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Offener Brief des Elternbeirats: "Es reicht nicht. Nichts reicht!"

Keine Kita-Plätze, Platzmangel an Schulen, zu wenig Lehrer: Der Bremer Elternbeirat hat in einem offenen Brief Bildungsressort und Senat hart kritisiert.

Ein Schüler sitzt bei einer Klassenarbeit am Tisch und stützt mit der Hand nachdenkend den Kopf.
Schüler brauchen mehr als sie in Bremen bekommen, sagt der Elternbeirat. (Symbolbild) Bild: DPA | Sven Simon

"Es reicht nicht. Nichts reicht – nicht die Plätze, nicht das Personal und nicht die Leistungen": Wie eine Abrechnung liest sich der offene Brief des Zentralen Elternbeirats in Bremen (ZEB), adressiert an das Bildungsressort und den Bremer Senat. Kurz vor dem Beginn der Bildungsdeputation hatten die Eltern darin ihrem Unmut Luft verschafft: Gegenüber der Tatsache, dass Bremen über 1.300 Kitaplätze fehlen, dass an 18 Schulen Container eingesetzt werden müssen, da Klassenräume fehlen und dass das Dauerproblem "Personalmangel" nicht kleiner wird.

"Mit großer Sorge sehen wir, wo der 'Supertanker' Kinder und Bildung hinsteuert. Insofern bitten wir vor der Bildungs-Deputation morgen um Beachtung unseres offenen Briefs", heißt es in der Einleitung des Schreibens.

(...) bitte würde mal jemand in diesem Senat den ersten Schritt gehen und zugeben, dass es nicht läuft, wir auf keinem guten Weg sind, sondern schlichtweg auf dem Rücken unserer Kinder ins Chaos schlittern?

Offener Brief des ZEB an das Bildungsressort und den Bremer Senat

"Getan hat sich nichts"

Michael SKibbe vom Zentralen Elternbeirat Bremen
Michael Skibbe vom Zentralen Elternbeirat Bremen hat den offenen Brief mitverfasst. Bild: Zentraler Elternbeirat Bremen

Dass dieser offene Brief genau jetzt kommt und so harsche Worte wählt, kommt nicht von ungefähr, sagt ZEB-Vorstandssprecher Michael Skibbe. Den Brief hat er mitverfasst. "Wir haben einfach die Situation, dass diese neue Regierung seit mehr als 100 Tagen existiert und zu Beginn alle vereint bekräftigt haben: 'Bildung ist wichtig, Bildung wird Chefsache, es muss sich was tun.' Aber getan hat sich seitdem nichts", sagt Skibbe. Das könnten weder ZEB noch Bremer Eltern weiterhin aushalten.

Man erwarte nicht, dass sich von heute auf morgen die Krise bewältigen oder eine neue Schule bauen ließe. Doch es gebe einfach keine Ergebnisse, keinen Zeitplan, keinen Maßnahmenkatalog für die Zukunft. Das sorge dafür, dass die Geduld der Bremer Eltern schwinde, während ihre Angst wachse, so Skibbe – auch wenn man beim ZEB immerhin in regelmäßigem Austausch mit dem Bildungsressort stehe.

Was aber nicht passiert, ist dass Lücken, Mängel und Fehler klar benannt und besprochen werden. Stattdessen wird viel beschwichtigt.

Michael Skibbe, Zentraler Elternbeirat Bremen

Ein gutes Beispiel ist Skibbe zufolge das geplante "Institut für Qualitätsentwicklung" in Bremen: Damit habe man nach Hamburger Vorbild eine Instanz schaffen wollen, die klar analysiert, was an Bremer Schulen gut und was schlecht läuft, um dann Handlungsvorschläge zu machen. Doch seit mehr als drei Jahren komme das Projekt nicht voran.

"Die Maßnahmen der letzten Legislaturperiode waren ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir möchten jetzt einfach eine Handlungsfähigkeit unserer Regierung sehen", so Skibbe. Man brauche keinen Schuldigen, heißt es auch im Brief – "wir brauchen klare Fakten und Lösungswillen." Die Ergebnisse der Deputation werde man sich beim ZEB genau anschauen. In der Hoffnung, dass der Brief "vielleicht so manchen wachgerüttelt hat".

Den kompletten Brief des Zentralen Elternbeirats Bremen finden Sie hier.

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Autor

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Dezember 2019, 19:30 Uhr