Windanlagenbauer Senvion insolvent – Bremerhavener Mitarbeiter bangen

  • Gespräche mit Kreditgebern seien erfolglos verlaufen
  • In Bremerhaven sind etwa 230 Arbeitnehmer betroffen
  • Bremer Wirtschaftsressort ist optimistisch, was Kaufinteressenten angeht
Zu sehen ist das Senvion Gebäude.

Nach wochenlangen erfolglosen Diskussionen mit Geldgebern und möglichen Investoren hat der Windanlagen-Hersteller Senvion einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Damit solle der Umbau des Konzerns beschleunigt werden, teilte Senvion am Dienstag in Hamburg mit. Das Ziel sei die vollständige Rückkehr zu alter Stärke. "Auch wenn es uns bisher noch nicht gelungen ist, durch eine Refinanzierung etwas mehr Freiraum zu gewinnen, so können wir doch auf ein grundsätzlich solides und starkes Geschäftsmodell bauen", sagte Vorstandschef Yves Rannou.

Der Windrad-Hersteller beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Erst 2017 hatte Senvion 730 Stellen gestrichen und die Schließung der Werke in Husum in Nordfriesland und Trampe in Brandenburg sowie Powerblades in Bremerhaven angekündigt. Seitdem werden die Senvion-Windräder in Schleswig-Holstein und Indien konstruiert und in Bremerhaven — der letzten deutschen Produktionsstätte –sowie überwiegend im Ausland gefertigt. Die IG Metall Küste gibt die Zahl der Senvion-Mitarbeiter im Inland mit rund 2.100 an. Die mehr als 200 Mitarbeiter in Bremerhaven produzieren Maschinenhäuser und Naben.

Senvion verschickte Ad-Hoc-Meldung

Bereits gestern hatte Senvion per Ad-Hoc Meldung angekündigt, gerichtliche und außergerichtliche Möglichkeiten prüfen zu wollen. Solche Meldungen müssen börsenorientierte Unternehmen machen, wenn beispielsweise unerwartet hohe Gewinneinbußen drohen. Ob die Bremerhavener Arbeitsplätze jetzt in Gefahr sind, ist nicht bekannt. Die Gewerkschaft IG Metall steht bereits mit den Betriebsräten in Kontakt. Wie Senvion mitteilt, soll das Tagesgeschäft erst mal unverändert weiterlaufen.

Das Bremer Wirtschaftsressort zeigt sich optimistisch, dass Senvion geeignete Investoren finden wird.

Senvion verfügt über ein gutes Produkt, eine gute Auftragslage und über qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Tim Cordßen, Sprecher Bremer Wirtschaftsbehörde

Man sehe eine gute Fortführungsperspektive für die Produktion in Bremerhaven, sagte Cordßen. Senvion ist in eine finanzielle Schieflage geraten, weil das Unternehmen mit Großprojekten in Verzug gekommen ist.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 9. April 2019, 17 Uhr