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So sauber war Bremens Luft lange nicht – gut für die Gesundheit

Durch den Corona-Lockdown hat sich die Luftverschmutzung durch Schadstoffe im vergangenen Jahr in Bremen um 30 Prozent verringert. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Feldlandschaft mit Windrädern bei Sonnenaufgang, die Stahlwerke im Hintergrund.
Im Land Bremen sank die Belastung der Luft mit Schadstoffen durch den Lockdown 2020 um 30 Prozent. (Archivbild) Bild: DPA | G. Franz/Blickwinkel

Nicht nur für den Umwelt- und Klimaschutz ist es wichtig, dass in unserer Luft wenig Schadstoffe sind – Menschen leiden ebenfalls unter schlechter Luft. Das zeigt auch eine aktuelle Studie der Europäischen Umweltagentur (EUA). Demnach haben die Menschen in Deutschland im Jahr 2020 im Durchschnitt 3,8 Tage an Lebenszeit durch Luftverschmutzung verloren. Für jemanden der 2020 30 Jahre alt ist und der 80 Jahre alt wird, bedeutet dies, dass er durch die Luftverschmutzung vermutlich sechseinhalb Monate weniger lebt als er eigentlich könnte. Zumindest wenn die Luftverschmutzung auf dem Niveau bleibt, auf dem sie aktuell ist. In der Studie wird außerdem noch die Zahl der "vorzeitigen Todesfälle" durch Luftverschmutzung angegeben. Doch an der Formel zu dieser Berechnung gibt es Kritik. Deshalb orientieren wir uns an der Anzahl der verlorenen Lebensjahre.

Das Corona-Jahr 2020 mit seinen Einschränkungen im Straßenverkehr und der Industrie hat auch gezeigt, wie die Luftverschmutzung einzudämmen ist. Denn in Bremen wurden rund 30 Prozent weniger Schadstoffe in die Luft freigesetzt als zuvor. Das geht aus einer vorläufigen Auswertung der Luftmessung des Bremer Umweltressorts hervor, die buten un binnen vorliegt. Demnach wurden alle gesetzlichen Grenzwerte zum Schutz der Gesundheit im Land Bremen eingehalten. Und zum ersten Mal wurde im Land Bremen an allen Luftmessstationen auch der Grenzwert der WHO für Feinstaub eingehalten. Der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid sank an einigen Punkten sogar auf den niedrigsten Wert seit Aufzeichnungsbeginn.

Aber woraus besteht Luft eigentlich?

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Luft besteht nur zu rund 20 Prozent aus Sauerstoff. Hauptbestandteil ist Stickstoff mit rund 78 Prozent. Dann gibt es in unserer Luft noch Edelgase wie zum Beispiel Argon und andere Spurengase. Eines dieser Spurengase ist zum Beispiel Kohlenmonoxid. Dazu kommen noch Feinstaub, Schwefel- und Stickstoffverbindungen, Ozon oder auch flüchtige organische Verbindung (Vocs). Und obwohl all diese Schadstoffe nur so einen kleinen Prozentsatz unserer Luft ausmachen, wirken sie sich trotzdem auf unser Leben aus, wie unter anderem der Bericht der EUA zeigt.

Das sind die wichtigsten Luftschadstoffe

Eine Grafik die anhand von Piktogrammen darstellt, welche Schadstoffe sich in der Luft befinden, und wo diese freigesetzt werden. Staub/Feinstaub Schwefeldioxid Ozon Stickoxide VOCS Kohlenmonoxid z.B. bei der Metallerzeugung z.B. bei Verbrennungsprozessenim Motor z.B. bei Verbrennung von Kohle, Erdöl oder Erdgas flüchtige, organische Verbindungen, z.B. an Tankstellen z.B. durch Autobahnverkehr z.B. durch Energie- undWärmegewinnung
Bild: Radio Bremen Quelle: Umweltressort

Viele der Luftschadstoffe entstehen bei Verbrennungsprozessen. Feinstaub entsteht unter anderem in der Metallerzeugung. Unter Feinstaub versteht man Partikel, die einen bestimmten Durchmesser haben. Gemessen werden sie, in dem sie durch einen bestimmten Lufteinlass im Messgerät herausgefiltert werden. Dabei unterscheidet man zwischen der Partikelgröße 10 Mikrometer (PM10) und 2,5 Mikrometer (PM2,5).

Auch Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid fallen während Verbrennungsprozessen in Motoren an, genauso Schwefeldioxid in Energie- und Wärmegewinnungsanlagen der Industrie. Vocs sind sogenannte flüchtige organische Verbindungen, die zum Beispiel an Tankstellen entstehen. Sie kommen aber auch in einigen Klebstoffen oder Lacken vor.

