Infografik

Bremens Kita-Eltern schauen mit Sorge auf das Ende der Sommerferien

Mit Blick auf die Zukunft fühlen sich laut einer Umfrage 70 Prozent der Bremer Kita-Eltern gestresst. Die meisten wollen schnell zurück zur Regelbetreuung. Illusorisch?

Ein Mädchenhinterkopf mit Zopf. Es hält einen gelben Hüpfball mit Smiley über ihren Kopf.
Eltern hoffen auf mehr Kinderbetreuung nach den Sommerferien. Bild: DPA | Jens Büttner

Knapp 65 Prozent der Kita-Eltern setzt die Betreuungssituation ihrer Kinder unter Druck. Das ergab eine Umfrage der Bremer Zentralelternvertretung (ZEV) Anfang Juli, an der rund 1.200 Eltern teilgenommen haben. Dabei gaben 94 Prozent der Befragten an, dass ihr Kind derzeit im eingeschränkten Regelbetrieb in einer Kindertagesstätte in Bremen betreut wird. Und bei dem Gedanken an das Ende der Sommerferien und die anschließende Betreuungssituation im kommenden Herbst und Winter fühlen sich über 70 Prozent der Befragten gestresst.

Zwar habe laut Bildungsbehörde in einigen Bereichen die Qualität und der Umfang der Kindertagesbetreuungsangebote bereits wieder den gewohnten Standard erreicht, doch nach wie vor fehlt Personal und das bestehende Betreuungsangebot kann auch kurzfristig erneut eingeschränkt werden.

Eltern haben in der Stadtgemeinde Bremen derzeit einen Rechtsanspruch auf 30 Stunden Betreuung für die Kindergartenkinder, der landesweite Rechtsanspruch liegt bei 20 Stunden, erklärt Bildungssenatorin Claudia Bogedan.

In unserer Regelung haben wir uns auf das gesamte Bundesland bezogen und garantieren diesen Rechtsanspruch von 20 Stunden.

Claudia Bogedan
Claudia Bogedan, Bildungssenatorin

Der Mindestanspruch für die eingeschränkte Betreuung bleibt also nach den Sommerferien wie bisher: Jedes Kind soll mindestens 20 Stunden in der Woche in seiner Kita betreut werden. Dabei hatten viele Eltern gehofft, langsam zum – wenn auch eingeschränkten – Regelbetrieb zurückkehren zu können.

Eltern erleben Druck ihrer Arbeitgeber

"Man guckt in die Gesellschaft, man sieht, dass alles geöffnet wird und Richtung Normalität zurückgeht. Und die Arbeitgeber bauen immer mehr Druck auf und erwarten, dass ihre Arbeitnehmer wieder zurück an die Arbeitsplätze kommen", spricht Petra Katzorke, Vorstandssprecherin der ZEV, die Gedanken vieler Eltern aus. Es sei für die Eltern wichtig, dass ihnen die vereinbarten Betreuungsstunden wieder zur Verfügung stehen, um ihren Alltag gestalten und um in ihre Berufe zurückkehren zu können, so Katzorke.

Dem ZEV ist auch bewusst, dass es manchmal räumliche und personelle Engpässe geben kann. Dafür muss eine Lösung gefunden werden, sagt Katzorke.

Lieber kommen wir vor Ort ins Gespräch mit Trägern, der Behörde und finden eine Lösung für einen Einzelfall als diesen generellen Passus, dass mindestens 20 Stunden pro Kind gewährleistet werden.

Petra Katzorke der zentralen Elternvertretung Bremen im Studio von buten un binnen.
Petra Katzorke, Vorstandsprecherin der ZEV

Wunsch nach Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen

Ginge es nach den 1.181 Befragten, sollte es nach den Ferien mit einer Rückkehr zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen weitergehen. Das wünschen sich knapp 55 Prozent. Knapp ein Viertel der Befragten wäre schon mit einer Erhöhung der Mindestbetreuungszeit auf 30 Stunden unter Beibehaltung der sonstigen derzeitigen Regelungen zufrieden.

