Kommentar

Die Anwohner des Domshofs sind dreist

Anlieger wünschen sich eine rasche Verschönerung des Bremer Domshofs. Doch daraus wird so schnell nichts. Richtig so, meint unser Redakteur Christian Dohle.

Architekten-Entwurf für den Domshof
So sieht ein von Anliegern des Domshofs in Auftrag gegebener Architekten-Entwurf aus. Bild: Latz + Partner

Hallo? Geht’s noch? Wie dreist ist das denn? Eine Schönheitskur für den Domshof wünschen sich – aufgepasst: die Anlieger – und sind schockiert, weil daraus nichts wird. Zumindest nicht so schnell, wie sie es gerne hätten.

Gemein, wirklich hundsgemein! Dabei haben die Anlieger des Domshofs doch wirklich echten hanseatischen Bürgersinn bewiesen. Haben einen Architekten mit ein paar Skizzen beauftragt, haben sich im Haus des Bürgerschaftspräsidenten – immerhin protokollarisch die Nummer 1 im Land – getroffen und anschließend selbstlos verkündet: Jawohl, der Domshof muss gemacht werden!

Und die Baubehörde? Springt einfach nicht über das Stöckchen! Entsetzen bei den Anwohnern, Fassungslosigkeit über so viel Dreistigkeit! Da kommt die Verwaltung ihrer ureigensten Aufgabe nicht nach.

Hallo? Geht’s noch? Wo kämen wir denn da hin, wenn Anwohner in der Baubehörde nur eine Bestellung abgeben müssten. Etwa: Herr Lohse, wir sind uns hier alle einig. Die Straße müsste dringend gemacht werden, den Spielplatz stellen wir uns anders vor und die Laternen, das können Sie sich gar nicht vorstellen, die sind nach den Jahren zu unmodern.

So ging‘s noch nie. Und so geht’s auch beim Domshof nicht. Zum Glück! Ob der Domshof die gewünschte Schönheitskur nämlich bekommt oder nicht – das entscheiden, wie überall in Bremen, nicht die Anlieger!

Und dann diese Mär, hier würden hanseatischer Bürgersinn oder selbstloses Engagement mit Füßen getreten. Das Interesse der Anwohner ist ziemlich durchschaubar: Sie wollen den Domshof aufgewertet sehen. Und damit auch ihre Immobilie.

Das ist nicht verwerflich. Ganz sicher nicht. Verwerflich ist nur der Druck, mit dem sie das durchsetzen wollen. Durchsetzen wollen, dass die Stadt sich auf Zuruf in Bewegung setzt und geschätzte zwei Millionen Euro investiert. Zwei Millionen, die an anderer Stelle möglicherweise dringender gebraucht werden.

Wie dreist ist das denn? Klare Antwort: ziemlich dreist!

  • Christian Dohle

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Mai 2018, 19:30 Uhr