Warum die Europäische Union uns beim Zähneputzen begleitet

Was haben Europa und die EU mit dem Bremer Alltag zu tun? Mehr als wir denken, zeigt die Wochenserie von buten un binnen zur Europawahl. Fünf Beispiele.

Europa und Bremen
Europa begegnet uns in Bremen an vielen Orten und in vielen Situationen: Angefangen beim Zähneputzen bis hin zum Einkaufen im Supermarkt.

Die Europäische Union: Bürokratie-Monster, Regulierungswut und meilenweit vom Alltag der Menschen entfernt. Das sind nur einige der Vorurteile, die oft gegen die Staatengemeinschaft erhoben werden. Dabei begegnet die EU jedem Bürger sehr regelmäßig. Auch in Bremen. Dafür genügt es, seinen Alltag einmal zu durchsuchen – oder aber ein Blick in das eigene Portemonnaie.

1 Trinkwasserrichtlinie der Europäischen Union

Drei Mädchen stehen in einem Badezimmer und putzen sich die Zähne.
Schon mit dem Aufstehen und Zähneputzen begegnet uns die EU. Bild: Imago | Panthermedia

Denn mit Europa kommen wir schon beim ersten Zähneputzen am Morgen in Kontakt. Bereits seit 1998 sorgt eine EU-Richtlinie nämlich dafür, dass unser Trinkwasser schadstoffärmer ist. Diese Richtlinie wird aktuell überarbeitet. Eines der erklärten Ziele ist, die Wasserqualität zu verbessern. Wenn das Wasser aus der Leitung immer besser wird, müssten weniger Wasserflaschen verkauft werden. Das würde in ganz Europa mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

2 Krankenkassenkarte, Führerschein und natürlich der Euro

Auch wenn wir unsere Arbeitstasche oder Handtasche für den Tag packen, kommen wir mit Europa in Verbindung. Natürlich zum einen durch unsere Währung: Den Euro gibt es in 22 europäischen Staaten, und 16 davon sind in der EU. Seit dem 1. Januar 2002 gibt es den Euro als Bargeld.

Ein alter und ein neuer Führerschein liegen auf einem Holztisch.
Heutzutage muss man bei einem Umzug innerhalb Europas seinen Führerschein nicht mehr umtauschen. Bild: Imago | MiS

Aber auch unsere Krankenkassenkarte und unser Führerschein haben etwas mit Europa zu tun. Die Krankenkassenkarte erleichtert Bürgern im europäischen Ausland Zugang zu Ärzten und medizinischer Versorgung. Zu diesem Verbund gehören nicht nur die 27 Mitgliedstaaten, sondern auch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

Der EU-Führerschein gilt seit 1999 und ersetzte die nationalen Klassen mit den einheitlichen europäischen von A bis E. Die Fahrerlaubnis kann in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein verwendet werden. Früher war es Pflicht, den Führerschein umzutauschen, wenn man innerhalb der EU umgezogen ist. Der Behördengang bleibt einem inzwischen erspart.

3 Roaming-Gebühren

Eine Frau liegt an einem Badesee auf einer Decke und benutzt ein Smartphone.
Bei Reisen in der EU müssen wir nicht mehr mit horrenden Kosten rechnen, wenn wir zu Hause Bescheid geben, dass wir gut angekommen sind – denn es fallen keine Zusatzkosten an. Bild: DPA | Christin Klose

Ist die Tasche für die Arbeit gepackt, schnappen sich die meisten von uns mittlerweile ihr Smartphone vom Ladekabel und stecken es noch schnell in die Jackentasche. Dass wir mit dem Handy auch außerhalb unseres Landes telefonieren können, ohne wie früher eine Kostenexplosion fürchten zu müssen, liegt auch an Europa. Denn auf Reisen innerhalb der EU fallen keine zusätzlichen Kosten an – für SMS, die mobile Datennutzung für das Surfen im Internet und Telefonate zahlen wir genauso viel wie zu Hause.

4 Vermarktungsnormen von Obst und Gemüse

Zur Frühstückspause bei der Arbeit essen viele einen Apfel. Auch der wird über die Vermarktungsnorm der EU standardisiert. Demnach muss ein Apfel, wenn er die beste Güteklasse erfüllen will, mindestens 90 Gramm wiegen.

Eine Erdbeere auf einer Gabel mit Sahne
Auch wenn die Bestimmung über die Krümmung der Banane ein Mythos ist – die Mindestgröße von Erdbeeren bestimmt die EU tatsächlich. Bild: Imago | Paul von Strohelm

Mit den Vermarktungsnormen legt die EU Standards für bestimmte Obst- und Gemüsesorten fest. Eine der bekanntesten ist die für Bananen, dabei ist sie gar nicht mehr in Kraft. Ein Mythos ist außerdem, dass diese Norm den Krümmungsgrad der Bananen vorgegeben hat. Lediglich die Größe wurde durch diese Norm bestimmt. Neben dem Apfel wird noch anderes Obst und auch Gemüse geprüft, beispielsweise Erdbeeren. Die müssen mindestens 25 Millimeter groß sein, damit sie in die beste Klasse eingeordnet werden.

5 Güte-Siegel der EU

Das EU-Bio-Siegel klebt auf der Messe Fruit Logistica in Berlin über Bananen.
Auch beim Einkauf begegnet uns Europa ziemlich häufig – meist in Form von Siegeln, wie zum Beispiel beim Bio-Siegel. Bild: DPA | Andrea Warnecke

Auch wenn wir nach Feierabend noch schnell im Supermarkt einkaufen gehen, begegnet uns die EU ständig. Und das meist in Form von Gütesiegeln. So gibt es zum Beispiel das EU-Bio-Logo, welches Produkte auszeichnet, die nach europäischen Standards ökologisch produziert, transportiert und gelagert wurden. Aber auch die Energie-Etiketten an Elektro-Geräten werden von der EU vergeben. Sie zeigen an, wie viel Strom die Geräte verbrauchen.

Ein weiteres Siegel schützt außerdem regionale Produkte – auch Bremer. Hier gilt die Bezeichnung "geschützte geografische Angabe" sowohl für Bremer Bier als auch Bremer Klaben.

Gründe zur Europawahl zu gehen

Fünf Alltagssituationen, in denen uns die EU begegnet. Die Politik aus Brüssel hat also unmittelbare Auswirkungen auf unser Leben in der Region. Ein guter Grund, am 26. Mai nicht nur zur Bürgerschaftswahl, sondern auch zur Europawahl zu gehen, findet Nicole Maschler. Sie ist die Sprecherin der Bevollmächtigten beim Bund für Europa und Entwicklungszusammenarbeit in Bremen.

"Europa ist überall – ob Einkauf im Supermarkt, Arbeitsplätze, Studentenaustausch oder EU-geförderte Projekte wie Schlachte, Fischereihafen Bremerhaven und Airport-Stadt. Deshalb brauchen wir ein starkes Europa, und Europa braucht Sie. Machen Sie am 26. Mai 2019 Ihr Kreuz bei der Europa-Wahl", sagt Maschler.

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Ein Arbeiter in einem Werk
  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. April 2019, 19:30 Uhr