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Für Senatorin Bogedan ist klar, dass sie nicht auf 100 Prozent ihres Personals zurückgreifen kann: "Es wird nach wie vor Beschäftigte geben, die auf Grund der Corona-Pandemie und ihrer körperlichen Verfassung nicht in der Lage sein werden, den Dienst am Kind auszurichten." Neues Personal scheint für die Bildungsbehörde keine Geldfrage: "Uns ist es wichtig, dass Eltern und Kinder entlastet werden und wir sehen, was in vielen Familien für Belastungssituationen vorherrschen. Wenn Geld helfen kann und die Fachkräfte da sind, dann gibt es keinen Grund, dass die nicht eingestellt werden können.“

Der Blick in Richtung Herbst und Winter

Gedanken an eine Erkältungswelle im Herbst, eine zweite Corona-Infektionswelle und eine erneute Notbetreuung beunruhigen viele Eltern. „Wir wünschen uns Gespräche und dass man die Sorgen und Nöte der Familien ernst nimmt. Wir hören immer wieder, dass die Eltern nach vier bis fünf Monaten Lockdown und Corona-Zeit einfach nicht mehr können“, führt die ZEV-Sprecherin aus.

Die Akkus sind alle, das Verständnis der Umwelt und der Arbeitgeber sinkt. Weil man sieht, es läuft wieder alles relativ normal, warum funktioniert das in der Kinderbetreuung nicht?

Petra Katzorke der zentralen Elternvertretung Bremen im Studio von buten un binnen.
Petra Katzorke, Vorstandsprecherin der ZEV

„Wir haben ein Set an Szenarien, die wir in den letzten Wochen durchgespielt haben und das sind die Stufen, die wir durchlaufen sind: Von der ganz engen Notbetreuung bis hin zum eingeschränkten Regelbetrieb, wo alle Kinder die Einrichtungen besuchen können mit einem möglichst großen Betreuungsvolumen“, so Bogedan dazu, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Und fügt hinzu, dass der eingeschränkte Regelbetrieb je nach "gesamtgesellschaftlicher Situation" auch von 100 auf Null heruntergefahren werden kann: "Dafür gibt es keine Planbarkeit."

Kernproblem der Eltern: Mehr Klarheit und Konzepte

Neben den vorgegebenen Antworten gab es für die Befragten der ZEV-Umfrage auch die Möglichkeit, ihre persönliche Situation, Ideen und Vorschläge detaillierter zu beschreiben. Hier wird deutlich, dass sich viele Eltern mehr Klarheit und Konzepte wünschen: "Wir wünschen uns schon jetzt ein transparentes Stufenkonzept für eine eventuelle Rückschrittigkeit beispielsweise bei einer zweiten Welle oder einer Schließung. Damit wir uns schon vorher darauf vorbereiten können und entsprechende Planungen in die Wege leiten", so Katzorke. In der Behörde wird derzeit ein "Wenn-dann-Plan" entwickelt, der den Eltern transparent machen soll, welche Maßnahmen wann greifen werden.

Überrascht haben Petra Katzorke die Ergebnisse ihrer Umfrage und die Unzufriedenheit der Eltern nicht: „Es ist immer nochmal interessant die Ergebnisse schwarz auf weiß zu lesen.“ Die ZEV vertritt sämtliche Eltern mit rund 22.000 Kindern, die in Bremen in Kitas und in der Tagespflege betreut werden.

Auch die Bildungsbehörde sieht ihre Arbeit durch die Umfrage bestätigt: "Die Ergebnisse spiegeln das wider, was in der Beratung bei unseren Fachleuten aufläuft. Gleichzeitig wird mit der Umfrage auch die sehr unterschiedliche Lage in den Einrichtungen aufgezeigt", sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde.

Kitas öffnen in Bremen: Das erwartet Eltern und Kinder

Video vom 9. Juni 2020
Petra Katzorke der zentralen Elternvertretung Bremen im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Juli 2020, 19.30 Uhr