Kommentar

Hört auf, über den Stern zu diskutieren!

Er gilt als Bremens schlimmste Nerv-Kreuzung: Der Stern beschäftigt seit Jahrzehnten die Gemüter der Bremer. Unser Autor René Möller ist die Debatte über den Stern jedoch leid.

Die Bremer Stern-Kreuzung von oben

Mit dem Stern ist es wie mit einem komplizierten Nachnamen. So einer mit "cz" oder "szky" darin. Wer beim Lesen auf diese Buchstabenkombinationen trifft, hat erstmal Angst, diesen Namen auch richtig aussprechen zu können. Doch am Ende ist es meist gar nicht so schwer.

Sehr vielen Menschen geht es mit dem Stern auch so. Kommen sie auf diese Kreuzung zu, bekommen sie Angst, werden unsicher. Und diese Unsicherheit führt bei vielen dazu, sich nicht korrekt zu verhalten. Sie blinken an den falschen Stellen, bleiben mitten im Kreisverkehr stehen, um andere einfahren zu lassen oder sie nehmen anderen die Vorfahrt, ohne es zu wissen. Das führt zu Unfällen.

Die meisten Unfälle passieren aus Gründen der Unachtsamkeit und auch vor lauter Aufregung. Knapp 60 Unfälle passieren am Stern durchschnittlich pro Jahr. Die meisten mit Autos, danach kommen die Fahrräder, dann LKW und Busse. Das war vor dem Umbau so und geht offenbar auch danach so weiter. Die Zahlen zeigen es.

Unfallzahlen sind ein Grundrauschen

Für mich ist das keine Überraschung. Ich bin davon überzeugt, dass es völlig egal ist, ob man die Fahrbahnmarkierungen dick oder dünn, bunt, rot oder weiß macht. Der Stern ist eine Kreuzung, an der – leider – eine gewisse Zahl an Unfällen pro Jahr passiert. Die Unfallzahlen sind ein gewisses Grundrauschen. Das mag aber offenbar niemand so aussprechen.

Fast 20.000 Unfälle passierten im vergangenen Jahr insgesamt im Bremer Straßenverkehr. Ganze 67 davon waren am Stern! Das sind nicht mal ein halbes Prozent aller Unfälle. Noch eine beeindruckende Gegenüberstellung gefällig? Im letzten Jahr sind laut Verkehrsbehörde allein zwei Millionen Fahrräder durch den Stern gefahren. 29 davon hatten dort einen Unfall. Prozentual seien die Unfallzahlen 2018 sogar gesunken, sagt die Behörde.

Der Umbau des Sterns hat insgesamt rund eine Millionen Euro gekostet. Ich als Steuerzahler möchte nicht, dass diese Kreuzung jetzt wieder umgebaut wird. Und ich bin die Debatte über den Stern langsam auch leid. Bitte aufhören damit!

Egal, ob mit dem Auto, dem Bus oder auf dem Rad: Alle, die wir diese Kreuzung passieren, müssen dort aufpassen. Ein Umbau ändert daran leider nichts.

Wie der Umbau des Sterns sich auf die Unfallquote auswirkt

Luftbild vom Am Stern in Bremen
  • René Möller

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Mai 2019, 19:30 Uhr