Fragen & Antworten

Werden die Impfzentren in Bremen und Bremerhaven noch gebraucht?

Video vom 27. Mai 2021
Eine Aufnahme eines Arms, der geimpft wird.
Bild: Radio Bremen
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Nach den Hausärzten steigen auch Betriebsärzte in die Impfungen ein. Beim Bund-Länder-Impfgipfel heute wird über den Sinn der Zentren gesprochen. Was spricht für sie, was dagegen?

Der digitale Impfpass und die Corona-Impfungen der Schülerinnen und Schüler sind als Themen beim heutigen Impfgipfel der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesetzt. Noch schwieriger aber dürften die Diskussionen um ein drittes Thema werden: Die Frage, ob und in welcher Form Impfzentren noch gebraucht werden. Ein Ausblick für Bremen.

Wie viele Impfdosen bekommen Bremens Impfzentren für den Juni, wie viele bekommen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte?
Für Juni seien dem Land Bremen bislang 105.900 Impfdosen für die Impfzentren zugesagt, teilt das Gesundheitsressort mit. Wie viele Impfdosen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie die Betriebsärzte bekommen werden, ist ungewiss. "Es gibt nach wie vor nur Informationen von Woche zu Woche. Prognosen darüber hinaus haben sich immer als falsch erwiesen", sagt Christoph Fox von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen.
Eine Frau und ein schreibender Mann an einem Tisch
Auch das Bremerhavener Impfzentrum erfordert viel Personal. Bild: Magistrat Bremerhaven | Sören Cordes
Ein immer wieder aufkommender Kritikpunkt an den Impfzentren ist, dass die Impfungen dort viel teurer seien als in den Arztpraxen. Wie teuer sind sie wirklich?
Die Gesamtkosten pro Impfung in einem Impfzentrum des Landes Bremen liegen etwa bei 160 Euro, teilt das Gesundheitsressort mit. In diesem Preis berücksichtigt seien Personalkosten sowie solche für die Infrastruktur, das Call-Center, die Dokumentation, die IT, den Datenschutz, die Sicherheit und den Transport. Allerdings werden die Kosten pro Impfung sinken, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, teilt das Ressort mit. Denn dann ließen sich die Kapazitäten der Impfzentren besser ausschöpfen.
Corona Impfregelungen Bitte wähle eine Kategorie aus 12+ 18+ 60+ T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Derzeit keine TerminvergabeGrund: Impfschutz für Menschen im Alter von 12 bis 17 Jahren noch nicht zugelassen Impfgruppe: 12 bis 17 Jahre T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Wartelisten für Impfungen mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson für alle Menschen ab 18 Jahren offen Anmeldung bei Impfzentren in Bremen und Bremerhaven: www.impfzentrum.bremen.de Termincode wird verschickt, sobald Impfstoff verfügbar ist Impfung im örtlichen Impfzentrum Impfgruppe: 18 Jahre und älter T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Impfzentren verschicken Benachrichtigungen Wurde noch keine Benachrichtigung verschickt, hilft das Callcenter unter 0421 5775-1177 Impfung im örtlichen Impfzentrum Impfgruppe: 60 Jahre und älter T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Alle Einrichtungen bereits von mobilen Impfteams besucht Neue Bewohner wenden sich an behandelnden Arzt Neue Beschäftigte wenden sich entweder an behandelnden Arzt oder an Arbeitgeber. Arbeitgeber kann Bedarf hier anmelden: corona.impfen@feuerwehr.bremen.de Impfung erfolgt durch behandelnden Arzt oder Ärztin Die Bescheinigung des Impfanspruchs für Kontaktpersonen gibt es hier: www.kvhb.de/kontaktpersonen Impfgruppe: Beschäftigte/Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Impftermin nur mit Bescheinigung des Arbeitgebers (Bescheinigung: https://www.gesundheit.bremen.de/sixcms/media.ph p/13/Arbeitgeberbescheinigung.pdf ) Termin bei Hausarzt oder Fachärztin Alternativ: Registrierung mit Warteliste beim Impfzentrum: https://impfzentrum.bremen.de Impfung bei behandelndem Arzt oder Ärztin Alternativ: Impfung im örtlichen Impfzentrum Wartezeiten von mehreren Wochen möglich Impfgruppe: Beschäftigte der Kritischen