So viel verdienen Azubis im Handwerk

Handwerksberufe sind bei Jugendlichen oft nicht angesagt. Dabei ist die Branche eine Absicherung gegen Arbeitslosigkeit. Fünf Gründe für einen Job im Handwerk.

Symbolfoto: Junge Frau sitzt auf einer Baustelle mit einem Tablet-Computer in der Hand
Wie viel ein Azubi verdient, hängt vom Beruf ab. Bild: Imago | Westend61

Bundesweit gibt es rund 330 verschiedene Berufe. Aufs Handwerk entfallen davon etwa. Viele Jugendliche wollen eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich machen. Das Handwerk steht hingegen oft bei den jungen Bewerbern als dreckig, laut und körperlich anstrengend im Ruf. Es ist somit kein Wunder, dass die Baubranche über Nachwuchssorgen klagt. Die Arbeit wird mit 20 Euro pro Stunde anständig bezahlt, trotzdem finden sich kaum Bewerber für die Ausbildung zum Maurer, Betonbauer oder Zimmermann. Aber was spricht eigentlich für eine solche Berufsausbildung?

1 Die Nachfrage

Arbeitsplätze im Handwerk sind sicher: Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, denn für Handwerker gibt es immer etwas zu tun. Laut Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schützt eine berufliche Ausbildung langfristig vor Arbeitslosigkeit.

2 Das Einkommen

Akademiker verdienen nicht grundsätzlich mehr als Facharbeiter. Entscheidend sind vor allem die Branche, Berufserfahrung und Weiterbildungen, wie zum Beispiel einen Meisterbrief. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat im Jahr 2016 die Lebenseinkommen unterschiedlich qualifizierter Beschäftigter ausgewertet. In Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen erwarten Ingenieure und andere Akademiker im Schnitt 2,7 Millionen Euro, in der Maschinen- und Autoindustrie 2,5 Millionen Euro, in Energie- und Elektroberufen 2,4 Millionen Euro sowie in der Informations- und Kommunikationstechnologie 2,5 Millionen Euro. Dagegen kämen Hochschulabsolventen in der Tourismus-, Hotel- und Gaststättenbranche im Laufe ihres Berufslebens nur auf ein durchschnittliches Gesamteinkommen von 1,3 Millionen Euro.

3 Lehrlinge werden oft übernommen

Laut Handwerkskammer können rund zwei Drittel der Lehrlinge bei ihren Ausbildungsbetrieben anfangen. Zudem werden Handwerker nur in Berufen ausgebildet, in denen es tatsächlich einen Bedarf gibt.

4 Früh finanziell unabhängig

Wer einen Beruf lernt, hat schnell ein eigenes Einkommen – anders als Studenten. Damit sind Jugendliche früh finanziell unabhängig. So verdienen Betonbauer schon in der Ausbildung nicht schlecht. Im dritten Lehrjahr gibt es dort fast 1.400 Euro. Da können zum Beispiel die beliebten Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker/in (778 Euro), Kaufmann/-frau im Einzelhandel (934 Euro) oder Friseur/in (596 Euro) nicht mithalten. Hier eine Übersicht der Ausbildungsvergütungen in eher unbeliebten Berufen:

Beruf1. Lehrjahr (in Euro)2. Lehrjahr (in Euro)3. Lehrjahr (in Euro)
Restaurantfachmann/-frau647733826
Fleischer586-668688-760875-852
Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk495621757
Klempner/-in600611686
Fachmann/-frau für Systemgastronomie672740814
Bäcker/in470600730
Tierwirt/in621669725
Gebäudereiniger/in630765900
Koch/Köchin647733826
Beton- und Stahlbetonbauer/-in7081.0881.374

5 Moderner als gedacht

Viele Handwerker haben ein Teil ihrer Arbeit umstellen können. So schließen Kfz-Mechaniker erstmal einen Computer ans Auto an oder Dachdecker schicken eine Drohne in die Luft, um sich ein Bild vom Schaden zu machen. Das klassische Herumwerkeln allein ist also längst kein typischer Alltag mehr.

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  • Heike Kirchner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, vom 20. bis 25. November 2017, 19:30 Uhr