Senat beschließt Maskenpflicht – und setzt auf Einsicht der Bremer

Wie in Niedersachsen, so gilt ab Montag auch in Bremen eine Maskenpflicht im ÖPNV und in Geschäften. Auch für Geflüchtete in der Erstaufnahmestelle in Vegesack gibt es Veränderungen.

Video vom 24. April 2020
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Mundschutz.

Wegen der Corona-Pandemie gilt in Bremen ab Montag die Pflicht zur Mund- und Nasen-Bedeckung im öffentlichen Personennahverkehr sowie in "für Publikumsverkehr geöffneten Verkaufsstätten". Damit folgt der Zwei-Städte-Staat dem Beispiel Niedersachsens. Das hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) am Freitag bei einer Senatspressekonferenz erklärt.

Ausgenommen von der Pflicht zum Tragen einer solchen Masken sind Schwerbehinderte, Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthmatiker und Kinder. Keine Rolle soll zudem spielen, ob es sich bei der Bedeckung von Mund und Nase um eine gekaufte oder um eine selbstgebastelte Maske handelt. Auch einfache Schals oder Tücher kämen infrage, so Bovenschulte. Entscheidend sei, dass sie den Mund und die Nase bedeckt hielten.

Zumindest vorerst werde Bremen bei Verstößen gegen diese Maskenpflicht keine Strafen verhängen, erklärte der Bürgermeister weiter.

Wir setzen auf die Einsichtsfähigkeit der Menschen.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Bremen verkleinert Erstaufnahmestelle

Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hat bei der Senatspressekonferenz angekündigt, dass Bremen weitere Bewohner der Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete in Bremen-Vegesack umquartieren wolle. Statt derzeit 370 sollen in dem Gebäude in der Lindenstraße mittelfristig maximal nur 250 Personen zugleich untergebracht werden.

Stahmann warb allerdings um Verständnis dafür, dass Bremen Zeit brauchen werde, um für die entsprechenden Ersatzquartiere zu sorgen. Ihr Ressort bemühe sich, Wohnungen zu finden. Außerdem wolle der Senat ehemalige Übergangswohnheime wieder in Betrieb nehmen.

Neue Geflüchtete kommen in Alfred-Faust-Straße

In der Erstaufnahmestelle in der Lindenstraße sind derzeit 133 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Ein Geflüchteter befinde sich wegen der Infektion im Krankenhaus, berichtete Stahmann. Den anderen Infizierten gehe es relativ gut, sie seien zumindest nicht bettlägerig, sagte Stahmann weiter. Neu ankommenden Flüchtlinge werde Bremen vorerst in der Alfred-Faust-Straße unterbringen, wo sich eine Dependance der Landeserstaufnahmestelle befindet.

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) machte bei der Pressekonferenz deutlich, dass der Bremer Senat auch für mehr Aufenthaltsqualität in der Vegesacker Erstaufnahmestelle sorgen wolle. So sollten sich dort künftig nur noch maximal zwei Personen einen Raum teilen müssen. Auch wolle man dafür sorgen, dass die Bewohner nach draußen könnten und Beschäftigungsmöglichkeiten hätten. Hierzu müsse begleitendes Personal bereitgestellt werden.

Engpässe derzeit eher bei Schutzkitteln als bei Masken

Entwarnung gab die Gesundheitssenatorin mit Blick auf das Klinikum Links der Weser (LdW). Nachdem dort eine Reihe von Corona-Fällen auch unter dem Personal gemeldet worden war, gingen im LdW alle Stationen wieder in Betrieb und stünden vollumfänglich zur Verfügung, sagte Bernhard.

Weiterhin Sorgen bereitet dem Gesundheitsressort offenbar der angespannte Markt für Schutzausrüstung. Sehe es bei den Masken gerade ganz gut aus, wenn auch die Preise mit der Maskenpflicht in die Höhe geschossen seien, so gebe es gerade "eher einen Engpass bei Schutzkitteln und Overalls", erklärte die Senatorin.

Besonders im Blick möchte Bernhard weiterhin die Pflegeeinrichtungen Bremens halten. Es sei ein wichtiges Anliegen, dass sich die Pflegekräfte und auch die Bewohner dort sicher fühlen könnten. Zu den bisherigen Todesfällen in Bremen wegen der Corona-Pandemie sagte Bernhard: "Jeder einzelne Todesfall ist zu betrauern, man darf ihn nicht einfach in Kauf nehmen."

Die Senatorin appellierte an die Bremer, nicht leichtsinnig aufgrund der jüngsten Lockerungen von Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu werden. So müsse auch, wer eine Maske trage, unbedingt weiterhin ausreichend viel Abstand zu seinen Mitmenschen halten.

Mitschnitt der Senats-PK zur Corona-Lage

Video vom 24. April 2020
Bürgermeister Andreas Bovenschulte zeigt seine Mundschutzmaske

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. April 2020, 19:30 Uhr