Interview

Neuer Geno-Aufsichtsrat: "Schmerzliche Einschnitte werden nötig sein"

Die Bremer Krankenhausgesellschaft Geno schreibt seit Jahren rote Zahlen. Jetzt hat sie einen neuen Aufsichtsrat bekommen. Mit der Sanierung von Krankenhäusern kennt er sich aus.

Schriftzug "Gesundheit Nord - Klinikverbund Bremen" vor dem Klinikum Bremen-Mitte (Achivbild)
Der Bremer Verbund Gesundheit-Nord (Geno) wurde in den vergangenen Jahren von finanziellen Problemen und Fachkräftemangel geplagt.

Matthias Bracht kennt sich mit Krankenhäusern in finanziellen Krisen aus. Und damit, wie man solche Krisen am besten überwindet. Bevor er zum Klinikum Region Hannover wechselte, arbeitete der Mediziner als Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken in Nordrhein-Westfalen. Die Kliniken machten damals eine schwierige finanzielle Phase durch. Mit neuen Maßnahmen gelang es der kommunalen Gesellschaft, sich in ein erfolgreiches Universitätsklinikum zu verwandeln.

Seit Montag ist Bracht als Aufsichtsrat für die Geno tätig. Im Interview mit buten un binnen erzählt er, wie er die aktuelle Lage der Geno einschätzt und wie man ein Krankenhaus aus der Krise führen kann.

Herr Dr. Bracht, die Geno hat in den vergangenen Jahren wiederholt rote Zahlen geschrieben und für starke Kritik gesorgt. Freuen Sie sich auf Ihre neue Aufgabe?
Selbstverständlich. Sonst hätte ich diesen Auftrag nicht angenommen. Ich hoffe, dass ich einen Beitrag leisten kann, damit die Entwicklung in die richtige Richtung gesteuert wird und die Geno ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften kann.
Haben Sie schon eine konkrete Vorstellung davon, wie man das erreichen könnte?
Ich kenne die Herausforderungen der Geschäftsführung aus eigener Erfahrung. Als Aufsichtsrat hoffe ich, die Geschäftsführung in Bremen unterstützen zu können. Und vielleicht an der einen oder anderen Stelle vermitteln, dass bestimmte Maßnahmen notwendig sind. Denn: Schmerzliche Einschnitte werden notwendig sein.
Für wen könnten die Einschnitte besonders schmerzlich werden?
Schmerzlich für alle, die an dem Bestehenden festhalten wollen und Schwierigkeiten haben zu erkennen, dass man viele Dinge in Zukunft anders machen muss. Konkrete Diagnosen kann ich aber noch nicht stellen. Im Allgemeinen gilt: Wenn ein Krankenhaus hochdefizitär ist, ist die Produktivität schlecht, was häufig seine Ursachen in den Prozessen hat. Man setzt mehr Ressourcen ein, um das gleiche Ergebnis zu bringen wie andere. Es geht teilweise um einfache Fragen: Wie viel Personal und Sachmittel brauche ich für die Behandlung der Patienten?
Führen solche Maßnahmen dann nicht zu Nachteilen für die Patienten?
Nein, ganz im Gegenteil. Wenn man gut organisiert arbeitet, kann die Qualität des Ergebnisses für die Patienten sogar besser sein.
Und was ist mit den Mitarbeitern? Müssen sie mit Schließungen von Einrichtungen oder einer Reduzierung der Betten rechnen?
Das ist eine spannende Diskussion, mit der sich Bremen ebenfalls beschäftigen sollte. Aber ich warne davor, zu glauben, dass dies die einzige wirksame Maßnahme ist. Wie gesagt, man muss auf Produktivität und Prozesse schauen. Und die Mitarbeiter sehen in der Regel als Erste die Notwendigkeit, Strukturen zu verändern. Als Fachkräfte werden sie in jedem Fall weiter gebraucht.
Sie haben Erfahrung im Umgang mit der finanziellen Sanierung von Krankenhäusern. Gibt es Ihrer Meinung nach noch Hoffnung für die Geno?
Die Lage in Bremen ist äußerst schwierig, das darf man nicht verschweigen. Das liegt zum Teil auch daran, dass sich die Rahmenbedingungen in deutschen Krankenhäusern deutlich verschärft haben. Im operativen Ergebnis muss aber ausgeglichen gewirtschaftet werden. Und das halte ich auch für möglich. Sonst wäre das Unternehmen ja auf Dauer nicht zukunftsfähig. Es wird aber ein harter Weg sein.
Gab es etwas, das Sie besonders dazu bewegt hat, diesen neuen Auftrag in Bremen anzunehmen?
Ja, und zwar die Tatsache, dass der Eigentümer in Bremen gesagt hat: "Wir wollen jemanden mit praktischer Erfahrung und Kliniknähe in den Aufsichtsrat holen." Das finde ich gut und besonders, vielleicht sogar mutig. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass sich kommunale Krankenhaus-Unternehmen gegenseitig unterstützen sollten. Und das Klinikum in Hannover ist ebenfalls eine kommunale Struktur.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 24. Februar 2020, 23:30 Uhr