Kommentar

Bis der nächste letzte Vorhang fällt

Das Musicaltheater in Bremen hat wieder eine Zukunft? Marcus Behrens hat das in den zurückliegenden fast zwanzig Jahren schon oft gelesen und gehört. Dass sich das Haus letztlich so lange über Wasser gehalten hat, spricht dafür, dass es Bedarf in der Stadt gibt. Allerdings wurde viel zu viel falsch gemacht.

Innenraum des Musicaltheaters in Bremen
Viel Platz für Zuschauer: Das Musicaltheater ist das Haus mit den meisten Plätzen in Bremen. Bild: Mehr Entertainment

Das Musicaltheater am Bremer Richtweg kam von Beginn an zu spät. Viele Jahre hatte Bremen den damals noch jungen Musical-Tourismus in Deutschland an sich vorbeiziehen lassen – "Cats", "Phantom der Oper", "Starlight Express" – so hießen die Erfolge. Hamburg und Bochum waren es, die das Rennen machten. "Miss Saigon" in Stuttgart war bereits am Scheitern, als das Musicaltheater in Bremen noch immer nicht eröffnet war.

Als es dann Anfang 1999 soweit war, versuchte man es mit "Jekyll and Hyde". Eher eine B-Produktion und ein C-Stoff: Das falsche Stück am falschen Ort zur falschen Zeit. Beim erwarteten Massenpublikum ein Flop, der nach nicht einmal zwei Jahren eingestellt wurde. Zum Vergleich: "Cats" war im Hamburger Operettenhaus knapp 15 Jahre lang zu sehen. Von diesem Fehlstart hat sich das Haus nicht wieder erholt. Bremen wurde nicht zur Musical-Stadt.

Ein zweiter Anlauf mit dem Klassiker "Hair" scheiterte bereits nach sechs Monaten. Beiden Produktionen fehlte das besondere Etwas – aber vielleicht fehlte Bremen auch das Angebot drumherum – also der Rahmen, der Menschen aus anderen Teilen des Landes in unsere Stadt kommen und auch etwas länger bleiben lässt.

Und jedes Mal wurden Millionen versenkt. Als das Theater am Goetheplatz umgebaut wurde, kam es passend, dass das Haus am Richtweg leer stand – eine Ausweichspielstätte war gefunden. Dann kam ein neuer Betreiber für das Musicaltheater, und es folgte ein neuer Besitzer der Immobilie, und es sollte noch ein paar Jahre weitergehen, bis ein weiteres Mal das Aus verkündet wurde. Mieter und Eigentümer hatten offenbar zu unterschiedliche Vorstellungen von dem Betrag, der gezahlt werden sollte. Der Immobilienbesitzer drohte nun gar mit dem Abriss. Vielleicht sollten Wohnungen entstehen. Ein kleiner, kaum noch wahrzunehmender Aufschrei säuselte durch die Stadt.

Wieder verging Zeit – und jetzt ist ein neuer Betreiber gefunden. Dass dieser das Geld für die Miete in vollen Säcken mitbringt, ist eher unwahrscheinlich, denn womit will er das finanzieren? Wenn das Musicaltheater in Bremen eine Erfolgsgeschichte wäre, dann hätte diese eigentlich schon vor dem allerersten Vorhang beginnen müssen, spätestens aber mit der ersten Produktion. Begonnen hat sie aber bis heute nicht. Die Millionen, die im Richtweg in alles, nur nicht in Kultur gesteckt wurden, sind futsch.

Es kann gar nicht genug Platz für Kultur in einer Stadt geben, aber offenbar ist es auch möglich, dauerhaft alles falsch zu machen. Das Musicaltheater am Bremer Richtweg ist der Beweis. Wir zählen die Monate, bis es das nächste Mal in den Schlagzeilen steht.

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  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 16. Oktober 2017, 12 Uhr