Wem hilft die Mehrwertsteuersenkung in Bremen wirklich?

Die Senkung der Mehrwersteuer soll seit Juli die Kauflust steigern. Doch nach einem Monat spüren die Bremer Händler kaum Rückenwind – mit einer Ausnahme.

Frau mit Einkaufstüten läuft an einem Laden vorbei.
Die Senkung der Mehrwertsteuer freut vor allem Konsumenten. Händler haben von Rabatten oft nichts. Bild: DPA | Mascha Brichta

Vor gut einem Monat hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) verkündet, die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent zu senken. Es sollte ein "großer Wumms" werden, der die Verbraucher erfreut und den Einzelhandel belebt. Einen Monat später ist der Wumms jedoch verhallt – zumindest im Einzelhandel.

Bei einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) bewerteten von jenen Unternehmen, die nicht im Lebensmittelhandel tätig sind, nur 13 Prozent die Steuersenkung als eine wirksame Hilfe zur Belebung des Konsums.

Große Unterschiede bei Textilien und Möbeln

Innerhalb der Branchen gibt es jedoch große Unterschiede. "Der Wumms, den man von der Mehrwertsteuersenkung erwartet hat, ist bei uns im Modehandel nicht angekommen", sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Textil, Rolf Pangels. Ihm zufolge geht die Steuersenkung von drei Prozentpunkten bei den 30, 40 oder 50 Prozent Rabatt, die im Modehandel zu dieser Jahreszeit üblich seien, einfach unter.

Anders fällt das Fazit bei Einrichtungsgeschäften aus. "Bei Möbeln spielt die Umsatzsteuer eine Rolle. Wenn sie bei einer Küche ein paar Hundert Euro sparen können, macht sich das bemerkbar und bringt den einen oder anderen dazu, zuzugreifen", sagt der Geschäftsführer des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM), Jan Kurth. Seit Ankündigung der Steuersenkung Mitte Juni, habe sich der Auftragseingang für Produkte mit Lieferzeiten von einigen Monaten kräftig erhöht.

Bundestrend gilt auch in Bremen

"Wenn ich mit den Menschen in Bremen spreche, dann ist das genauso: Das eine Extrem ist der Textilfachhandel, das andere der Möbelhandel", sagt Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. Drei Prozent auf Kleidung fielen einfach nicht auf, weil die Rabatte so hoch seien. Bei vergleichsweise teuren und preisstabilen Möbeln sei dies anders.

Für den Elektronikhandel sieht König hingegen ein nicht ganz so klares Bild. "Wenn man eine Dreiteilung macht, dann ist Elektronik in der Mitte", sagt er. So gebe es einerseits Produkte, auf die regelmäßig Rabatte gewährt würden und Mehrwertsteuersenkungen daher keine Kaufanreize auslösten. Bei höherwertigen und teuren Geräten wie Fernseher, Waschmaschinen oder Computer könne der kleine prozentuale Preisabzug hingegen schon eine Rolle spielen.

Debatte um Weitergabe

Ob Händler in Bremen oder Bremerhaven letztlich von der bis Dezember gültigen Steuersenkung profitieren, vermag König nicht zu sagen. "Die Skepsis war schon bei dem ein oder anderen kleineren Händler sehr groß", sagt er. Zumal die Weitergabe der Kostenersparnis auch mit technischem Aufwand verbunden war.

Hinzu kam, dass drei Prozent Mehrwertsteuer-Abzug aus Kundensicht rechnerisch nur einem Rabatt von gut 2,5 Prozent auf den Kaufpreis entsprochen hätte. Weshalb die Händler dazu übergegangen seien, nachträglich drei Prozent Rabatt auf den gesamten Kaufpreis zu gewähren. "Um es unkomplizierter für den Kunden zu gestalten, werben viele Händler sogar mit einem pauschalen 'drei Prozent Rabatt' statt mit dem tatsächlich eingesparten Mehrwertsteuerbetrag in Höhe von 2,521 Prozent", sagt König.

Lebensmitteleinzelhandel unter Druck

Anders als zum Beispiel in vielen Hotels und Gaststätten, sei die Mehrwertsteuersenkung im Einzelhandel im Wesentlichen weitergegeben worden. Vor allem dort, wo Preise gut verglichen werden könnten, sei dies unumgänglich gewesen. "Im Lebensmitteleinzelhandel ist der Druck zum Beispiel sehr hoch", sagt König.

Es schadet nichts, nützt aber auch nichts.

Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest

Wenn man die drei Prozent zusammenzähle, sei dies zwar gut für bisschen konjunkturelle Unterstützung. Dem Einzelhändler selbst, hilft das aber wenig, wenn der Kunde weniger zahlt.

Das sagen Bremer Kunden und Unternehmer zur Mehrwertsteuer-Senkung

Video vom 1. Juli 2020
Ein Preisschild mit dem Wert von 1,39 Euro wird durch ein Preisschild mit einem Wert von 1,36 Euro ersetzt.
Bild: Radi Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. August 2020, 23:30 Uhr