Wie zukunftsfähig ist der Hafen? So kämpft Bremens Hafenwirtschaft

Die Augen werden auf Carola Rackete gerichtet sein. Die "Sea Watch"'-Kapitänin spricht heute beim Kapitänstag. Neben Seenotrettung steht aber vor allem die Zukunft der Häfen im Fokus.

Schiffe an einer Kaje
Die Kaje in Bremerhaven ist fast 5.000 Meter lang und gilt als längste in Europa. Bild: Bremenports GmbH & Co. KG

Fast 5.000 Meter ist sie lang, die längste Kaje Europas. In ihr sieht Bremenports-Chef Robert Howe einen großen Standortvorteil Bremerhavens. Zumal die Kaje nicht etwa in einem Hafenbecken, sondern direkt an der Weser liegt: "Andere Hafenstandorte, die links und rechts des Terminals ihre Hafenbecken haben, kommen mit den großen Pötten nicht mehr klar", sagt Howe buten un binnen. Bremerhaven hingegen sei auch für die nächste Generation großer Containerschiffe gut gerüstet. Dabei ist die Länge so gut wie ausgereizt, sie wachsen in die Breite.

Bremenports-Chef Robert Howe
Hofft auf die Vertiefung der Außenweser bis spätestens 2024: Bremenports-Chef Robert Howe.

Nicht bestreiten kann Howe indes, dass Bremerhaven der Wettbewerb insbesondere mit Rotterdam, Antwerpen und Hamburg zuletzt schwer zugesetzt hat. So verlegte die Reederei Hapag Lloyd im vergangenen Jahr vier Transatlantik-Linien von Bremerhaven nach Hamburg – mit schwerwiegenden Folgen.

Bremerhavens Containerumschlag ist im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um etwa 9 Prozent zurückgegangen. Und das, nachdem der Umschlag bereits über Jahre stagnierte: bei etwa 5,5 Millionen Containern jährlich.

Eurogate: Verluste im hohen zweistelligen Prozentbereich

Manuela Drews auf einem Schiff
Manuela Drews, Eurogate- Geschäftsführerin spricht von hohen Verlusten. Bild: radio Bremen

Eurogate hat der Rückzug Hapag Lloyds am härtesten von den drei Terminalbetreibern an der Fünf-Kilometer-Kaje Bremerhavens getroffen. Manuela Drews, Geschäftsführerin des Eurogate Container Terminals Bremerhaven, spricht von Verlusten "im hohen zweistelligen Prozentbereich", die Eurogate in Bremerhaven im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahr habe hinnehmen müssen. Trotzdem, betont sie, komme Eurogate in Bremerhaven immer noch "ganz gut klar", müsse niemandem kündigen.

Die [MS Gülsün] läuft als erstes Bremerhaven an – und nicht Rotterdam oder Hamburg. Das ist für uns ein Zeichen.

Robert Howe, Geschäftsführer Bremenports

Drews und Bremenports-Chef Howe wollen die Lage offenbar nicht allzu sehr zu dramatisieren. Um die Wettbewerbsfähigkeit Bremerhavens zu belegen, verweisen sie unisono auf die kürzlich in der Seestadt abgefertigte MS Gülsün, die als aktuell größtes Containerschiffe der Welt gilt. "Die läuft als erstes Bremerhaven an und nicht Rotterdam oder Hamburg. Das ist für uns ein Zeichen", sagt Howe. Damit Bremerhaven aber weiterhin konkurrenzfähig bleibe, seien Investitionen in die Infrastruktur vonnöten.

Zwist um Vertiefung der Weser

Dabei denkt der Bremenports-Chef nicht zuletzt an die Vertiefung der Außenweser für Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 18 Metern und womöglich noch mehr. Hierzu, so Howe, sei ein vergleichsweise kleiner Eingriff ausreichend: "Wir vertiefen nur die Fahrrinne", sagt er und hofft, dass dies bis spätestens 2024 geschehen ist. "Das wird dann auch definitiv ausreichen für die nächste Generation von Schiffen", kündigt er an.

Rückdeckung bekommt Howe nicht nur von der Handelskammer, sondern auch von Bremens Senatorin für Häfen, Claudia Schilling (SPD): "Wir haben es im Koalitionsvertrag festgeschrieben, und ich finde es wichtig für die Schifffahrt", stellt die Senatorin klar. Naturschützer kündigen dagegen Widerstand an: "Es kann nicht sein, dass die Flüsse den Schiffen angepasst werden", sagt der Geschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Bremen, Martin Rode.

Kreuzfahrt-Tourismus boomt

So hart sich der Wettbewerb um die großen Containerschiffe auch für Bremerhaven entwickelt hat, so massiv profitiert die Seestadt vom Kreuzfahrt-Tourismus. Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt legen jedes Jahr am Columbus Cruise Center in Bremerhaven an.

Vergangenes Jahr wurden dort 238.000 Passagiere durch das Kreuzfahrtterminal geschleust: ein Rekord, der aber wahrscheinlich schon dieses Jahr um gut 20.000 Passagiere überboten wird. Um den Touristen-Massen weiterhin gewachsen zu sein, bereitet sich das Columbus Cruise Center derzeit auf einen Anbau an den 2002 errichteten Terminals mit neuem Parkhaus und zusätzlichen Büroräumen vor.

Auch soll der Terminal zudem dergestalt umgebaut werden, dass er sich zur Stadt öffnet, Kreuzfahrt-Touristen neugierig auf Bremerhaven macht. 30 Millionen Euro sind hierfür vorgesehen. Das sei "richtig gut angelegtes Geld", kommentiert Raymond Kiesbye, Tourismus-Chef Bremerhavens, die Pläne. Die vielen Kreuzfahrttouristen spülten Geld in die Stadtkasse: "Wir wissen, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Passagiere an Land gehen. Aus Untersuchungen wissen wir, dass dabei richtig Geld in der Stadt gelassen wird, insbesondere von den ausländischen Gästen", so Kiesbye. Größte Profiteure sind laut Kiesbye der Zoo am Meer, der Einzelhandel und die Hotels.

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  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. September 2019, 19:30 Uhr