Kommentar

Glücklos der Kandidat, trostlos die Lage seiner Partei

Die CDU liegt nach der jüngsten Wahl-Umfrage in Bremen vorn. Nur knapp, aber: Die Lage der SPD ist trostlos, meint buten un binnen-Regionalchef Frank Schulte. Es gebe nur eine triste Hoffnung.

Carsten Sieling während des Eiswettfests schaut ernst
Für Rot-Grün würde es zurzeit nicht reichen. SPD-Spitzenkandidat Carsten Sieling agiert glücklos, meint unser Kommentator. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Eine Momentaufnahme, mehr kann diese Vorwahl-Befragung des Weser-Kurier nicht sein. Der eine Prozentpunkt Vorsprung der CDU vor der SPD liegt im Bereich des statistischen Messfehlers. Also Vorsicht, diese Zahlen helfen hier nicht wirklich weiter.

Klar ist: Es wird knapp im Kampf um den Wahlsieg. Der Wahlkampf dürfte ein vergleichsweise kurzer, aber harter werden. Der SPD weht dabei ein eisiger Wind ins Gesicht. Kaum vorzeigbare Erfolge, kaum Profil, ein blasser Spitzenkandidat. Was hatte das für eine politische Symbolik, als Carsten Sieling kürzlich bei der Eröffnung der Bürgerpark-Tombola ein Los zog. Es war: richtig, eine Niete. Leider, wie er kommentierte. Beim dritten Versuch soll es dann immerhin für einen Trostpreis gereicht haben, ein Marmeladenglas. Glücklos agiert der Kandidat, trostlos ist die Lage seiner  Partei. In Bremen wirkt sie erschlafft und ausgelaugt.

Label der sozialen Gerechtigkeit an Linkspartei verloren

Ja, der Sanierungskurs ist ein Erfolg. Eindeutig. Aber damit gewinnt man keine Wahlen. Immer da, wo Bürgerinnen und Bürger ganz unmittelbar etwas mitkriegen, da hakt es: zuvorderst in den Schulen. Auf den Straßen. Beim Wohnen. Beim persönlichen Sicherheitsempfinden.

Aus dem Bund war bisher auch keine Hilfe zu erwarten. Parteichefin Andrea Nahles kämpft selbst ums politische Überleben. Grundrente für Geringverdiener, Zurückdrehen der Hartz-Reformen, damit will sie aktuell Boden gut machen. Ob das auch den Bremer Genossen zugute kommen kann? Abwarten. Das Label der sozialen Gerechtigkeit hat die SPD in Bremen schon länger an eine Linkspartei verloren, die hier weniger ideologisch, als vielmehr sehr pragmatisch agiert. Und dann ist da ja auch noch der grüne Koalitionspartner, der ordentlich in der bürgerlichen Mitte fischt.

Die Hoffnung, die die SPD haben kann, ist eine sehr triste: Dass es irgendwie dann doch noch knapp zum Wahlgewinner reicht, weil ein großer Teil der Wähler das macht, was er aus guter Tradition schon immer gemacht hat: ein Kreuz bei der SPD. Aus Gewohnheit, aber immer weniger aus ܜberzeugung.

 

  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Februar 2019, 8:20 Uhr