4 Gründe, warum 2020 ein schweres Jahr für die Bremer Geno wird

Schärfere Gesetze, fehlende Fachkräfte und ein neues Millionendefizit – der Bremer Klinikverbund hat mit großen Problemen zu kämpfen.

Eingang des Klinikums Bremen Mitte, das zum kommunalen Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) gehört.
2019 war für die Gesundheit Nord ein hartes Jahr – auch in diesem Jahr steht der Bremer Klinikverbund vor großen Problemen. Bild: DPA | Ingo Wagner

1 Das Personal

Rund 28 Millionen Euro – so groß wird das Minus für die kommunalen Krankenhäuser in Bremen für 2019 wohl ausfallen. Ein Hauptgrund dafür, so die Geschäftsführung der Gesundheit Nord (Geno), sei das fehlende Personal und die sogenannte Personal-Untergrenzen-Verordnung. Die regelt seit Anfang 2019 den Personalschlüssel für Pflegekräfte in den einzelnen medizinischen Bereichen. Fehlt Personal, müssen Betten und manchmal sogar ganze Stationen geschlossen werden. Die Folge: Betten bleiben leer, geplante Operationen werden verschoben oder abgesagt und Patienten gehen in andere Krankenhäuser – der Geno sind 2019 so etwa 20 Millionen Euro durch die Lappen gegangen.

Die Personal-Untergrenzen-Verordnung wird zum 1. Januar 2020 auf vier weitere medizinische Bereiche ausgeweitet, zum Beispiel auf die Herzchirurgie und die Neurologie. Das bedeutet: schafft es die Geno nicht, genügend Pflegekräfte einzustellen, könnte es auch in diesen Bereichen dazu kommen, dass Betten oder Stationen nicht betrieben werden können. Geno-Geschäftsführerin Heike Penon ist allerdings optimistisch: "Trotz dieser Misere im Jahr 2019 haben wir Personal gewonnen. Wir haben den Wirtschaftsplan so aufgestellt, dass wir geschaut haben, was sind die Bedarfe auf den Stationen und wie viel Personal haben wir und danach gerechnet, was können wir an Leistung erbringen."

Heike Penon, sitzt an ihrem Schreibtisch.
Heike Penon lenkt interimsmäßig als Geschäftsführerin die Geschicke beim kommunalen Klinikverbund. Bild: Gesundheit Nord

Dennoch, es gibt bei der Geno aktuell etwa 40 offene Stellen im Pflegebereich. Hinzu kommen mehr als 20 unbesetzte Posten bei den Ärzten. Ein Problem, das die Geno im neuen Jahr lösen muss. Das wird schwer, denn Fachkräfte in der Pflege fehlen in vielen Krankenhäusern, laut dem aktuellen Krankenhaus-Barometer sind bundesweit rund 17.000 Stellen offen. Die Konkurrenz untereinander um Personal ist also groß.

2 Die internen Abläufe

Viel Geld verlieren Bremens kommunale Krankenhäuser, weil interne Abläufe nicht gut funktionieren. Ein Beispiel: Es wird ein Notfallpatient im Klinikum Mitte eingeliefert und erstversorgt. Er kann dort aber nicht bleiben, weil alle Betten in Mitte belegt sind. Dieser Patient soll dann in ein anderes Geno-Haus verlegt werden, zum Beispiel nach Bremen Ost. Bisher verliert die Geno solche Patienten häufig an andere freie und gemeinnützige Krankenhäuser, beklagt Heike Penon. Das bedeutet, die vier Geno-Häuser (Bremen Ost, Bremen Mitte, Links der Weser und Bremen Nord) sollen künftig besser miteinander kooperieren.

Und dabei geht es laut Geschäftsführung nicht nur um die Patientenströme. Auch das Personal müsse effizienter eingesetzt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sei hier die Digitalisierung. Patientenakten, die schnell und vollständig jederzeit digital vorliegen – das könnte viele Prozesse schneller machen – zum Beispiel wenn Patienten entlassen werden sollen. An diese internen Prozesse will Geschäftsführerin Heike Penon in diesem Jahr verstärkt ran – auch hier hatte die Geno 2019 viel Geld verloren.

3 Die Medizinstrategie

Ein dickes Brett ist die sogenannte Medizinstrategie. Es geht darum, welches Geno-Haus künftig welche Leistungen anbietet. Diese Medizinstrategie wird sicherlich 2020 nicht abgeschlossen werden. Zuletzt wurde bekannt, dass die Chirurgie in Bremen Ost zumachen und ins Klinikum Bremen Mitte wandern soll. Es gehe um die Konzentration von Angeboten, sagt Geschäftsführerin Heike Penon. Die Chirurgie in Ost sei nicht voll ausgelastet, das koste viel Geld. Daher sei es sinnvoll, die Chirurgie zu verlagern. Diese konkreten Vorstellungen der Geschäftsführung sollen nun in ein Beteiligungsverfahren gehen. Dabei sind unter anderem die Betriebsräte mit am Tisch. Dass die Verlagerung der Chirurgie von Bremen Ost ins Klinikum Bremen Mitte bereits 2020 kommt, ist eher unwahrscheinlich. Und dass sie überhaupt kommt, ist auch keine ausgemachte Sache.

An der medizinischen Strategie wird 2020 weiter gearbeitet, sagt Geschäftsführerin Heike Penon. Dabei gehe es um die weitere Konzentration von Angeboten und auch darum, dass immer mehr Leistungen ambulant erbracht werden. Auch darauf müssten sich Bremens kommunale Krankenhäuser besser einstellen.

Aufsichtsratssitzung der Geno: So wird umstrukturiert

Video vom 13. Dezember 2019
Eine Pflegekraft schiebt ein Bett in einem Krankenhaus.
Bild: Radio Bremen

4 Das Defizit

Es gibt viel zu tun im Jahr 2020, um die kommunalen Krankenhäuser in Bremen fit für die Zukunft zu machen: Personal gewinnen, interne Abläufe ruckelfrei und effizient machen und dann auch noch die großen Linien der Medizinstrategie weiter zeichnen – das sind wichtige Aufgaben für das neue Jahr. Klar ist allerdings bereits jetzt: auch 2020 wird die Gesundheit Nord ein Minus einfahren, die Geschäftsführung geht von 20 Millionen Euro aus. Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) hat bereits signalisiert, dass die Stadt Bremen weiterhin zu den kommunalen Kliniken stehe. Allerdings müsse die Geno-Geschäftsführung ein Konzept vorlegen, wie die Krankenhäuser perspektivisch mindestens eine schwarze Null erreichen.

Unterdessen ist nach wie vor unklar, wer genau die Gesundheit Nord künftig führen wird. Nachdem die frühere medizinische Geschäftsführerin Jutta Dernedde im November ihren Posten räumen musste, hatte Heike Penon den Posten interimsmäßig übernommen. Wer für Jutta Dernedde kommt, ist bis jetzt nicht bekannt. Aus dem Gesundheitsressort heißt es dazu kurz: die Stelle solle kurzfristig neu besetzt werden.

Autorin

  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Januar 2020, 8:10 Uhr