremse. "Natürlich setzen wir uns mit Potenzialen in Richtung 5G auseinander und stehen dazu mit den großen Mobilfunkprovidern in Deutschland im Austausch", sagt Werders Digitalverantwortlicher Nico Hruby. Für den Moment sei dies aber noch Zukunftsmusik. Dies gelte sowohl für die Infrastruktur des Weser-Stadions als auch für das Live-Tracking von Spiel- und Trainingsdaten. Letzteres sei auch mit heutiger Technik schon gut möglich, sagt Hruby. "Hier werden jedoch neue innovative Applikationen entstehen, die dann erst mit den Vorteilen von 5G effektiv eingesetzt werden können."

Gefährdet der neue Funkstandard die Gesundheit?

Eine Frau hält ein Mobiltelefon an ihr Ohr, während sie Auto fährt.
Das Smartphone am Ohr ist Experten zufolge eine größere Gefahr als der 5G-Funkmast auf dem Dach. Bild: DPA | Andreas Karpe-Gora

Dazu gibt es verschiedene Standpunkte. Vor zwei Jahren hatten 180 internationale Wissenschaftler in einem offenen Brief vor 5G gewarnt, da es gesundheitlich zu riskant sei. Es gibt nämlich Studien, dass elektromagnetische Strahlen zumindest bei Tieren Tumore wachsen lassen.

Die Stiftung Warentest hat in ihrem September-Heft sämtliche Studien zu Mobilfunk und Gesundheit ausgewertet. Das Ergebnis: Wegen 5G ist keine Panik nötig. Die Stationen haben grundsätzlich eine geringere Reichweite, 5G braucht somit mehr Sendemasten und liefert damit ein eher schwaches elektromagnetisches Feld.

Es gibt jedoch ein Restrisiko in Sachen Krebs. Allerdings sind dafür nicht in erster Linie die Sendemasten verantwortlich, sondern vielmehr die Smartphones selbst. Denn durch das Handy am Ohr bekommen Hirne besonders viel Strahlung ab. Das Fazit: Wer sicher gehen will, telefoniert mit einem Headset.

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. September 2019, 19:30 Uhr