Statt Noten: Neuer Pflege-TÜV macht Heime vergleichbarer

Derzeit ist es eher schwierig, die Qualität von Pflegeheimen einzuschätzen. Das soll sich ab heute ändern. Bremer Verbraucherschützer loben das neue System.

Eine Betreuerin schiebt eine aeltere Frau im Rollstuhl durch einen Gang in einer Pflegeeinrichtung (Symbolbild)
Bild: Imago | Photothek

Deutschlands Pflegeheime sind Spitzenklasse – zumindest wenn man den Spitzennoten des bisherigen Bewertungssystems glaubt. Der Notendurchschnitt der deutschen Heime liegt danach bei 1,2 – zu schön, um wahr zu sein. Die Aussagekraft dieses Schulnotensystems wurde schon lange scharf kritisiert und die Bundesregierung hat darauf reagiert. Ab heute wird das alte System schrittweise umgebaut. Das Bewertungssystem soll dadurch aussagekräftiger werden.

Bremer Verbraucherzentrale lobt das neue System

"Wir begrüßen das neue System", sagt die Bremer Verbraucherschützerin Annabel Oelmann. Mit den bisherigen Pflegenoten könne man gute Heime kaum von schlechten unterscheiden. "Fast alle Pflegeheime hatten eine 1 vor dem Komma." Zudem sei es möglich gewesen, dass beispielsweise durch das Aushängen eines Speiseplans Mängel in der Pflege ausgeglichen werden konnten.

Die Veröffentlichungen nach dem neuen System wird umfangreicher und differenzierter sein, als die bisherigen Pflegenoten.

Annabel Oelmann, Bremer Verbraucherzentrale

Das leistet der neue Pflege-TÜV

Statt der Einheitsschulnoten sollen die Informationen über Pflegeheime künftig in drei Bereiche gegliedert werden. So werden erstens vergleichbare Fakten und allgemeine Informationen zu jedem Pflegeheim erhoben. "Hier werden zum Beispiel Personalausstattung, Bewohnerzahl und religiöse Angebote zusammengefasst", sagt Oelmann.

Darüber hinaus wird in einem gesonderten Bereich die Qualität der Pflege dokumentiert. Im Mittelpunkt stehen dabei der Erhalt und die Forderung nach Selbstständigkeit der Patienten, der Schutz vor gesundheitlichen Schäden und die Unterstützung bei spezifischen Bedürfnissen. Dokumentiert wird künftig beispielsweise der Anteil an Pflegebedürftigen mit Druckgeschwüren oder unbeabsichtigten Gewichtsverlusten, wie häufig Gurte oder Bettenseitenteile angewandt werden und wie oft Patienten stürzen.

Azubis und Pflegebedürftige an einem Tisch im Pflegeheim.
Pflegepersonal und Heimbewohner beim Essen.

In einem dritten Bereich werden die Ergebnisse externer Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und die Prüfdienste der Privaten Krankenversicherung dokumentiert. "Der MDK prüft zum Beispiel die Mobilität der Bewohner, die Bewältigung therapiebedingter Anforderungen und Belastungen oder die Gestaltung des Alltagslebens im Heim", sagt Oelmann.

Darüber hinaus sehe das neue System Gespräche mit jeweils neun Bewohnern pro Heim vor, wobei auch deren Pflegezustand in Augenschein genommen werde. Zudem werden Dokumentationen und Aufzeichnungen der Heime selbst künftig weniger bedeutsam sein, als die tatsächlich festgestellte Versorgungsqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Kurzum, im Mittelpunkt des neuen Pflege-TÜVs steht, wie gut die Pflege tatsächlich ist.

Komplette Umstellung wird wohl noch dauern

Bis das neue System komplett eingeführt ist, wird es noch dauern. "Direkt zum November beginnt der Medizinische Dienst der Krankenkassen mit den Prüfungen nach dem neuen Verfahren", sagt Annabel Oelmann von der Bremer Verbraucherzentrale. Erst nach und nach werden alle Heime nach den neuen Kriterien geprüft. "Es wird aber dauern, bis die Ergebnisse veröffentlicht werden." Mit den Überprüfungsergebnissen rechnet die Verbraucherschützerin erst im Laufe des Jahres 2020.

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 1. November 2019, 23:30 Uhr