Infografik

Bremerinnen haben immer noch schlechtere Chancen im Job

Frauen verdienen im öffentlichen Dienst weiterhin weniger als Männer. Das geht aus dem Bericht zum Landesgleichstellungsgesetz hervor. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Miniaturfiguren von Mann und Frau auf Ein- und Zwei-Euro-Münze.
Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es auch im Bremer öffentlichen Dienst. Laut Senat beträgt er etwa eine Gehaltsstufe. Bild: DPA | Bildagentur-online/Ohde

1 Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer

Etwa jede zweite Frau im öffentlichen Dienst des Landes Bremen ist in mittleren Einkommensstufen angestellt. In den höheren dagegen arbeiten nur sieben Prozent der Frauen, aber 12,5 Prozent aller Männer. Das geht aus dem aktuellen Bericht zum Bremer Landesgleichstellungsbericht (LGG) hervor, der alle zwei Jahre erscheint und jetzt für das Jahr 2018 vorliegt.

Der Bremer Senat fasst die Einkommensunterschiede so zusammen: "Damit werden weibliche Beschäftigte im LGG-Geltungsbereich durchschnittlich eine Entlohnungsstufe niedriger entlohnt als die männlichen Beschäftigten." Die Grafik macht das Geschlechterverhältnis in den Einkommensstufen sichtbar: Im unteren Bereich, in dem die Gehälter schlechter sind, sind mehr Frauen eingestellt, in den oberen Stufen mehr Männer.

Einkommen von Männern und Frauen nach Einkommensstufen

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In den in Firmen oder andere rechtliche Konstrukte ausgegliederten Bereichen der Verwaltung ist das Gefälle noch sehr viel ausgeprägter: Die Frauen kommen da auf eine durchschnittliches Entlohnungsniveau, das rund drei Stufen unter dem von Männern liegt. Der Bericht erklärt das mit dem hohen Anteil der gering entlohnten Reinigungs- und Küchenkräfte im ausgegliederten Bereich, die häufig weiblich sind.

2 Frauen besetzen weniger Leitungsfunktionen

Befund 1 hängt unmittelbar mit Befund 2 zusammen. Denn natürlich nimmt das Lohnniveau entsprechend der erklommenen Stufe der Karriereleiter zu. Immerhin ist der Frauenanteil in Führungspositionen im öffentlichen Dienst seit 2016 um sechs Prozentpunkte auf 46,5 Prozent gestiegen. Das heißt aber auch: Nur 5,6 Prozent der Frauen nehmen eine Führungsaufgabe wahr, aber 9,4 Prozent der Männer.

Anteil der Frauen in Führungsfunktionen

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Der Senat weist noch darauf hin, dass Führung nicht gleich Führung bedeutet. Konkret: Je höher die Stufe der Leitungsposition angesiedelt ist, umso männlicher wird das Feld. Die Schulen einmal ausgeklammert – da treibt die große Zahl von Frauen in der Leitung von Grundschulen den Frauen-Anteil – gibt es in der obersten Leitungsebene außerhalb der Kernverwaltung noch nur ein Fünftel Frauen.

Frauen in Führung nach Leitungsebenen

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3 Frauen sind öfter in Teilzeit tätig

Befund 3 ergibt sich wiederum fast zwangsläufig aus Befund 2: Leitung und Teilzeit sind zwar formal und theoretisch keine gegensätzlichen Pole. In der Praxis aber beschleunigt Teilzeitarbeit einerseits nicht das berufliche Vorkommen, und in Führungspositionen ist auch eine Sicht verbreiteter, die Chefin, der Chef müsse besonders viel da sein und wegschaffen. Dennoch gibt es einen Trend zu Führungskräften mit einer Teilzeitstelle – und zwar bei beiden Geschlechtern, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt: Verglichen mit 2016 hat der Teil der so arbeitenden Frauen um sechs Prozentpunkte auf 23,7 Prozent, der der Männer um 1,1 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent zugenommen.

