Studie: Männer verdienen in Bremen 20 Prozent mehr als Frauen

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist regional unterschiedlich. In Bremen ist er im Schnitt relativ groß. Das hat auch mit den Branchen der Region zu tun, sagen Experten.

Figuren eines Mannes und einer Frau sitzen auf Stapeln aus Geldmünzen. (Illustration)
Wenn es um das Gehalt geht, haben Frauen oft das Nachsehen. So auch in Bremen und Bremerhaven. Bild: DPA | Andrea Warnecke

Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, der sogenannte Gender Pay Gap, sind regional unterschiedlich. Das hat eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergeben, die der Zeitung "Die Welt" vorliegt. Bei einem Vergleich verschiedener Städte und Kreise wird deutlich: Man kann das Thema Lohngerechtigkeit in Deutschland nicht über einen Kamm scheren. So verdienten laut der Studie Männer in Dingolfing-Landau (Niederbayern) im Jahr 2016 ganze 38 Prozent mehr als Frauen. Völlig anders sah es in Cottbus (Brandenburg) aus: Dort hatten Frauen im Schnitt 17 Prozent mehr Gehalt auf dem Konto als Männer. Zugrunde liegen der Untersuchung Daten von Arbeitnehmern in Vollzeit.

Frauen wählen häufiger schlecht bezahlte Berufe

In Bremen verdienten Männer durchschnittlich 19,9 Prozent mehr als Frauen, in Bremerhaven waren es 18,6 Prozent. Damit liegen beide Städte im oberen Mittelfeld. "Natürlich kann man mit diesen Unterschieden nicht zufrieden sein. Denn selbst wenn man gleichwertige Tätigkeiten miteinander vergleicht, verdienen Frauen bundesweit im Schnitt immer noch sieben Prozent weniger als Männer", sagt Susanne Gieffers, Pressesprecherin der Bremer Frauenbeauftragten Bettina Wilhelm. Frauen hätten strukturell die schlechteren Karten. Im Bundesland Bremen gebe es zum Beispiel eine große Armutsproblematik. "Davon sind häufig alleinerziehende Frauen betroffen", sagt Gieffers. Flexible Arbeitszeiten und eine verlässliche Kinderbetreuung, also familienfreundliche Arbeitsmodelle, könnten helfen, den Lohnunterschied auszugleichen, meint Gieffers.

Eine weitere Erklärung für die Lohnunterschiede sei die Tatsache, dass die Berufswahl von Männern und Frauen immer noch sehr unterschiedlich ausfalle, sagt Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer des Allgemeinen Arbeitgeberverbands Bremen. "Frauen wählen immer noch häufig schlechter bezahlte Berufe, selten die sogenannten MINT-Berufe, die in der Regel besser bezahlt werden und für die es in Bremen einen hohen Bedarf an Arbeitskräften gibt." Man könne nur immer wieder versuchen, dass sich junge Menschen die ganze Bandbreite von möglichen Berufen anschauten, statt nur ein paar wenige. "Wenn das gelingt, werden wir auch diese unterschiedlichen Verdienstzahlen nach unten bringen", ist sich Neumann-Redlin sicher. Gewundert hat ihn der Unterschied von fast 20 Prozent in der Stadt Bremen daher nicht. Das sei charakteristisch für Regionen mit starker Industrie und dominanten Großunternehmen.

Bremen und Bremerhaven bieten gut bezahlte Jobs in Industrie

Auch Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, sieht hier einen Hauptgrund für die Unterschiede. "Bremen und Bremerhaven sind noch stark industriell geprägt – die Verdienste in der Hafenwirtschaft, der Luft- und Raumfahrt oder in der Automobilindustrie sind vergleichsweise gut. Doch genau hier arbeiten überwiegend Männer, während Frauen häufig in den deutlich niedriger bezahlten Dienstleistungsberufen arbeiten." Zudem hätten Frauen geringere Gehaltszuwächse im Laufe eines Arbeitslebens, weil sie häufiger wegen der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen ihre Arbeit über Monate oder Jahre unterbrechen würden.

Erschreckend ist, dass Frauen in keiner Branche mehr verdienen als Männer, auch nicht in den frauentypischen. Das sollte auch der Politik zu denken geben, denn sie hat insbesondere in den sozialen Berufen, in der Pflege und Erziehung, Einfluss auf das Lohngefüge.

Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. Februar 2018, 23:20 Uhr