Kommentar

Hallo Fahrräder, Tschüss Autos: Endlich geht Bremen mit der Zeit

Mit dem Umbau der Straße Am Wall kommt die autofreie Innenstadt einen Schritt näher. Die Argumente der Gegner sind aus der Zeit gefallen, meint unser Autor René Möller.

Video vom 19. Juni 2020
Ein Entwurf von der geplanten Fahrradstraße am Wall.
Bild: Radio Bremen

Na endlich! Bremen bekommt seine erste wirklich geschützte Radspur! Mitten in der Innenstadt! Ohne Autos drauf! Fahrradfahrer und diejenigen, die es werden wollen, jubeln auf.

Aber es wird nicht lange dauern, da werden die üblichen Akteure wieder den Teufel an die Wand malen. Tenor von Handelskammer, Cityinitiative und einigen aus der Opposition: Eine Innenstadt ohne Autos ist zum sterben verurteilt! Was wollen "diese Radfahrer" denn noch alles?

Doch das ist Zeugs aus den Achtzigern!

Denn etliche Beispiele aus einigen wenigen deutschen Städten und vielen Großstädten in anderen Ländern beweisen genau das Gegenteil.

Brüssel, Amsterdam und Oldenburg machen es vor

Amsterdam, Kopenhagen und das benachbarte Oldenburg machen es längst vor. Und viele weitere Städte haben es erkannt, dass die Menschen unter Mobilität inzwischen etwas anderes verstehen als Parkhäuser, Parkbuchten und immer mehr durch Autos verstopfte Innenstädte und schlechte Luft.

Ganz aktuell die belgische Hauptstadt Brüssel zum Beispiel: Der Bürgermeister hat das Projekt "Vélorution" ins Leben gerufen. Danach dürfen Autos, Busse und Bahnen in der Innenstadt nur noch 20 km/h fahren, Fußgänger und Radfahrer dürfen sich überall bewegen, auch auf den Straßen. Und sie haben jederzeit Vorrang – überall.

Immer mehr Menschen steigen auf immer modernere Fahrräder um. Innerhalb von Großstädten werden Waren mit Lastenrädern verteilt und der ÖPNV bekommt einen immer höheren Stellenwert. Die Zeiten von langen Auto-Schlangen vor den Parkhäusern sind vorbei!

Bürger haben einen neuen Anspruch an Innenstädte

Auch das Einkaufsverhalten hat sich drastisch verändert. Die typischen Kaufhäuser haben ihre besten Zeiten gehabt. Die Menschen bestellen lieber im Internet. Die Innenstädte verändern ihr Bild: Kunst, Kultur und kleinere Geschäfte werden wichtiger. Menschen besuchen Innenstädte, weil sie sich dort frei bewegen können. Schlendern, Eis essen, Freunde auf einem Markt treffen oder ein Konzert besuchen. (Ich meine natürlich nicht in den aktuellen Corona-Zeiten!)

Die Auto-Argumente von Handelskammer und Co wirken auf mich wie aus der Zeit gefallen. Ähnlich wie diese Leute in den Neunzigern, die damals das Internet nur für eine Modeerscheinung gehalten haben. 

Bremen hat jetzt noch die Chance, mit der Zeit zu gehen, die Innenstadt fit für die Zukunft zu machen. Dann spielt Bremen in der Fahrrad- und Mobilitäts-Champions-League mit. Und zwar ganz vorne!

Denn Schlusslicht ist Bremen schon oft genug.

Autor

  • René Möller

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Juni 2020, 19:30 Uhr