ÖPNV-Umfrage: Viele bemängeln den falschen Takt

Die Radio Bremen Meinungsmelder sehen Verbesserungspotenzial beim ÖPNV: Vor allem Pendler sind mit oftmals schlechten Verbindungen unzufrieden.

Eine fahrende Straßenbahn in Bremen.

Unterwegs mit Bus und Bahn – Wie wünschen Sie sich den öffentlichen Nahverkehr? Zwei Drittel der insgesamt 925 befragten Meinungsmelder empfinden die Ticketpreise für Bahnen und Busse in Bremen und Bremerhaven als zu teuer. Ein Großteil plädiert außerdem für bessere Verbindungen mit Bussen und Bahnen. Und eine höhere Taktung. Dies gilt einerseits für ÖPNV-Verbindungen in der Nacht und am Wochenende, andererseits während des Berufsverkehrs und in Stoßzeiten.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Einer der Befragten fordert beispielsweise eine "kürzere Taktung, damit Busse und Bahnen nicht so fürchterlich überfüllt sind." Und er ist damit nicht alleine.

Es sollte nicht nur neue Verbindungen geben, es müssen viel mehr Fahrzeuge eingesetzt werden. Wenn nur ein Bruchteil der heutigen Autofahrenden umsteigen würde, wären die Fahrzeuge hoffnungslos überfüllt. Schon mal zur Feierabendzeit mit Kinderwagen im Bus gefahren?

31-jährige Meinungsmelderin aus Bremen

Viele der Befragten sind in solchen Stoßzeiten unterwegs. Knapp 70 Prozent nutzen mehrmals im Monat Busse und Bahnen, ein Viertel sogar täglich. 40 Prozent fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, Schule oder Hochschule.

Kritik an der Streckenführung

Eine Straßenbahn der Linie 1 in der Langemarckstraße in Bremen.
Sind Pendler und Städter schneller mit dem Auto unterwegs als mit Bus und Bahn, ist das ein Argument gegen den ÖPNV.

Die Distanz zur nächsten Haltestelle ist für viele nicht das Problem. Die Kommentare der Meinungsmelder zielen eher auf Streckenführung, Fahrzeiten und Taktung. So bezeichnet ein Meinungsmelder aus Findorff die dortige ÖPNV-Situation als "schlecht erschlossen" und "umständlich". Ein 54-Jähriger aus der Überseestadt merkt an: "Die Nähe nützt nur nix, wenn die BSAG in der Überseestadt spätestens seit der Fahrplanänderung den Linienwahnsinn gestartet hat." Eine schlichte Fahrt zum Bahnhof gleiche so einer "großen Stadtrundfahrt".

Pendler leiden besonders

Ein 27-jähriger Meinungsmelder aus Niedersachsen benötigt für die Pendelstrecke zur Arbeit mit dem Nahverkehr seinen Angaben zufolge eine Stunde und 45 Minuten. Mit dem Auto sei er hingegen nur 15 Minuten unterwegs. Solche Kommentare von Menschen aus dem Umland sind kein Einzelfall.

Auf dem Land, in meinem Ort ist es schlicht nicht möglich ohne Auto überhaupt wegzukommen. Für meinen täglichen Arbeitsweg brauche ich mit dem KFZ circa 40 Minuten, mit der Kombi Auto, Zug, Bus, zu Fuß brauche ich 2,5 Stunden, einfache Fahrt.

46-jähriger Meinungsmelder aus Niedersachsen

Der Ausbau der Verbindungen gilt vielen Befragten als wichtigstes Anliegen. Auch was sie darüber hinaus verbessern würden, wurden die Meinungsmelder gefragt. Hier zeigt sich, dass Pünktlichkeit für viele von ihnen wichtiger ist als die Fahrtdauer oder die Sauberkeit der Züge.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Wobei es auch hier Unterschiede zwischen städtischer Bevölkerung und Menschen aus dem Umland gibt. Für letztere ist die Pünktlichkeit beim öffentlichen Personennahverkehr deutlich wichtiger als die Sauberkeit der Fahrzeuge, während die Meinungsmelder aus dem Land Bremen beide Aspekte eher gleich gewichten.

Barrierefreiheit betrifft viele nicht

Befragt nach dem Thema Barrierefreiheit in Bussen und Bahnen geben addiert nur 7 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie verbessert werden sollte. Wohl auch deshalb, weil viele von ihnen nicht von Einschränkungen betroffen sind. Wie relevant dieses Thema dennoch ist, zeigt der Kommentar einer 52-jährigen Meinungsmelderin aus Niedersachsen. Sie schreibt: "Ich bin gehörlos. Oft wurde durch die Lautsprecher eine Umleitung bekannt gegeben. Alle steigen aus und ich sitze allein da. Bis der Fahrer es mir erklärte, habe ich den Anschluss verpasst. Immer haben Gehörlose Nachteile und keine Barrierefreiheit im ÖPNV. […] Traurig."

Mehr zum Thema:

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. April 2019, 19:30 Uhr