Das Geschäft mit der Milch: "Wir ruinieren unseren Planeten damit!"

Johanna Böse-Hartje ist Landwirtin bei Bremen und überzeugt: Mit dem Milchgeschäft ruinieren wir die Umwelt und Bauern – weltweit. Doch es gibt eine eigentlich einfache Lösung.

Einige Kühe in einem Stall

In Thedinghausen betreibt Johanna Böse-Hartje einen Biohof zusammen mit ihrem Sohn. Sie setzt sich für mittelständische bäuerliche Betriebe ein. Denn die haben kaum noch Möglichkeiten, ihre Kosten auch wirklich mit ihrer Arbeit zu decken. Und das liegt für Böse-Hartje am System.

Sie fordert, dass europäische Milchbauern nur noch für den europäischen Markt produzieren sollten. Denn für den Weltmarkt zu produzieren, würde sich für die Bauern nicht lohnen. Im Milchviehbereich gebe es schon seit Jahren keine Vollkostendeckung mehr, erklärt sie. "Wir müssen den Markt beobachten, wenn es zu viel wird, müssen in ganz Europa ein bis zwei Prozent weniger produziert werden. Das kann jeder Bauer. Wir reden ja nicht von 20 Prozent. Das sind kleinste Mengen, die den Markt kaputt machen", sagt Böse-Hartje.

"Mit dem Milchpulver exportieren wir den Hunger in die Welt"

Solange die Milchindustrie Überschüsse produziere und die Milch irgendwie untergebracht werden müsse, könne das System nicht funktionieren. Bei den Bauern bleibe immer nur ein kleiner Teil des Geldes übrig. Neben den hohen Kosten leide die Umwelt außerdem massiv unter dem Milchexport.

Wir ruinieren damit unseren ganzen Planeten. Wir produzieren unsere Milch mit Futtermitteln, die aus Südamerika kommen. Da brennen die Regenwälder und wir holen uns von dort Soja. Die Gülle der Tiere wiederum bleibt hier. Wir haben Nitratüberschüsse. Wir ruinieren unser Grundwasser – und wozu?

Johanna Böse-Hartje, Biolandwirtin aus Thedinghausen

Von dem aktuellen System profitieren laut Böse-Hartje nur einige wenige. Und das seien nicht die Bauern. "Wenn wir unser Milchpulver nach Afrika exportieren, dann exportieren wir den Hunger in die Welt", sagt sie. Denn dort würden die Märkte vor Ort kaputt gemacht. "Wir müssen uns auf den europäischen Markt besinnen. Ich habe nichts gegen exportieren, aber bitte schön mit Wertschöpfung", ist Böse-Hartje überzeugt.

Was kann der Verbraucher tun?

Der Verbraucher müsse eine Kennzeichnung für Milch fordern, sagt die Landwirtin. Denn nur mit einer Kennzeichnung würde deutlich werden, wo die Milch herkommt. Dann könne der Verbraucher auch bewusst entscheiden, was er wolle. Als positives Beispiel nennt sie die Kennzeichnung der Eier. Seitdem die Herkunft auf den Eiern stehe, seien die Käfighaltungseier ausgemistet worden.

Darum exportieren wir so viel Milch

Zu sehen ist eine Maschine, die aus Milch Käse macht.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Oktober 2019, 19:30 Uhr