Teilzeitbeschäftigte Frauen und Männer

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Spannend wird es dann, wenn man sich anguckt, wie es mit Teilzeitstellen auf den Führungsebenen aussieht. Während Männer voll auf Karriere setzen, sind Frauen fast dreimal so oft bereit – oder gezwungen? – auch den beruflichen Aufstieg in Teilzeit zu vollziehen:

Frauen und Männer in Leitungsfunktionen in Teilzeit

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Die Frauenbeauftragte schreibt in ihrer Stellungnahme zu dem Bericht an dieser Stelle: "Da weibliche Beschäftigte eine deutlich höhere Teilzeitquote aufweisen, die Teilzeitquote in Leitungsfunktionen bisher aber nur einen geringen Anteil darstellt, sollte die Vereinbarkeit von Leitungsfunktion und Teilzeit stärker in den Fokus gerückt werden."

4 Frauen steigen noch immer seltener auf

Befund 4 lässt bei den Befunden 2 und 3 nur sehr langsam Besserung erwarten. Denn auch bei den Beförderungen und Höhergruppierungen kommen Frauen zwar häufiger zum Zug als Männer – jedoch nicht ihrem Gesamtanteil bei den Beschäftigten entsprechend. Relativ also machen mehr Männer Karriere und auch das wird auf dem Weg nach oben immer deutlicher.

Aufstieg nach Qualifikationen

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5 Frauen planen ihre Karriere weniger

Karriere und damit letztlich auch Einkommen sind zu einem guten Stück auch Ergebnis eines Plans, der ausgesandten Signale und der Qualifizierung in diese Richtung. Beim Blick auf die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen zeigt sich zwar, dass Frauen vergleichsweise öfter an Fortbildungen teilnehmen als Männer - die Grafik zeigt den Frauen-Anteil bei Schulungen. Sie zeigt aber auch: Ausweislich der Zahlen des LGG-Berichts gehen Frauen das Thema Karriere jedoch weniger strategisch an als die Männer. Sie bilden sich eher fachlich weiter, Fortbildungen zum Komplex Aufstieg, Führung widmen wie am wenigsten Zeit.

Anteil von Frauen bei Fortbildungen

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Der Überblick über die Frauen-Anteile

Im Berichtsjahr 2018 sind im Geltungsbereich des Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) knapp 37.000 Personen beschäftigt. Das umfasst die Kernverwaltung des Landes Bremen und seiner beiden Städte, die Mehrheitsgesellschaften, Stiftungen, Anstalten öffentlichen Rechts, Hochschulen und einiges mehr. Der Frauenanteil in all diesen Bereichen zusammen hat sich im Jahr 2018 auf 59,2 Prozent erhöht, 2016 betrug er noch 58 Prozent.

Doch natürlich bildet eine solche Durchschnittszahl die Wirklichkeit nur sehr eingeschränkt ab. Es gibt große Unterschiede.

Tops und Flops des Frauen-Anteils

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Aufgesplittet nach den größten Blöcken: In der Kernverwaltung Land und Stadt Bremen arbeiten 10.288 Frauen, das entspricht 57,5 Prozent aller Beschäftigten. Beim Magistrat Bremerhaven arbeiten 3.129 Frauen (59,8 Prozent). In den "Sonderhaushalten" – das sind in erster Linie die Hochschulen und die Universität - 2.297 Frauen (50,0 Prozent). In den Eigenbetrieben wie etwa KiTa Bremen, den Bibliotheken, der Volkshochschule beträgt die Frauenquote knapp 76 Prozent (2.886 Frauen). Und bei den bremischen Mehrheitsgesellschaften schließlich sind 7.404 Frauen beschäftigt (69,5 Prozent).

Was bietet der öffentliche Dienst Berufseinsteigern in Bremen?

Video vom 8. Oktober 2020
Der Beamte Alan Sadig im Interview.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Oktober 2020, 19:30 Uhr