Kinder in Bremer Hartz-IV-Familien haben wenig von Teilhabepaket

  • Zuschüsse sollen benachteiligten Kindern Freizeitaktivitäten ermöglichen
  • Zu wenig Kinder profitieren von dem Paket
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert monatliche Zahlung
Geldschein in einem Klassenzimmer
Zuschüsse sollen Kindern aus Hartz-IV-Familien helfen. Bild: DPA | Armin Weigel

Zuschüsse sollten Kindern aus Hartz-IV-Familien den Besuch von Sportverein, Musikschule oder die Klassenfahrt erleichtern. In Bremen und Niedersachsen wird das Teilhabepaket aber kaum genutzt. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert deshalb: Für die Kinder soll der Zuschuss von 15 Euro pro Monat pauschal gezahlt werden.

Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Haushalten in Bremen und Niedersachsen hat nach Berechnung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nichts vom sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket. Dort profitiert demnach nur etwas mehr als jedes zehnte grundsätzlich berechtigte Kind von den Zuschüssen etwa für Sportverein, Musikschule oder Klassenfahrten. Im Bundesdurchschnitt sieht es nur geringfügig besser aus, heißt es in einer Studie, die der Verband am Dienstag veröffentlicht hat.

Nur jedes siebte Kind profitiert vom Teilhabepaket

Die Teilhabequote von August 2017 bis Juli 2018 wurde dabei mit dem vorangegangenen Jahresabschnitt verglichen. Die Zahlen hätten sich im Jahresvergleich nicht verändert und seien "vernichtend", urteilte der Verband. Nur jeder siebte 6- bis unter 15-Jährige profitiere acht Jahre nach deren Einführung von den Teilhabeleistungen, worunter auch Zuschüsse für Mittagessen, Schulmaterial und Ausflüge fallen.

In Bremen lag die Quote bei 12,9 Prozent nach zuvor 12,1 Prozent. Für die Untersuchung wurden Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. In Niedersachsen betrug die Teilhabequote 11,7 Prozent nach 11,5 Prozent im Zeitraum 2016/2017. Zu sehen sind große regionale Unterschiede: In Schleswig-Holstein (46,6 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (28,4 Prozent) ist die Quote demnach am höchsten, in Rheinland-Pfalz (7,8) und im Saarland (6,7 Prozent) am niedrigsten.

Kompliziertes Antragsverfahren wurde vereinfacht

Es gebe auf kommunaler Ebene sehr unterschiedliche Verwaltungsverfahren zur Umsetzung der Teilhabeleistungen, heißt es in der Studie. In einem Großteil der Kommunen gelinge es nicht, sie an das Kind und den Jugendlichen zu bringen. Bemängelt wurden in der Vergangenheit immer wieder komplizierte Antragsverfahren. Im August sind zwar gesetzliche Vereinfachungen in Kraft getreten. Wie diese sich auswirken, werde aber erst bei der nächsten Datenauswertung im kommenden Jahr sichtbar, hieß es.

Der Verband fordert eine Abschaffung des Bildungs- und Teilhabepakets und ein Ende von Teilhabe-Gutscheinen und stattdessen eine pauschale Auszahlung von 15 Euro pro Monat.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. Oktober 2019, 23:30 Uhr