Beirat stimmt für umstrittenes Hochhaus im Bremer Ostertor

Das Hochhaus auf dem einstigen Bundesbank-Areal im Bremer Ostertor ist beschlossene Sache. Trotz massiver Anwohnerproteste hat der Beirat-Mitte gestern dafür gestimmt.

Ein Luftbild des Bremer Viertels.

13 Befürworter, eine Enthaltung: So lautet das Abstimmungsergebnis. Damit ist es offiziell: "Der Beirat Mitte befürwortet eine neue Bebauung für Wohnzwecke auf dem Gelände der Bundesbank an der Kohlhökerstraße nach dem Abriss der Bestandsgebäude." Voraussichtlich im März möchte das Bauressort den Entwurf eines entsprechenden Bebauungsplans vorlegen, wie Reinhard Viering, Abteilungsleiter Stadtplanung und Bauordnung des Ressorts, mitteilte.

Anders als das klare Votum des Beirats suggeriert, sind hitzige Debatten der Abstimmung im Gemeindesaal der Freien Christengemeinschaft vorausgegangen. Gut 250 Anwohner waren erschienen, offenkundig zu einem großen Teil Anhänger der Bürgerinitiative "Kein Hochhaus im Viertel". Die Initiative macht sich für eine Nachnutzung des bestehenden Gebäudekomplexes etwa mit Büros stark. Sie wirft dem Beirat vor, die Möglichkeiten hierfür nicht hinlänglich geprüft zu haben.

"Die Stimmung, die hier gemacht wird, wird der Sache nicht gerecht", sagte dagegen Frank Petersen, Geschäftsführer der Firma "Evoreal". Sein Unternehmen hat das Grundstück an der Kohlhökerstraße erworben und möchte dort etwa 180 Wohnungen errichten, von denen 30 Prozent sozial gefördert werden sollen. Allerdings nicht, wie ursprünglich geplant, auf 14, sondern lediglich auf elf Stockwerke verteilt, wie Architekt Stefan Fleischhaker erläuterte. Diesen Kompromiss haben SPD, Grüne und Linke mit dem Investor ausgehandelt. Das Bauvolumen soll indes etwa gleich bleiben. "Wir gehen weg vom Hochhaus, hin zur Kohlhökerstraße", erklärte Fleischhaker die Idee. Kleinere Häuser direkt an der Straße sollen vor dem elfstöckigen Hochhaus stehen.

Drei Herren diskutieren vor Publikum am Stehpult
Freuen sich über Sozialwohnungen im Viertel: Ralf Schumann, Falk Wagner und Robert Bücking (von links).

Robert Bücking (Grüne), Ralf Schumann (Linke) und Falk Wagner (SPD) hoben hervor, dass dank des Projekts "über 50 Sozialwohnungen in einer der teuersten Gegenden Bremens" entstünden. Wütenden Zwischenrufern hielt Wagner entgegen: "Ich freue mich für Sie, dass Sie hier wohnen. Sie sollten aber bereit sein, Ihren Wohnraum mit anderen zu teilen."

Ob der Widerstand der Bürgerinitiative "Kein Hochhaus im Viertel" nach der gestrigen Beiratsstitzung aber tatsächlich gebrochen ist, ist zumindest fraglich. So sprach Ingo Kramer, ein pensionierter Richter und Sprecher der Initiative, von einem "Klima-Gau", den der Abriss der Bundesbank-Immobilien zugunsten eines Neubaus bedeute. Die Initiative erwäge "rechtliche Schritte", um das Projekt eventuell doch noch zu verhindern.

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Januar 2020, 19:30 Uhr