Bremerhaven fordert weiter ICE-Anschluss – Bahn hält sich bedeckt

  • Die Region Bremerhaven argumentiert mit Einwohner- und Touristenzahlen
  • Pläne der Deutschen Bahn sind aber noch unklar
  • Im Januar soll es ein erneutes Gespräch mit der Bahn geben
Ein ICE-Zug fährt.
Seit 18 Jahren fahren keine Fernzüge mehr nach Bremerhaven. Das soll sich nach dem Willen der Stadt und der Region bald ändern. (Symbolbild) Bild: Imago | Frank Sorge

Die Bremische Bürgerschaft will heute über das Bahnproblem in der Region Bremerhaven beraten. Seit 2001 fahren keine Intercity- und ICE-Züge mehr nach Bremerhaven, nur Regionalzüge und S-Bahnen. Die Hafenstadt an der Nordsee mit 119.000 Einwohnern will das ändern: Sie fordert, wieder an das Netz des Personenfernverkehrs angeschlossen zu werden.

Die Stadt hat die Unterstützung des Landes Bremen wie des niedersächsischen Umlandes – doch die Bahn hält sich bislang bedeckt. "Für Bremerhaven ist es symbolisch von hoher Bedeutung, dass die Stadt wieder ans Fernbahnnetz angeschlossen wird", sagt Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD). Er sei zuversichtlich, dass es schon in den kommenden zwei Jahren so weit sein werde.

Grantz spricht mit Bundesverkehrsminister Scheuer

Grantz hatte im März mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gesprochen. Für Januar ist nach Angaben eines Sprechers ein weiteres Gespräch mit der Deutschen Bahn geplant.

Die Region an der Wesermündung sei wichtig mit 400.000 Einwohnern, neun Millionen Touristen im Jahr, mit Häfen, Technologiezentren und Hochschulen, argumentiert auch das Regionalforum Unterweser. Da sei es "nicht länger hinzunehmen, dass für die Unterweserregion der nächste ICE-Anschluss von Bremerhaven aus mindestens 45 Minuten und von Cuxhaven sogar zwei Stunden entfernt ist".

Verkehrsressort unterstützt Bremerhaven

In dem Forum kooperieren Bremerhaven und die Landkreise Wesermarsch und Cuxhaven. Auch nach Cuxhaven fährt nur die Regionalbahn, und die Strecke ist weder von Stade noch von Bremerhaven elektrifiziert. Dabei ist die Stadt nicht nur ein wachsender Hafen, sondern mit 3,8 Millionen Übernachtungen 2018 eines der größten deutschen Seebäder. Die Deutsche Bahn verweist auf Anfrage auf den Deutschland-Takt, der ab 2030 das Angebot im Personenfernverkehr deutlich verbessern soll. Konkrete Informationen für Bremerhaven aber könne "man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht benennen", sagte eine Sprecherin.

Das Bundesland Bremen unterstützt die Forderung von Bremerhaven. "Wir teilen das Ziel", sagte ein Sprecher von Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Gunnar Polzin aus dem Verkehrsressort hatte gegenüber buten un binnen Ende November allerdings auch schon die Probleme benannt und in Zweifel gezogen, ob Bremerhaven tatsächlich wieder an das ICE-Netz der Deutschen Bahn angeschlossen wird. Für die Bahn ist dem Mitarbeiter zufolge die IC-Strecke von Bremen nach Oldenburg, Emden und Norddeich wohl lukrativer. Außerdem sei die Bahnstrecke Bremen-Bremerhaven durch Güterverkehr stark belastet. In Bremerhaven hatten Polzins Äußerungen für Verärgerung gesorgt.

Bremische Bürgerschaft diskutiert über die Zuganbindung

Die Ausbaupläne der Bahn in der Region richten sich bislang ganz am Hinterlandverkehr der Häfen Wilhelmshaven, Bremerhaven und Hamburg aus. Im Bundesverkehrswegeplan hat das sogenannte Projekt Alpha E Priorität. Es sieht unter anderem ein drittes Gleis zwischen Bremen und Bremerhaven vor. Die vielen Güterzüge mit Exportautos könnten dann den Bremer Hauptbahnhof umfahren. Doch vor Mitte des nächsten Jahrzehnts wird das Projekt nach Angaben eines Bahnsprechers wohl kaum in Angriff genommen. Der Ausbau der Strecke Stade-Cuxhaven hat dem Plan zufolge keine Priorität mehr.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Dezember 2019, 23:30 Uhr