Kommentar

Lohse sollte Pendler nicht verspotten

Man solle sich über die allermeisten Bremer Baustellen freuen, findet Verkehrssenator Lohse. Unser Redakteur Michael Pundt ärgert die Polemik des scheidenden Senators.

Warnbarken und -leuchten an einer Baustelle.
Von den vielen gleichzeitigen Baustellen in Bremen sind viele Autofahrer genervt. Bild: Imago | Gottfried Czepluch

"Ich meine, dass wir uns über die allermeisten von Bremens Baustellen freuen können." Das ist mal wieder ein echter Lohse. Es ist schon fast amüsant, mit welcher kindlichen Begeisterung Bremens Verkehrssenator in jede Pfütze springt, die er zuvor selbst angelegt hat.

Natürlich darf sich der Grünen-Politiker darüber freuen, dass er Fußgängerquerungen, Fahrradstraßen und sogar ein Fahrradquartier schafft. Aber über die vielen Straßenbaustellen, die abertausende Bremer Autofahrer stressen, sollte er sich besser nicht freuen. Und er sollte auch nicht behaupten, das Problem sei nur "gefühlt". Sonst setzt sich Lohse dem Verdacht aus, ein grüner Kreuzritter gegen den motorisierten Verkehr zu sein, dem Autofahrer schlichtweg egal sind.

Klar, Autos belasten das Klima; jedenfalls solange wir weiter auf Verbrennungsmotoren setzen. Aber viele Pendler können auf ihr Fahrzeug bislang einfach nicht verzichten. Dafür sollte sie Lohse nicht verspotten.

Und auch die Bremer Wirtschaft ist ohne Verkehr nicht denkbar. Wenn der Handel Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft, den Freimarkt oder die Osterwiese fordert, warum muss der streitlustige Verkehrssenator das dann damit abtun, dass der Vorwurf zu vieler Baustellen "zuverlässig in jedem Jahr" erhoben wird?

Solch grüne Polemik übersetzt sich nicht automatisch in grüne Wählerstimmen. Aber vielleicht ist dem scheidenden Senator das ja auch egal. Vor Lohse die nächste Pfütze und nach ihm die Sintflut.

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 5. Oktober 2018, 12 Uhr