Infrastruktur ? Bundespolizei, Zoll, JustizErnährungswirtschaft, Medizinlabore Apotheken, Pharmazie, Bestattungswesen Wasser- und Energieversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwirtschaft, Transport- und Verkehrswesen, Informations- und Telekommunikationswesen Finanz- und Versicherungswesen, Medien und Kultur, Sicherheitsdienstfirmen, Tankstellen Personen, die auf engem Raum ohne Frischluftzufuhr mit vielen Personen arbeiten Weitere Gruppen werden hier aufgelistet: https://www.kritis.bund.de/SubSites/Kritis/DE/Einf uehrung/Sektoren/sektoren_node.html W er fällt darunter? T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Lebensmittelhändler in der Stadt Bremen werden schrittweise durch die Handelskammer per Post informiert Registrierung der Beschäftigten bis Mitte Juni Impfzentrum versendet Termincodes Impfung im Impfzentrum Impfgruppe: Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Impftermine bis Ende Mai vergeben, derzeit keine Registrierung im Impfzentrum möglich Wenn wieder Impftermine vergeben werden, Information über Presse oder Anschreiben Impfung im Impfzentrum Impfgruppe: Weitere Berufsgruppen der Priorität 3 ? SteuerfahndungDrogeriemärkte Justizvollzug, Gerichtsvollzieher, Beschäftigte der Gerichte und Justizbehörden, Ambulanter Sozialer Dienst der Justiz W er fällt darunter? T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Schwangere erhalten bei Gynäkologin 2 Bescheinigungscodes für 2 Kontaktpersonen Mit Code wird Impftermin im Impfzentrum oder beim Arzt vereinbart Impfung im Impfzentrum oder bei Arzt oder Ärztin Impfgruppe: Kontaktpersonen von Schwangeren T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Terminvergabe über Hausarzt oder Fachärztin Impfung bei Arzt oder Ärztin Impfgruppe: Menschen mit schwerer (Vor-)Erkrankung T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Impfangebot und Terminvergabe über Hausarzt oder Fachärztin Wer keinen behandelnden Arzt hat, findet hier Arztpraxen, die Impfungen anbieten: https://www.kvhb.de/arztsuche Impfung bei Arzt oder Ärztin Impfgruppe: Menschen, die Angehörige pflegen T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Impfangebot und Terminvergabe über Hausarzt oder Fachärztin Wer keinen behandelnden Arzt hat, findet hier Arztpraxen, die Impfungen anbieten: https://www.kvhb.de/arztsuche Impfung bei Arzt oder Ärztin Impfgruppe: Kontaktpersonen von Menschen mit Pflegegrad ? Maximal zwei Kontaktpersonen pro Person mit Pflegegrad Person mit Pflegegrad muss über 70 Jahre alt oder vorerkrankt sein W er fällt darunter? T ermin v e r gabe: Impfpr oz ede r e: Schulen: Impfeinladung über die Senatorin für Kinder und Bildung Kinder- und Jugendhilfe: Impfeinladung über die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport Terminvereinbarung mit Einladung beim Impfzentrum Impfung im Impfzentrum Impfgruppe: Beschäftigte an weiterführenden Schulen / in der Kinder- und Jugendhilfe
Und was kosten Corona-Impfungen bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten?
Das Honorar für eine Impfung in der Hausarztpraxis beträgt pauschal 20 Euro. Wie Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, sagt, sind die realen Kosten der Impfung in einer Praxis damit aber nicht hinlänglich beschrieben. Nach Auffassung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung müssten die niedergelassenen Ärzte etwa 30 Euro pro Impfung erhalten, damit diese kostendeckend wäre.
Ein Plakat vom Corona-Impfzentrum Bremerhaven.
Das Impfzentrum Bremerhaven erweitert kurzfristig seine Kapazitäten, damit dort schneller mehr Menschen geimpft werden können. Bild: Radio Bremen
Das bedeutet, dass die Impfung in einem Bremer Impfzentrum derzeit achtmal so teuer ist wie in einer Arztpraxis. Ist das kein Grund, um die Impfzentren schnellstmöglich zu schließen?
Nein, sagen zumindest die Versorgungs-und Präventionsforscher Ansgar Gerhardus und Benjamin Schüz vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Uni Bremen. Sie plädieren dafür, die Impfzentren zumindest teilweise zu erhalten.

