Luca oder Gast Bremen: Welche Kontaktverfolgungs-App setzt sich durch?

In Bremen bahnt sich ein Wettstreit der Kontaktverfolgungs-Apps an. Zwar setzt die Politik auf die Luca-App. Doch auch die der Bremer Gastro-Gemeinschaft bleibt im Rennen.

Video vom 30. März 2021
Ein Ausschnitt eines Smartphones mit zwei Apps auf dem Bildschirm. Die erste mit dem Namen "Luca" und daneben mit dem Namen "Gast Bremen".
Bild: Radio Bremen
Bild: DPA | Blend Images/Dmitry Ageev

Bremen führt landesweit die Luca-App zur Kontaktverfolgung ein. Damit tut es der Zwei-Städte-Staat den anderen norddeutschen Bundesländern gleich. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Doch schon jetzt ist klar, dass Luca nicht das einzige digitale Kontaktverfolgungssystem Bremens werden wird. So möchte die Bremer Gastro-Gemeinschaft trotz der Einführung Lucas ihrer eigenen App vertrauen: "Gast Bremen". Der Bremer Senat "begrüßt" den "Paralleleinsatz anderer App-Lösungen und Systeme zur Kontaktverfolgung", heißt es dazu in einer Senatsvorlage vom Dienstag.

"Alles, was Luca leisten kann, kann auch Gast Bremen", sagt Oliver Trey, Vorsitzender der Bremer Gastro-Gemeinschaft über die App. In mancher Hinsicht sei Gast Bremen der Luca-App sogar überlegen. Fest steht: Sowohl Luca als auch Gast Bremen sowie eine Reihe weiterer Apps ermöglichen es dem Besucher einer Gaststätte oder einer Veranstaltung, sich durch den Scann eines QR-Codes via Smartphone zu registrieren, statt sich händisch in eine Adressliste einzutragen. Daher versprechen nahezu alle Anbieter von Kontaktverfolgungsapps unisono ein "Ende der Zettelwirtschaft".

Der große Unterschied zwischen Luca und den anderen Apps besteht darin, dass sich Luca als komplexes Kontaktverfolgungssystem direkt mit der Software der Gesundheitsämter vernetzen lässt. Daher, so versprechen es zumindest die Anbieter, könne Luca schneller als andere Systeme die Kontakte eines Corona-Infizierten nicht nur aufzeigen, sondern die Betroffenen auch in einem Rutsch informieren. Auf diese Weise lasse sich die Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter erheblich beschleunigen.

Gateway oder exklusive Lösung?

Eine Hand schreibt "Pippi Langstrumpf" auf einen Registrierungszettel
Kontaktverfolgungs-Apps sollen auch verhindern, dass sich Gaststätten-Gäste mit falschen Namen und falschen Adressen registrieren. Bild: Radio Bremen

Doch nicht jeder ist von diesem Konzept überzeugt. So sähe Oliver Trey die Gefahr einer starken Abhängigkeit der Länder zu Luca und ihren Berliner Anbietern, gäbe es keine Alternativen. Gast Bremen hingegen sei, wie zahlreiche andere Apps auch, Teil einer so genannten Gateway-Lösung: Hierbei teilen sich mehrere Kontaktverfolungs-Apps eine Schnittstelle zum Gesundheitsamt, um auf diese Weise die Kontaktinformationen aller für das betreffende Amt zu bündeln – und so ebenfalls eine schnelle Kontaktverfolgung zu ermöglichen.

Luca, so Trey, sei nicht Bestandteil der Gateway-Lösung, sondern lebe von der Exklusivität: Je mehr Leute Luca auf ihrem Smartphone hätten, desto besser funktioniere das System. So hat es kürzlich auch Patrick Hennig, einer der Entwickler der Luca-App, gegenüber buten un binnen dargestellt.

Neben der Gateway-Lösung und der damit einhergehenden Kompatibilität diverser Kontaktverfolgungs-Apps sieht Trey noch einen weiteren Pluspunkt von Gast Bremen gegenüber Luca. Die heimische App lasse sich, wenn erforderlich, kurzfristig und günstig den regionalen Anforderungen entsprechend erweitern: beispielsweise um digitale Impfpässe oder auch um Soforttestausweise. Dadurch biete sich Gast Bremen auch als Instrument regionaler Modellversuche für die Zeit der Öffnungen nach dem Lockdown an: "Man kann auf lokaler Ebene viel einfacher und günstiger eine App so programmieren, dass sie für einen Testlauf gerüstet ist. Das wäre mit Luca sicher schwierig", sagt Trey.

Verschwendet Bremen mit Luca Geld?

Screenshot aus Play-Store auf dem Handy zeigt Symbol der App Gast Bremen
Die Bremer Gastro-Gemeinschaft ist von ihrer App "Gast Bremen" überzeugt. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Die Gastro-Gemeinschaft wirft dem Bremer Senat vor, mit dem Erwerb der Luca-Lizenz Geld zu verschwenden. Dem Vernehmen nach kostet das Land die Einjahres-Lizenz für Luca etwa eine Viertelmillion Euro. "Für das Geld, welches die Länder nun Luca hinterherwerfen, hätte man Gast Bremen 26 Mal komplett kaufen können", heißt es dazu in einer Stellungnahme der Gastro-Gemeinschaft.

Auch für Gast Bremen hat das Land bereits Geld ausgegeben – wenn auch deutlich weniger als für Luca: Die App ist Bestandteil der Kampagne "Gastronomie? Aber sicher!" Hierin stellen Bremens Gastwirte Ideen dazu vor, wie sie in der Pandemie zugleich Gäste empfangen und etwas für den Infektionsschutz tun könnten. Das Wirtschaftsressort fördert diese Kampagne mit rund 80.000 Euro.

Dass Bremens Vertrag mit den Luca-Anbietern nun das Ende von Gast Bremen bedeuten könnte, ehe sich die App aufgrund des Lockdowns überhaupt hat beweisen können, glaubt Trey nicht. "Wir werden es schon hinkriegen, dass sich die App gut verbreitet", sagt er. Obwohl die Gaststätten seit Monaten geschlossen seien, hätten sich bislang etwa 450 Unternehmen mit rund 480 Betrieben für Gast Bremen angemeldet. "Am Ende wird sich Qualität durchsetzen", so der Gastwirt.

Bremen führt zur Nachverfolgung von Corona-Infektionen "Luca App" ein

Video vom 30. März 2021
Eine Frau hält ein Handy in die Kamera. Man sieht ihre Handy und den Startbildschirm der "Luca-App".
Bild: Radio Bremen
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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. März, 19.30 Uhr