Interview

Bovenschulte zur Bremer Innenstadt: "Niemand kennt den Königsweg"

Um die City attraktiver zu machen, müsse man alle Beteiligten zusammensetzen und das Problem gemeinsam angehen, so der Bürgermeister im buten un binnen-Interview.

Video vom 30. Juni 2020
In der Innenstadt von Bremen sind nur wenig Leute unterwegs.
Herr Bovenschulte, Pläne zur Innenstadt-Entwicklung gibt es doch schon lange in der Schublade. 2013 hatte die Initiative "Innenstadt 2025" zusammengesessen und 2018 rief Kurt Zech eine Ideenmeisterschaft aus. Warum geht mit einem City-Gipfel jetzt wieder alles von vorne los?
Die Krise, die die Innenstädte insgesamt und auch in Bremen trifft, ist viel grundlegender. Deshalb müssen wir jetzt nochmal unbedingt einen Zahn zulegen und eine Schippe drauflegen, damit sich jetzt nicht eine Negativspirale entwickelt. Sonst passiert das, was wir in den letzten Tagen festgestellt haben – dass es zu Geschäftsaufgaben kommt. Mir schwebt vor, dass man sich bei einem City-Gipfel tatsächlich nochmal all die Pläne und Vorhaben der letzten Jahre anschaut. Dann kann man die fünf, sechs, sieben Punkte raus greifen, die in einer Art Sofortprogramm jetzt unmittelbar angegangen werden müssen.
Was ist denn Ihre Vision von der Bremer Innenstadt? Wie möchten Sie sie haben?
Die Bremer Innenstadt kann nur durch einen guten Nutzungsmix leben. Das ist ganz klar: Der Handel wird immer noch eine zentrale Rolle spielen, der muss der Anker bleiben. Aber die Fragen des Wohnens und der Aufenthaltsqualität – die Rolle der Gastronomie, die werden sicherlich noch wachsen müssen. Und wir haben eine große Herausforderung zu beantworten: Was können wir an zusätzlichen kulturellen und öffentlichen Nutzungen in der Innenstadt platzieren, die auch jenseits des Einkaufens und des Konsumierens einen Anreiz bieten, in die Innenstadt zu kommen?
Bei manchen Akteuren der Innenstadt nehmen wir geringe Kompromissbereitschaft und wenig Wandlungsbereitschaft wahr. Nehmen sie das auch so wahr und wie wollen Sie diese ganzen verschiedenen Interessen auf einen Nenner bringen?
Das was ich wahrnehme, ist, dass niemand eine Glaskugel hat. Und dass Ihnen niemand sagen kann – übrigens auch die Experten nicht – was genau der Königsweg ist für eine erfolgreiche Innenstadt. Da können Sie drei Experten fragen und haben vier Meinungen. Deshalb ist es ganz normal in so einer  Situation, dass die Akteure auch ganz unterschiedliche Sichtweisen und Interessen haben. Aber die müssen wir zusammenbringen. Denn von einer Sache bin ich völlig überzeugt: Wenn wir das nicht als Gemeinschaftsaktion anpacken und unsere Kräfte bündeln, dann werden wir es nicht hinbekommen. Aber wenn wir es gemeinsam schaffen, dann haben wir eine gute Chance, die Bremer Innenstadt positiv zu gestalten.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Juni 2020, 19:30 Uhr