"Impfzentren haben eine wichtige Aufgabe zur Steuerung aufsuchender Angebote", sagt Schüz. Dabei denkt er etwa an gezielte Impfaktionen in ärmeren Stadtteilen. Generell seien die Zentren für die Versorgung aller Menschen mit Impfstoffen wichtig, die keinen Hausarzt haben. Das könne obdachlose Menschen ebenso betreffen wie solche ohne Aufenthaltsgenehmigung – doch auch alle anderen, erklärt Schüz: "Einen Hausarzt neu zu finden, ist derzeit beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Es nimmt kaum jemand neue Patienten auf. Wo sollen die Leute, die keinen Arzt haben, sonst geimpft werden, wenn nicht über das Impfzentrum?"
Heißt das, dass die Impfzentren der Zukunft keine großflächigen Anlaufstellen auf Messegeländen, sondern eher so etwas wie Einsatzzentralen oder Koordinierungsstellen innerhalb der Gesundheitsämter sein werden?
Ja. So zumindest stellen sich Schüz und Gerhardus die Zukunft der Impfzentren vor. Es komme darauf an, die Infrastruktur der Impfzentren zu erhalten, um auch langfristig dorthin Impfstoffe bringen zu können, wo Haus-, Betriebs- und Kinderärzte nicht hinkämen. Diese Struktur der Zentren könne unserer Gesellschaft auch beim Kampf gegen neue Pandemien in unbestimmter Zeit von Nutzen sein, glauben die Wissenschaftler. Davon unberührt geht Gerhardus davon aus, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in absehbarer Zeit über 95 Prozent der Impfungen übernehmen könnten.
Wie lange werden die Impfzentren in ihrer derzeit bestehenden Form erhalten bleiben?
Das lässt sich derzeit noch nicht sagen. Die Verträge Bremens mit dem Deutschen Roten Kreuz, mit den Johannitern und anderen Hilfsorganisationen laufen im Spätsommer aus. Wie es danach weitergehen wird, ist noch offen, teilt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, mit: "Wir beraten aktuell, in welcher Art und in welchem Umfang die Impfungen auch über den September hinaus weiter umgesetzt werden können."

Davon unberührt wird Bremen das Impfzentrum in Bremen-Nord Ende Juni schließen. Das Bremerhavener Impfzentrum erweitert dagegen gerade seine Kapazitäten, um mehr Menschen in kürzerer Zeit impfen zu können, sofern die entsprechenden Impfdosen tatsächlich in der gewünschten Zahl geliefert werden.
Wie ist die Impfkampagne insgesamt bisher aus Expertensicht gelaufen?
Es sei sensationell, dass den Menschen so schnell so viele gute Impfstoffe zur Verfügung gestanden hätten, findet der Bremer Versorgungsforscher Ansgar Gerhardus. Auch findet er gut, dass Deutschland seine Impfzentren genutzt hat, um die Priorisierungsempfehlungen der Ständigen Impfkommission konsequent umzusetzen. Das wäre ohne die Impfzentren kaum möglich gewesen, glaubt er.

Nicht nachvollziehen kann Gerhardus allerdings, dass der Bund diese Priorisierungen schon zum jetzigen Zeitpunkt aufhebt. "Wir kommen jetzt in ein ungerechtes Szenario. Wer am meisten Druck macht, wer am lautesten schreit, wer die meisten Ressourcen hat, der wird jetzt als erster geimpft."

Noch größere Sorgen bereitet dem Wissenschaftler der Blick in die Ferne, zu den armen Ländern: "Wir werden in ein paar Jahren sagen: In Deutschland ist es im Großen und Ganzen gut gelaufen beim Impfen. Aber wir werden mit Scham darauf zurückblicken, wie das global geregelt wurde: dieser völlige Rückfall in nationale Egoismen." Gerhardus findet, dass die armen Länder bei der Vergabe der Impfstoffe bislang viel zu kurz gekommen sind.

Hinter den Kulissen des Impfzentrums: Diese Frau plant alle Abläufe

Video vom 24. Mai 2021
Leonie Schlee sitzt an einem Schreibtisch
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Mai 2021, 19:30 Uhr