Interview

Warum eine Bremerhavener Polit-Rebellin in die Politik will

Marnie Knorr hat in Bremerhaven erfolgreich gegen Projekte der Stadt gekämpft. Nun will sie selber Einfluss nehmen und sich Ende Mai in die Stadtverordnetenversammlung wählen lassen.

Manie Knorr, Herbert Winter und Jürgen Milchert in Bremerhaven.

In der Initiative "Meergestrüpp" haben Marnie Knorr und ihre Mitstreiter massiv gegen das Bauprojekt "Neue Aue" im Stadtteil Lehe gekämpft – und am Ende mit Hilfe des Verwaltungsgerichts gewonnen. Die 33-jährige Innovationsmanagerin war stets skeptisch gegenüber Politik und Magistrat. Nun will sie selbst Teil werden. Wieso, erklärt sie im Interview.

Frau Knorr, Sie wollen als Einzelabgeordnete für die Stadtverordnetenversammlung kandidieren. Warum?
Ich will helfen, die politische Landschaft neu zu gestalten und gute politische Ideen durchkommen zu lassen. Ich habe so oft erlebt, dass alles vorher beschlossen war, dass es geheime Absprachen gab, dass der Fraktionszwang galt. Ich finde, wir brauchen Diskussionen im offenen Raum. Und nicht wie jetzt so oft parlamentarische Theatervorstellungen.
Seit wann planen Sie diesen Gang in die Politik? Hat Ihnen der Erfolg bei der "Neuen Aue" Rückenwind gegeben?
Das auf jeden Fall: Ich weiß seitdem, dass sehr viele Leute anders denken und von der Politik genervt sind. Ich fühle mich da durchaus auch beschützt. Aber nur rumsitzen und meckern bringt ja auch nichts. Ich habe schon länger darüber nachgedacht, selbst aktiv zu werden. Zuerst habe ich auch über einen Parteieintritt nachgedacht, aber ich glaube, in der Zukunft werden andere Formen wichtig. Darum trete ich allein an.
Wie wollen Sie allein etwas bewirken?
Ich glaube, es kommt auf die Zusammenarbeit der Einzelabgeordneten an, von denen es in Bremerhaven ja wahrscheinlich mehrere geben wird. Ich würde mich freuen, wenn wir da etwas positive Energie reinbringen können. So wie es jetzt ist, ist die Energie ja eher herunterziehend. Inhaltlich bin ich super interessiert an der Arbeit in einigen Ausschüssen, zum Beispiel Bildung, Umwelt oder Kultur.
Und welche Inhalte sind ihnen konkret wichtig?
Bürgerbeteiligung und Transparenz. So vieles passiert im Unsichtbaren, das kann man doch ändern: Man könnte die Ideen- und Beschwerdestellen viel offener gestalten, damit zu erkennen ist, wer wie denkt und welche Wünsche es bei den Bürgern gibt. Das Bestehende sollte man eher qualitativ statt quantitativ betrachten: Warum muss Bremerhaven immer mehr Einwohner bekommen, wenn es schon bei der Versorgung von denen hakt, die schon da sind? Das sind ja keine großen Visionen, sondern Selbstverständlichkeiten. Aber an denen müssen wir arbeiten.
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 4. Januar 2018, 23.30 Uhr