Infografik

Hautkrebs-Gefahr: Brauchen wir eine "Siesta" für Bauarbeiter und Co?

Es war einer der heißesten Sommer: Mit der UV-Strahlung steigt die Hautkrebsgefahr. Mediziner fordern einen besseren Schutz für gefährdete Berufsgruppen. So kommt das in Bremen an.

Ein Maurer mit freiem Oberkörper zieht eine Wand hoch.
Ein Maurer arbeitet freiem Oberkörper in der Sonne. Bild: Imago | Geisser

Hautkrankheiten gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland. 4.255 der gut 38.000 Fälle betrafen 2018 den hellen Hautkrebs, wie der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung berichtet. Vor allem bei im Freien tätigen Menschen wie Bauarbeitern, Maurern und Dachdeckern sind viele betroffen. Allein die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) meldete 2018 insgesamt 2.944 neue Verdachtsfälle, darunter 340 in Niedersachsen und 17 in Bremen.

Hautärzte fordern nun Konsequenzen. "Wir müssen die Arbeitszeiten verändern und über eine Siesta nachdenken", sagte Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen, jüngst der Ärzte-Zeitung. Der Grund: Eine Studie belege, dass Maurer in Mittelmeerländern kaum mehr UV-Strahlung abbekämen als in Deutschland. Kiedrowski führt dies auf die längere Mittagspause zwischen 11 und 16 Uhr zurück. Aus Sicht des Berufsverbands BG Bau reichen die geltenden Arbeitsschutzvorschriften hingegen aus.

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BG Bau fordert Schattensegel und Sonnenschirme

Die Arbeitsschutzvorschriften "müssen zum Schutz der Beschäftigten nur konsequent umgesetzt werden", sagt BG-Bau-Sprecherin Christiane Witek. So müssten Arbeitgeber Gefahren der Sonneneinstrahlung berücksichtigen und Schutzmaßnahmen planen. "Dazu zählen in erster Linie technische Schutzmaßnahmen wie Schattensegel oder Sonnenschirme."

Da die Sonnenstrahlung zwischen 10 und 15 Uhr besonders intensiv ist, könne es manchmal auch geeignet sein, die Arbeit in die frühen Morgenstunden und Abendstunden zu verlegen, sagt Witek. Vorbereitende Arbeiten wie zum Beispiel das Zusägen von Brettern könne darüber hinaus drinnen oder im Schatten geschehen.

Doch nicht immer ließen sich technische oder organisatorische Maßnahmen umsetzen. Dann sollte hautbedeckende Kleidung samt Kopfbedeckung und Sonnenbrille getragen werden, empfiehlt die BG-Bau-Sprecherin.

Hautkrebsexperte setzt auf Hemd, Sonnencreme und Hut

Ein Bauarbeiter arbeitet mit freiem Oberkörper bei Dachdeckerarbeiten mit einem Druckluftnagler.
Dachdecker sind oft der prallen Sonne ausgesetzt. Bild: DPA | Tobias Hase

Eine Empfehlung, die auch der Bremer Hautkrebsexperte Gerd Glaeske teilt. "Slip, slap, slop – Slip on a shirt, slop on a suncreme, slap on a hat!", sei im sonnenreichen Australien ein geflügeltes Wort, sagt der Wissenschaftler, der an der Bremer Uni zum Thema forscht. Kurzum: Hemd anziehen, Sonnencreme auftragen, Hut aufsetzen.

Dass eine Siesta wie in Spanien als Vorsorge gut geeignet ist, bezweifelt Glaeske allerdings.

Ich war gerade in Spanien und habe da auch zur Mittagszeit Arbeiter auf Baustellen gesehen.

Gerd Glaeske, Hautkrebs-Experte der Universität Bremen

Abgesehen davon sei die UV-Belastung oft nicht nur mittags hoch. Problematisch sei eher, wenn zum Beispiel Dachdecker mit freiem Oberkörper auf dem Giebel säßen. "Die Forderungen der Dermatologen sei daher grundsätzlich richtig, um zu sensibilisieren", sagt Glaeske. So wie schon heute auf dem Bau Helme und festes Schuhwerk getragen werden müssten, sollte daher bei Sonne auch das Tragen langärmeliger Hemden zur Pflicht werden, empfiehlt der Wissenschaftler.

Zumal die Arbeitgeber durchaus ein Interesse daran haben dürften. Denn heller Hautkrebs ist nicht nur für Dachdecker, sondern auch in der Landwirtschaft seit einigen Jahren als Berufskrankheit anerkannt – und Arbeitgeber so zur Vorsorge gegen UV-Strahlung verpflichtet.

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLG), die bei ihren Mitgliedern im vergangenen Jahr 2.704 Verdachstanzeigen auf "Hautkrebs durch UV-Strahlung" dokumentiert hat, tourt daher seit kurzem auch mit einer Aufklärungskampagne durch Deutschland. Unter dem Motto "Lass Dich nicht verbrennen!" wirbt das Maskottchen "Sunny", eine Sonne mit strahlendem Lächeln, für die Hautkrebsvorsorge in den grünen Berufen.

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. September 2019, 23:30 Uhr