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Bekommen Sparer ihr Geld zurück? Bremer Greensill Bank in der Krise

Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt, die Finanzaufsicht stellt den Betrieb der Bank ein. Was Sie über die Greensill Bank wissen müssen.

Das Schild der Greensill Bank mit dem Logo daneben.
Die Greensill Bank in der Bremer Martinistraße steckt in der Krise. Bild: Radio Bremen

Unscheinbar liegt die einzige Geschäftsstelle der Greensill Bank in der Martinistraße. Bis Mittwoch bekam das Mini-Geldinstitut eher weniger Aufmerksamkeit. Dann stellte die Finanzaufsicht BaFin den regulären Betrieb der Bank ein. Wegen drohender Überschuldung sind Aus- und Einzahlungen seit Mitte der Woche nicht mehr möglich.

Am Donnerstagnachmittag teilte die Bremer Staatsanwaltschaft mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen die Bank eingeleitet habe. Dem Vernehmen nach soll es um den Vorwurf der Bilanzfälschung gehen.

Wer ist die Greensill Bank?

Seit 2014 gibt es die Bank in Deutschland. Ihren einzigen Geschäftssitz hat sie in der Bremer Martinistraße. Die Greensill Bank ist eng mit dem australischen Finanzkonzern Greensill Capital verwoben, der sein Kerngeschäft in London hat.

Neben professionellen Anlegern haben auch private Sparer insgesamt rund eine Milliarde Euro bei der Bank angelegt.

Seit der Gründung des Mutterkonzerns im Jahr 2011 ist das Finanzhaus rasant gewachsen. 2019 explodierte die Bilanzsumme der Greensill Bank geradezu um plus 472 Prozent auf gut 3,8 Milliarden Euro (2018: rund 666 Mio Euro). Ende 2020 waren es nach Bafin-Angaben dann rund 4,5 Milliarden Euro. Auch deswegen war die Finanzaufsicht auf die Bremer Bank aufmerksam geworden.

Wie ist die Bank in eine solche Schieflage geraten?

Nach dem Rückzug großer Investoren musste der Mutterkonzern am Dienstag in Australien Gläubigerschutz beantragen. Laut Medienberichten plant die Firma offenbar auch eine Insolvenz in Großbritannien anzumelden.

Die Bremer Bank sorgte in der Vergangenheit durch die Einlagen von professionellen und privaten Anlegern für die nötige finanzielle Rückendeckung des Mutterkonzerns in London und Australien.

Durch die finanziellen Schwierigkeiten des Mutterkonzerns sah die deutsche Finanzaufsicht BaFin keine andere Möglichkeit, als ein Moratorium über die Bremer Tochter zu verhängen. Nun sind keine Ein- und Auszahlungen mehr möglich.

Ist das Geld von Kleinsparern sicher?

Die Einlagen von privaten Anlegern seien über die gesetzliche Entschädigungseinrichtung europaweit bis zu 100.000 Euro geschützt, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Außerdem sei die Greensill Bank Mitglied in der Einlagensicherung privater Banken.

Sollte der Entschädigungsfall eintreten, erhalten Kunden von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken innerhalb von sieben Werktagen ihre kompletten Einlagen zurück.

Annabel Oelmann, Verbraucherzentrale Bremen

Die Anleger würden von der Entschädigungseinrichtung angeschrieben und müssten nicht selbst aktiv werden.

Wie geht es für Sparer jetzt weiter?

Bis es zu einer Auszahlung kommt, kann es noch dauern. Dazu müsste der Entschädigungsfall offiziell ausgerufen werden. Das Gesetz sieht vor, dass innerhalb der nächsten sechs Wochen geklärt werden muss, ob dieser Fall eintritt.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. März 2021, 19:30 Uhr