Als die Bremer Vulkan-Werft vor 25 Jahre Konkurs anmelden musste

Es war für viele ein Schock, als die Traditionswerft pleite ging. "Einmal Vulkanese, immer Vulkanese" – dieser Traum war für tausende Arbeiter plötzlich vorbei.

Luftaufnahme der Vulkan-Werft (Archivbild)
Bild: Staatsarchiv Bremen
Bild: Staatsarchiv Bremen

Das Ende hatte sich abgezeichnet. Schon im Februar, am Aschermittwoch, hatte der völlig überschuldete Werftenverbund einen Vergleich beantragt. Aber die Gläubiger waren nicht bereit, auf Forderungen zu verzichten. Noch nicht mal reden wollten sie darüber. Der Konkursverwalter Jobst Wellensiek musste eingestehen, dass trotz aller Bemühungen des Vorstandes und der Verwalter ein solcher Verzicht nicht erreichbar war. Sein Fazit lautete daher: "Wir stehen total mit dem Rücken zur Wand."

Ausgerechnet am "Tag der Arbeit" gingen beim Bremer Vulkan endgültig die Lichter aus. Am 1. Mai 1996 wurde das Aus besiegelt. Vorstandschef Udo Wagner, erst drei Monate zuvor als Sanierer geholt, verkündete den Konkurs.

Für das Unternehmen, seine Aktionäre, seine Mitarbeiter, seine Gläubiger, findet heute eine historische Zäsur statt.

Udo Wagner, Vorstandschef

Neben der Verbund AG gingen auch die Vulkan-Stammwerft in Bremen-Vegesack und die Bremerhavener Schichau-Seebeck-Werft in Konkurs. Und tausende Beschäftigte standen vor einer ungewissen Zukunft. Die Stimmung war "saumiserabel", weil keiner wusste, wo sie wieder Arbeit finden sollten. Die meisten rechneten mit dem Schlimmsten. Einer schilderte verzweifelt seine Lage: "Wenn die Werften sterben, denn ist Bremerhaven tot. Ich selbst bin 26 Jahre auf der Schichau-Seebeck-Werft, mein Sohn ist in der Ausbildung. Oh Mann – und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll!"

Gegen Ex-Vulkan-Chef Friedrich Hennemann ermittelte die Staatsanwaltschaft in der Folge wegen des Verdachts der Untreue. Mit ehrgeizigen Plänen hatte er 1988 den Job an der Spitze übernommen. Einen globalen maritimen Technologiekonzern wollte er schaffen:

Das Jahrhundert der Raumfahrt ist vorbei. Wir stehen vor dem Jahrhundert der Ozeane. Denn dort liegen die Schätze, die die Probleme dieser Welt lösen – nicht im All.

Archivbild: Friedrich Hennemann im Interview.
Friedrich Hennemann, Werftenchef

Immer mehr kaufte Hennemann dazu. Die ostdeutschen Werften in Wismar und Stralsund, das Dieselmotorenwerk Rostock, Krupp Atlas Elektronik und der Maschinenbauer Dörries Scharmann – sie alle gehörten am Ende zu den rund 100 Firmen im Vulkan-Verbund. Der hatte 23.000 Beschäftigte. Und 2,5 Milliarden Mark Schulden. Die Pleite, so Konkursverwalter Wolfgang van Betteray, markierte "das Ende einer nicht abgesicherten Expansionspolitik. Begleitet von einem völlig fehlgeschlagenen Versuch der Diversifizierung."

Aber die Verantwortung dafür trug nicht nur Hennemann. Er kam nach sechs Wochen U-Haft wieder frei, das Verfahren wegen Untreue wurde eingestellt. Untersuchungsausschüsse in Bremen, Bonn und Schwerin kamen später zu dem Schluss, dass auch mangelnde Kontrolle von Politik, Treuhand-Anstalt, Aufsichtsräten und Wirtschaftsprüfern zum Zusammenbruch des Vulkan führten.

Pleite traf vor allem die Bremer

Die ostdeutschen Werften wurden vor dem Konkurs aus dem Verbund herausgelöst. Aber die Vulkan-Stammwerft in Bremen-Vegesack und Schichau-Seebeck in Bremerhaven traf es. Und die Arbeiter redeten Klartext: "Wir ham' die Scheiße nicht gebaut. Wir müssen es ausbügeln."

4.500 Schiffbauer wechselten für zwölf Monate in eine Beschäftigungsgesellschaft. Ein Teil wurde an die Werften verliehen, um die letzten Aufträge abzuarbeiten. Im August 1997 war auf der Vulkan-Werft endgültig Schluss, nach mehr als 100 Jahren Schiffbaugeschichte wurde sie dichtgemacht.

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Autorin

  • Birgit Sagemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Stichtag, 1. Mai 2021, 6:40 Uhr