Ozon entsteht oft besonders viel im Sommer auf Autobahnen. Dazu kommt es wie folgt: Ozon wird nicht direkt freigesetzt, sondern entsteht bei starker Sonneneinstrahlung durch komplexe photochemische Prozesse aus Vorläuferschadstoffen. Solche Vorläuferschadstoffe sind beispielsweise Stickstoffoxide, die von Motoren freigesetzt werden. Und wenn im Sommer die Hitze auf den Autobahnen steht, kommt es dort besonders zu viel bodennahem Ozon. Ozon wird deshalb als sekundärer Schadstoff bezeichnet.

Ozon besteht aus drei Sauerstoffatomen. Es ist eines der wichtigsten Spurengase in der Atmosphäre und ein farbloses, giftiges und chemisch sehr reaktives Gas. Es greift viele andere Stoffe an und kann deshalb auch Menschen schädigen. So beschreibt es das Umweltbundesamt.

Hier stehen in Bremen und Bremerhaven die Luftmessgeräte

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Die Luftschadstoffe werden mit speziellen Messgeräten gemessen. Im Land Bremen geschieht das seit 1987. Im Jahr 2019 waren es insgesamt neun Luftmessstationen, wie dem Jahresbericht des Umweltressorts zu entnehmen ist. Fünf sind in der Stadt Bremen aufgebaut, eine in Bremerhaven. Dazu kommen weitere, die an Stellen stehen, wo besonders viel Verkehr fließt. In Bremen sind das die Stationen am Dobben und an der Nordstraße, in Bremerhaven an der Cherbourger Straße. Außerdem gibt es auch noch eine mobile Messstation, die punktuell genutzt wird, um beispielsweise zu ermitteln, wie die Belastung durch die Kreuzfahrtschiffe in Bremerhaven ist.

Entwicklung der Feinstaub-Belastung an der Messstation Dobben

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Zum ersten Mal wurde in Bremen 2020 auch der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub eingehalten – und das sowohl beim Feinstaub PM10 als auch beim Feinstaub PM2,5. Die WHO nimmt strengere Grenzwerte für den Ausstoß von Feinstaub an als die EU. Bei der WHO liegt der Grenzwert für die Partikelgröße 10 bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter, für PM 2,5 bei 10. Von Seiten der EU ist für PM10 ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter erlaubt und für PM2,5 ein Wert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter. Bremen lag in den letzten 20 Jahren an der Verkehrsmessstation Dobben immer unterhalb des Grenzwertes der EU.

Entwicklung der Stickstoffdioxid-Belastung an der Messstation Dobben

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Auch die Belastung durch Stickstoffdioxid ist in den vergangenen 20 Jahren an der Messstation Dobben gesunken. 2020 sanken die Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxid an den drei verkehrsnahen Messstationen Dobbenweg, Nordstraße und Cherbourger Straße in Bremerhaven auf die niedrigsten Werte seit der Aufzeichnung. Auch das geht aus dem vorläufigen Bericht des Umweltressorts hervor.

Bremens Messstationen im Jahr 2020 im Vergleich

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Der Vergleich zwischen den einzelnen Messstationen im Jahr 2020 zeigt deutlich, dass besonders an den Verkehrsstationen oft höhere Stickstoffdioxid- und Feinstaubwerte zu messen sind. Nicht an allen Messstationen werden auch alle Schadstoffe erfasst.

Grundsätzlich gilt für 2020 jedoch, dass die gesellschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie die Belastung mit Luftschadstoffen deutlich beeinflusste. Besonders gelte das laut dem Bericht des Umweltressorts in den Monaten März bis Juni. Die Feinstaubbelastung im Land Bremen lag 2020 im Jahresmittel etwa zwei Mikrogramm unter dem Mittel des letzten Jahres. Deutlich geringer fiel außerdem die Feinstaubbelastung zu Silvester 2020/2012 aus.

Das sieht insgesamt nach einer guten Entwicklung aus. Aber um die Gesundheitsgefährdung durch Luftverschmutzung wettzumachen, reicht ein Jahr guter Luft allein nicht aus. Und dass sich diese Messwerte im Jahr 2021 wiederholen lassen, ist unwahrscheinlich.

Wie ist es um die Bremer Luft bestellt?

Video vom 22. Februar 2021
Ein Kraftwerk stößt sichtbaren Dampf aus.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Lina Brunnée Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Februar 2021, 19:30 Uhr