Kommentar

Rund um den Hauptbahnhof wird es nicht besser

Ein Kommentar von Marcus Behrens

Als 2013 das Fernbus-Monopol der Deutschen Bahn gesetzlich gekippt wurde, war Bremens Zentraler Omnibusbahnhof bereits fast 15 Jahre lang Geschichte. Eine traurige Geschichte, findet Marcus Behrens.

Die Haltestelle Hauptbahnhof in Bremen nach dem Umbau 1999
Am 21. Mai 1999 wurde die neue Haltestelle "Hauptbahnhof" in Bremen offiziell in Betrieb genommen. Von der "Idylle" auf diesem Bild ist schon lange nichts mehr übrig. Bild: DPA | Ingo Wagner

Erinnern Sie sich noch daran, als es in Bremen einen ZOB gab und die Regional- und Reisebusse auf dem Platz vor dem Bremer Überseemuseum hielten? Richtig: Die Haltestellen der Straßenbahnen waren im rechten Winkel um das Columbus-Hotel angelegt, die Stadtbusse nutzten den Bahnhofsplatz diagonal, und dort, wo jetzt die Regionalbusse halten, durften Autos fahren und parken. Dieses Modell würde auch heute noch funktionieren – da bin ich mir sicher. Aber es wäre in den Köpfen der Stadtplaner und der Politiker sicher nicht mehr zeitgemäß. Aber warum? Was spricht dagegen, dass man ohne Umwege und Schikanen auch mit einem Auto den Hauptbahnhof erreichen kann? Was spricht dagegen, dass man ausreichend Platz zum Ein- und Aussteigen in Stadtbusse und Straßenbahnen hat und sich nicht durch Massen quetschen muss, weil niemand Platz macht – und Drängelei und Enge eine Spielwiese für Taschendiebe sind? Übrigens nicht erst, seit der Platz wieder eine Baustelle ist. Was spricht dagegen, dass man gefahrlos zwischen Straßenbahn und Stadtbus umsteigen – oder den Hauptbahnhof erreichen kann, ohne noch über fünf Gleise laufen zu müssen?

Nur für Regionalbusse ist es nicht schlechter geworden

Busse am alten ZOB in Bremen
Derzeit halten die Fernbusse in Bremen unter der Hochstraße Breitenweg am Straßenrand. Bild: DPA | Focke Strangmann

Das war alles einmal so. Als noch nicht so viele Menschen unterwegs waren, gab es ein Vielfaches an Platz, der damals aber noch gar nicht benötigt wurde. Vermutlich einer der Gründe, die zur aktuellen Situation rund um den Bremer Hauptbahnhof geführt haben: Planer und Politiker wollten den Platz, auf dem sich alles verlief, intensiver nutzen. Wer mit dem Zug verreist, braucht auch kein Auto, so eine weitere bestechende Logik der Politiker. Und: Fernbusse spielten damals – und noch lange Zeit danach – fast keine Rolle, während die Reisebusse ihre Besuchsgruppen ohnehin lieber direkt am Zaun des Rolands absetzen wollen. Einzig für die Regionalbusse wurde eine gute Lösung gefunden – im wahrsten Sinne des Wortes eine Insellösung.

Ein-, Aus- und Umsteigen eine Qual

Das alles führte dazu, den Zentralen Omnibusbahnhof aufzulösen und die Haltestellen dezentral in der Gegend zu verstreuen. Statt Platz für Busse wuchs plötzlich Gras zwischen Bahnhof und dem Übersee-Museum. Viele der zur Eröffnung gepflanzten Bäume sind inzwischen wieder verschwunden. Statt bequemem Ein- und Aussteigen in Stadtbusse und Straßenbahnen wurde alle Haltestellen so eng zusammengelegt, das man am liebsten nicht mehr am Hauptbahnhof aus- oder umsteigt. Hinzu kam, dass immer mehr Menschen diese Verkehrsmittel nutzen und es immer nur noch voller und enger wird. Warum sollte man verfügbare gut 30.000 m² Fläche nutzen, wenn es gelingt, die Haltestellen für Stadtbusse und Straßenbahnen auch auf etwa 5.000 m² zusammenzupferchen? Stattdessen lieber mehr als zehn Jahre einen ungenutzten Platz vergammeln lassen und nun darauf neue Häuser errichten, die die unzumutbaren Zustände der Haltestelle Hauptbahnhof für immer festschreiben.

Und nun soll auch die Idee eines Zentralen Omnibusbahnhofs wiederbelebt werden. Die Fernbusse halten dann nicht mehr direkt am Breitenweg, sondern deutlich weiter entfernt vom Hauptbahnhof und der Haltestelle für Stadt-, Regionalbusse und Straßenbahnen. Immerhin soll auch ein Parkhaus direkt am ZOB entstehen, wo die Menschen, die billig mit dem Bus verreisen wollen, für vermutlich teures Geld ihr Auto abstellen können… In meinem Kopf geht diese Planung nicht auf.

  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 6. Januar 2018, 6 Uhr