Interview

Klimaschützer wollen mit "positiver" Straßenblockade überzeugen

Auf dem Altenwall in Bremen wollen die Fridays for Future-Demonstranten eine "positive Blockade" errichten. Laut Organisatorin Frederike Oberheim solle jeder die Vorteile erkennen.

Klimademo Friday for Future am Hauptbahnhof in Bremen.
Die bremer FFF-Organisatoren erwarten zur Großdemonstration am Freitag rund 10.000 Teilnehmer.
Ihr habt angekündigt, den Klimaprotest auf eine neue Stufe zu stellen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Wir machen dieses Mal von 10-19 Uhr durch sozusagen. Den ganzen Tag gibt es Programm. Dann können auch alle, die morgens vielleicht nicht aus der Schule rauskommen oder arbeiten, abends in einem familienfreundlichen Kontext dazu kommen. Es gibt eine positive Blockade auf dem Altenwall, um zu zeigen, wie viel in einer Stadt passieren kann, in der keine Autos mehr sind. Wie lebenswert das eigentlich sein kann, wie viel da stattfinden kann. Und das in der Ergänzung zu der normalen Großdemonstration, die man schon von uns kennt.
Wie groß wird die Demonstration?
Wir rechnen wieder mit ungefähr 10.000 Teilnehmern. Wir erwarten nicht, dass wir wieder das vom 20. September auf die Beine kriegen, weil es dieses Mal auch einfach kurzfristiger ist. Aber vielleicht ist Bremen da auch noch für eine Überraschung gut.
Eine autofreie Stadt: Was ist der Gedanke hinter Eurem Konzept und wie ist das zustande gekommen?
Wir haben ein relativ breites Bündnis für die Großdemos. Wir haben unter anderem mit dem ADFC, BUND und anderen Akteuren aus der Vekehrswelt gesprochen. Wir haben uns viele Studien durchgelesen und dann kriegt man schon gute Eindrücke und viele Maßnahmen, die von verschiedenen Gruppen vorgeschlagen werden. Daraus haben wir den Masterplan entwickelt, wie man das alles zusammenbauen kann, um ein übergreifendes System zu haben, das vielleicht tatsächlich dazu führt, dass wir bis 2030 autofrei sein können.
Habt Ihr vor, euer Konzept auch dem Bürgermeister auf den Tisch zu legen oder wie geht's dann weiter?
Ja, wir machen das erst mal öffentlich, dass alle mitbekommen was unser Plan ist und dann gehen die Verhandlungen mit der Politik los. Wir hoffen, dass dann auch von den Bürgerinnen und Bürgern der Gesellschaft der Druck kommt, dass sich viele hinter dieses Konzept stellen und es unterstützen. So können wir es dann nochmal mit voller Power in die Bürgerschaft bringen.
Das ist jetzt der lokale Aspekt, der regionale Bremische. Dann gibt es ja noch ein etwas größeres und globales Ding, dass auch nochmal Druck machen soll, vor der Klimakonferenz in Madrid. Wie seht Ihr die und was erwartet Ihr?
Da sind die Erwartungen leider ziemlich niedrig. Wie immer, wenn sich Politiker treffen. Wir hoffen, es wird besser als das Klimapaket, was die da am Ende beschließen. Aber wenn man sich das Pariser Klimaabkommen anguckt, was ja auch bei einer Klimakonferenz entstanden ist, da hält sich ja auch keiner dran. Von daher sind die Erwartungen eher mäßig aber genau deswegen wollen wir nochmal in voller Stärke auftreten. Auch wieder weltweit, um zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass da radikale Maßnahmen ergriffen werden, dass es wirklich ein radikales Umdenken in der internationalen Klimapolitik geben muss. Darum geht's auch bei der Großdemonstration. Wir haben auch eine Gruppe aus Chile da, wo jetzt nicht mehr die Klimakonferenz stattfindet, aber die werden auch nochmal sprechen und das aus ihrer Perspektive schildern. Der globale Süden ist natürlich auch viel stärker getroffen, als wir hier in Deutschland. Dadurch haben wir dann auch bei uns die globale Perspektive drin.
Ihr seid ja immer noch mit vollem Schwung unterwegs. Habt ihr denn den Eindruck, dass das auch was bringt?
Ja, wir sind sehr aktiv dabei. Es macht ja auch vor allem Spaß. Auf so einer Demo zu stehen, ist jedes Mal ein unglaublich tolles Gefühl. Dafür lohnt es sich. Man merkt in vielen Gesprächen, egal ob mit Leuten aus der Wirtschaft, den ganzen Bremerinnen und Bremern, oder auch mit Politikern, dass sich da schon was in Bewegung setzt – wenn auch zum Teil sehr langsam. Und da müssen wir jetzt weiterbohren.

Mehr zum Thema:

Autor

  • Jens Otto

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. November 2019, 19:30 Uhr