So kommen Bremer zur Ladestation fürs E-Auto in der eigenen Garage

Eine Gesetzesänderung ebnet Wohnungseigentümern und Mietern den Weg zur "Wallbox", einer Ladebox für die Tiefgarage. Die Automobilbranche freut sich schon. Zu Recht?

Elektroauto am Ladekabel auf einem privaten Hof (Symbolbild)
Die eigene Wallbox - der Traum eines jeden E-Mobilisten. So wird das nächtliche Aufladen zur bequemen Selbstverständlichkeit. Bild: Imago | Blickwinkel

Der eigene Ladepunkt für das Elektroauto – für viele Leute ist er die Voraussetzung, dem Verbrennungsmotor unter der Haube des geliebten Blechs ade zu sagen. Denn zum Spaß mit dem E-Auto gehört für die Meisten, dass der Stecker sein Gegenstück für das nächtliche Lade-Zeremoniell in der eigenen Garage findet. Für Mieter und selbst Bewohner der eigenen Eigentumswohnung aber konnte der Weg zur sogenannten Wallbox in der Tiefgarage steinig bis unmöglich sein, wenn die anderen Bewohner nicht mitzogen. Jetzt wurde das vom Bundestag durch eine Änderung des Wohnungseigentum-Gesetzes deutlich erleichtert.

"Das 'Wie' bleibt eine Ermessensfrage"

Die Bundesregierung, die die Reform angeregt hat, fasst den Kern so zusammen: "Einzelne Wohnungseigentümer können künftig grundsätzlich verlangen, dass sogenannte privilegierte Maßnahmen von den Miteigentümern zu gestatten sind. Dazu gehört der Einbau einer Lademöglichkeit für E-Autos." Christian Carstens, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht in Bremen, kommt zu dem Ergebnis, dass der Weg leichter, aber nicht vollkommen selbstverständlich wird: "Das Gesetz gibt dem Wohnungseigentümer nur das Recht, dass die Gemeinschaft entscheidet. Das sogenannte 'Ob'. Aber das 'Wie', wie das gemacht wird, bleibt im Ermessen der Eigentümer."

Und man ahnt sofort: Da lauert das "Nervpotenzial". So würde der Anwalt das nie formulieren. Inhaltlich bestätigt er das aber durchaus.

Wenn Sie sich vorstellen, wie viele Möglichkeiten an Ladestationen und ähnliches es gibt, zeigt das schon, dass das Verhinderungspotenzial weiter gegeben ist.

Fachanwalt Christian Cartens
Christian Carstens, Fachanwalt für Wohneigentumsrecht

Da unter anderem Eingriffe in die Stromversorgung des Hauses erforderlich sind, vielleicht Internet-Anschlüsse in die Tiefgarage gezogen werden müssen, um die "Wallbox" beim Netzbetreiber anzumelden, "ist die Kreativität der Verhinderer gefragt".

Auch Mieter profitieren

Elektroauto am Ladekabel (Symbolbild)
Nicht nur die Stromladung geht auf eigene Kosten - auch die eigene Wallbox muss jeder Nutzer selbst finanzieren. Bild: Imago | Michael Eichhammer

Die Änderung des Gesetzes hilft dabei nicht nur Wohnungseigentümern. Auch Mieter profitieren. "Auch Mieter haben künftig einen Anspruch darauf, dass Vermieter den Einbau einer Elektro-Ladestation ... auf Kosten der Mieter gestatten," schreibt die Bundesregierung. Die Ablehnung ist möglich, aber nicht mehr so einfach wie früher. Bei Mietern kommt allerdings noch dazu, dass sie nicht nur mit ihrem Vermieter zu tun haben, sondern zumindest bei einer Wohnung in einem Eigentumswohnungs-Komplex wiederum die Eigentümer-Gemeinschaft gefragt ist.

Der Verband der Automobilindustrie wittert angesichts dieser Änderungen Morgenluft für den erst allmählich in Gang kommenden Absatz von E-Autos und sieht ihn schon in die Höhe schnellen. VDA-Geschäftsführer Joachim Damasky freut sich.

Die bisherigen Hürden zum Aufbau einer privaten Lade-Infrastruktur fallen endlich weg.

Dr. Joachim Damasky
Joachim Damasky, Geschäftsführer VDA

"Das hilft bei der Erhöhung der Akzeptanz von Elektrofahrzeugen und kann ein Beitrag zur Erhöhung der Absatzzahlen für E-Fahrzeuge und damit den Klimaschutz sein," ist Damasky überzeugt. Und auch Carstens sieht bei allen Einschränkungen mehr Licht als Schatten: "Ich denke, dass die Signalwirkung, die davon ausgeht, schon stark genug ist, dass da auch ein Innovationsschub draus folgen kann."

Technisch bereiten die ersten Boxen kein Problem

Aus technischer Sicht dürfte in allen Mehrfamilienhäusern alles auf Grün stehen, erläutert Christoph Brinkmann, Sprecher der swb. Natürlich kann die Wallbox nicht an jede Steckdose oder die Leitung zur Neonröhre an der Garagendecke geklemmt werden. Sie muss direkt an den Stromzähler des Nutzers und dem Ladeteil genügend Strom liefern. Das aber gibt es eigentlich immer, sagt Brinkmann

Da kann man grundsätzlich erst mal sagen: Ja - für die erste und möglicherweise die zweite Landeeinrichtung ist jeder Hausanschluss geeignet."

Christoph Brinkmann
Christoph Brinkmann, Sprecher swb
Elektroauto am Ladekabel (Symbolbild)
Klappe auf - Stecker rein. Bild: DPA | Imagebroker/Rupert Oberhäuser

Danach wird es dann kniffelig. Irgendwann reicht die Kapazität nicht mehr und der Punkt kann kommen, an dem der nächste E-Mobilist die Kosten dafür tragen muss, dass der Anschluss des Hauses aufgestockt wird. Brinkmann rät daher dringend dazu, sich innerhalb einer Hausgemeinschaft frühzeitig zusammen zu setzen und zu klären, wer alles Interesse hat, um von vornherein zu einer fairen Kostenverteilung zu kommen. Denn der Einbau einer Wallbox schlägt schon ohne Netzverbesserungs-Maßnahmen mit ganz grob 2.500 Euro zu Buche.

Was nicht jeden erfreut und den VDA ahnen lässt, dass es da weiterer Lockmittel seitens des Staates bedarf. Verbands-Geschäftsführer Damasky: "Nun ist es wichtig, dass diese Reform durch Förderprogramme für den Verbraucher begleitet wird. Eine entsprechende Richtlinie muss zügig auf den Weg gebracht werden."

Dann – so die Hoffnung – klappt es auch mit dem Umstieg auf das E-Auto.

Wann kommt der Durchbruch des E-Autos?

Video vom 6. Juli 2020
Eine Person sitzt in einem E-Auto.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 29. September 2020, 10:45 Uhr