Kommentar

Die Grünen und Lohse – eine schwierige Beziehung

Joachim Lohse hat seinen Rückzug verkündet, bevor die Grünen ihn aussortiert hätten. Ihm war klar, dass er dem nächsten Senat nicht mehr angehören würde, meint unser Reporter Christian Dohle.

Joachim Lohse sitzt vor einem Bücherregal während eines Interviews.

"Das muss jetzt die Politik entscheiden" – ein typischer Satz von Joachim Lohse. Und einer, der das ganze Dilemma auf den Punkt bringt. Denn mit "Politik" meinte der Bau- und Umweltsenator mitnichten sich selbst, Kraft seines Amtes immerhin nicht weniger als die Speerspitze grüner Verkehrs- und Umweltpolitik. Mit Politik meinte Lohse stets die anderen. Wenn er selbst nicht den Mumm oder die Kraft hatte, die Richtung vorzugeben.

"Das muss jetzt die Politik entscheiden" – das hat Joachim Lohse in den vergangenen sieben Jahren viel zu oft gesagt. Denn der promovierte Chemiker Joachim Lohse war unbestritten ein Fachmann, theoretisch machte ihm in Umweltpolitik so schnell keiner was vor. Aber er war auch ein Zauderer, er fühlte sich unwohl auf dem öffentlichen Parkett und er trat allzu oft mit beiden Füßen tollpatschig in die bereit stehenden Fettnäpfe hinein. Die politische Bühne – sie war nie seine und sie wäre es auch nie geworden.

Die Grünen wollten keinen Pragmatiker

"Das muss jetzt die Politik entscheiden" – das haben die Grünen gehasst. Denn so einen wie Lohse wollten sie dort nicht. Sie wollen keinen Pragmatiker, der abwägt zwischen machbar und utopisch, zwischen Zwängen der Verwaltung und Versprechen der Politik, zwischen "Das kriegen wir hin!" und "Wünsch dir was!"

So gesehen hat Joachim Lohse das einzig Richtige gemacht. Er hat den Hut genommen, so lange er selbst noch Herr des Verfahrens war. Er hat auf den Posten des Bau- und Umweltsenators verzichtet, den er nie bekommen hätte. Er hat selbst über sein Schicksal bestimmt, bevor andere es tun.

Denn selbst wenn die Grünen auch nach der Wahl wieder das Bau- und Umweltressort besetzen würden, würde der Senator dort nicht Joachim Lohse heißen. Denn diese Personalie wird nicht der Senator selbst entscheiden – sondern die Politik.

  • Christian Dohle

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. April 2018, 19:30 Uhr