Darum kündigt Kaffeehersteller Jacobs die Tarifverträge

  • Kaffeekonzern Jacobs Douwe Egberts (JDE) hat den Tarifvertrag gekündigt
  • Betroffen sind rund 500 Mitarbeiter in der Bremer Neustadt
  • Gewerkschaft NGG fordert Neuverhandlungen
Rauch steigt in Bremen aus den Schornsteinen des Kaffeeherstellers Jacobs Douwe Egberts auf.
Die Gewerkschaft NGG Bremen-Weser-Elbe droht mit Arbeitskampf, sollte Jacobs Douwe Egberts nicht auf die Forderug nach gemeinsamen Tarifverträgen eingehen. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Der Konzern entledige sich seiner sozialen Verantwortung: Das ist der Vorwurf der Gewerkschaft, die eine tarifliche Absicherung aller Beschäftigten verlangt. Das Unternehmen hält dem entgegen, dass den Mitarbeitern trotz der Vertragskündigung alle tarifvertraglich vereinbarten Leistungen erhalten blieben. Nicht betroffen davon sei außerdem das Kaffeewerk in Hemelingen.

Hintergrund ist die laufende Umstrukturierung im Konzern. Bremen wird zum zentralen Verwaltungsstandort mit insgesamt 500 Beschäftigten umgebaut, dazu werden verschiedene Geschäftsbereiche in eine Gesellschaft ("Jacobs Douwe Egberts DE GmbH") zusammengefasst. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, vor allem an den Mitarbeitern des Außer-Haus-Geschäfts ("Jacobs Douwe Egberts Pro Office DE GmbH") sparen zu wollen.

Nach NGG-Angaben sind diese Beschäftigten teils tariflos, teils fallen sie unter einen erheblich niedriger dotierten Tarifvertrag. Der Kaffeekonzern Jacobs Douwe Egberts gehört mehrheitlich der Unternehmerfamilie Reimann, die 51 Prozent hält. Die restlichen Anteile gehören dem Lebensmittelmulti "Mondelez", ebenfalls mit Sitz in Bremen.

Viele Beschäftigte organisieren sich in Gewerkschaft

"Man ist offensichtlich nicht bereit, für diese Beschäftigten, die teils tariflos sind, teils unter einen erheblich niedriger dotierten Tarifvertrag fallen, nach Eingliederung den Bremer Tarif zu zahlen", sagt Dieter Nickel, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Bremen-Weser-Elbe. Die NGG befürchtet nun, dass neue Mitarbeiter, die durch Umstrukturierungen ins Unternehmen gekommen sind, dauerhaft schlechter bezahlt werden. Sie fordert gemeinsame Tarifverträge und droht anderenfalls mit Arbeitskampf.

Wir fordern Jacobs Douwe Egberts jetzt auf, mit uns die Tarifverträge wieder abzuschließen beziehungsweise über Verbesserungen zu verhandeln. Wir können nicht zulassen, dass ein Konzern im Besitz der reichsten Familie Deutschlands sich jeglicher sozialen Verantwortung entledigt.

Dieter Nickel, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Bremen-Weser-Elbe

Nachdem die Kündigung bekannt gegeben wurde, hat sich eine große Anzahl der Beschäftigten in der Gewerkschaft NGG organisiert, gibt Nickel weiter an. Der Konzern kündigte die Tarifverträge bereits im Januar 2018.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. April, 19:30 Uhr