Kommentar

Bremer Stufenmodell: Chaos und Willkür ohne Not

Straßenschild mit dem durchgestrichenen Wort "Corona-Regeln". Der Pfeil deutet darauf hin, dass es Richtung "Verwirrung" geht
Das Corona-Stufenmodell stiftet Chaos und Verwirrung. Bild: DPA | Christian Ohde/CHROMORANGE

Was bringt ein ausgeklügeltes Corona-Warnstufen-System mit Grenzwerten, wenn am Ende doch jeder macht, was er will, fragt sich unser Reporter Niklas Hons.

Am Freitag hat der Bremer Senat den neuen Leitindikator für die Corona-Maßnahmen vorgestellt: Die Hospitalisierungsinzidenz. Die Infektionszahlen hatten als wichtigster Wert in der Corona-Pandemie ausgedient. Nun sollte es also danach gehen, wie viele Bremerinnen und Bremer in den letzten sieben Tagen mit Corona ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Dafür hat sich der Senat sogar ein schlau klingendes Stufenmodell ausgedacht: Vier Stufen von null bis drei sollten die Maßnahmen gegen Corona vorgeben. Da fängt das Zahlenwirrwarr schon an. Was der Senat vorher nicht bis kaum kommuniziert hat: Das Stufenmodell ist nicht verbindlich. Die Regeln hängen von der Willkür der Politik ab.

Nur Bremerhaven hält sich an die eigenen Regeln

Was das in der Praxis bedeutet, hat sich heute gezeigt: Bremen und Bremerhaven sind am Freitag beide mit Stufe 1 gestartet, obwohl sich die Krankenhausrate seit dem ersten Tag komplett unterschieden hat. Bremen wäre von Tag eins an in Stufe 0 gewesen, Bremerhaven in Stufe 2. Begründung: Erst fünf Tage nach Einführung des Modells sollte geschaut werden, wie sich die Zahlen entwickelt haben.

Heute, fünf Tage später, wurden also die Stufen zum ersten Mal angepasst. Konsequenterweise hat der Magistrat in Bremerhaven sich dann auch an das Warnstufenmodell gehalten und ist auf 2 hochgegangen. In Bremen bleibt der Senat dagegen stur bei Stufe 1, obwohl nach den eigenen Regeln hier eigentlich Stufe 0 gelten müsste: Man wolle die Situation in den kommenden Tagen bewerten und dann nochmal entscheiden. Ja, was denn nun?

Senat untergräbt seine eigene Politik

Der Senat hat die selbst gezogenen Linien ohne Not schon am ersten Tag ignoriert. So entwickelt er nicht nur eigene, schlau klingende Modelle für die Tonne, sondern untergräbt auch noch seine eigene Politik. Das macht es schwierig zu vermitteln, welche Maßnahmen gelten – und warum sie notwendig sind.

Mit dieser Entscheidung heute hat der Senat seine eigene Corona-Politik lächerlich gemacht. Wer sich selbst Regeln gibt, die er oder sie bei der allerersten Gelegenheit missachtet, sollte es besser gleich bleiben lassen. Das Stufenmodell wurde heute quasi zum Neujahrsvorsatz degradiert. Das Modell hat die Hoffnung auf nachvollziehbare und planbare Maßnahmen genährt – und sie enttäuscht.

Autor

  • Niklas Hons Volontär