Lohse: Bremen wird Klimaschutzziele weit verfehlen

  • Deutschland habe Vorreiterrolle beim Klimaschutz verspielt
  • Bremen hat ab 1. Januar Vorsitz der Umweltministerkonferenz
  • Lohse wirft Bundesregierung mangelnde Konsequenz vor
Bausenator Joachim Lohse im Interview.
Bremens Umweltsenator Joachim Lohse übernimmt am 1. Januar den Vorsitz der Umweltministerkonferenz der Länder.

Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) sieht Deutschland wegen mangelnder Konsequenz beim Kohleausstieg nicht mehr in der Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Auch Bremen werde seine Klimaschutzziele bis 2020 weit verfehlen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihren einstigen Ruf als Klimakanzlerin eingebüßt.

"Ich denke, das ist wesentlich darauf zurückzuführen, dass die Bundesregierung sich dem Thema Kohleausstieg bis heute nicht konsequent gewidmet hat", sagte Lohse der Deutschen Presse-Agentur. Er übernimmt am 1. Januar turnusmäßig den Vorsitz der Umweltministerkonferenz (UMK) der Länder.

Lohse für Stilllegung von Kohlekraftwerken

"Und dabei könnten wir mit einem sehr einfachen Schritt, nämlich der Stilllegung von Kohlekraftwerken, einen Riesensprung machen, um uns den Zielen sehr anzunähern", so Lohse. Eine Aufgabe der UMK als Fachministerkonferenz sei es, wissenschaftliche Fakten zur Kenntnis zu nehmen. "Die quantitative Bedeutung der Kohleverstromung für das Erreichen oder das Verfehlen der Klimaschutzziele, die kann nicht strittig sein, zumindest nicht für vernünftige Menschen. Da sind die Bilanzen ganz eindeutig", betonte Lohse.

Bei entsprechenden politischen Beschlüssen werde es immer unterschiedliche Präferenzen geben. Es sei aber wichtig, die Fakten nicht zu negieren. Der UMK-Vorsitz geht am 1. Januar von Brandenburg auf Bremen über. Die Ministerrunde wird in der Hansestadt vom 6. bis 8. Juni und vom 7. bis 9. November tagen.

Insektensterben Thema des Jahres 2018

Für 2018 wurde bereits ein Thema fest verabredet: Das Problem des Insektensterbens. Der Rückgang der Insektenzahlen habe bei allen Bundesländern große Besorgnis ausgelöst, so Lohse. Es gehe vor allem darum, wissenschaftlich verlässliche Daten zu bekommen.

"Uns ist allen klar, dass ein großer Teil der Landwirtschaft auf der Bestäubung durch die Bienen basiert. Die Vorstellung, dass man mit Wattestäbchen anfängt, Blüte für Blüte von Hand zu bestäuben, was teilweise in anderen Ländern schon passiert, das ist natürlich ein Albtraum", sagte Lohse. "Wir müssen sicherstellen, dass die Bienenvölker weiterhin erhalten bleiben."

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 25. Dezember 2017, 11 Uhr