Ladestationen für E-Autos: Bremen prüft kreative Idee

  • 300 E-Autos und 150 Ladestationen in Bremen
  • Autofahrer meiden noch E-Autos aus Angst davor, liegenzubleiben
  • Bremen prüft, ob Laternen umgebaut werden können
Parkplatz eines Strom-Ladepunktes
Der Aufbau der Ladepunkt-Infrastruktur hängt maßgeblich vom Takt der Autoindustrie ab, sagt der Energieversorger EWE. Potentielle E-Auto-Kunden könnten dies genau andersherum sehen. Bild: DPA | Frank May

Das Ziel ist klar definiert: Eine Million E-Autos sollen 2020 auf den Straßen Deutschlands rollen. Das größte Problem stellt bislang das dünne Netz an Ladestation dar. Das Geschäft für Betreiber von Ladestellen für E-Autos lohnt sich derzeit noch nicht wirklich. Was fehlt, ist die kritische Masse von Autos mit dem emissionsarmen Elektroantrieb. In Bremen gibt es nach Angaben der Umweltbehörde rund 150 öffentlich zugängliche Ladepunkte für die rund 300 angemeldeten E-Autos. "Die meisten Menschen, die E-Autos haben, laden aber zu Hause über Nacht oder tagsüber am Arbeitsplatz auf – oder eben beides", sagte Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne). In Bremen will man prüfen, ob möglicherweise die bereits vorhandene Strominfrastruktur von Straßenlaternen genutzt werden kann.

Das wirft aber wieder andere Fragen unter anderem zu Barrierefreiheit auf, wenn da auf einmal ein Kabel auf dem Gehweg liegt.

Joachim Lohse (Grüne), Umweltsenator Bremen
Ein Schild kennzeichnet einen Parkplatz für Elektrofahrzeuge an einer Straßenlaterne
Neuartige Ladestation, die gleichzeitig eine Straßenlaterne ist. Die Projektpartner von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig, der Universität Leipzig, Fraunhofer Instituts für Internationales Management und Wissensökonomie und der Leipziger Gruppe haben dieses Ladesystem entwickelt, bei dem LED-Straßenlaternen zum Aufladen von Elektroautos genutzt werden können. Vier dieser Laternen befinden sich derzeit im Testbetrieb. Bild: DPA | Hendrik Schmidt

"Ab einer Million E-Autos wird es für alle Marktteilnehmer nach unserer Einschätzung wirtschaftlich sehr interessant", sagte Jonas Lohmann, der beim Oldenburger Energieversorger EWE das Kompetenzcenter Mobilität leitet. Eine Million E-Autos – das ist auch das erklärte Ziel der Bundesregierung für das Jahr 2020. Trotz starker Wachstumsraten und Kaufanreizen noch ein weiter Weg, denn von den 45,8 Millionen registrierten Fahrzeugen in Deutschland fahren derzeit nur rund 34.000 Autos mit reinem E-Antrieb. Ein Faktor für die noch gebremste Kauflust ist neben dem deutlich teureren Anschaffungspreis die noch im Aufbau befindliche Ladeinfrastruktur.

Angst vor dem Liegenbleiben

Der Begriff "Reichweitenangst" kursiert und drückt die Bedenken aus, dass dem Auto vor allem bei Fernfahrten der Strom ausgehen könnte. Die Energieversorger und auch die Autoindustrie drücken darum beim Ausbau der öffentlich- oder halböffentlich zugänglichen Ladesäulen aufs Tempo. Verlässliche Angaben über die Gesamtzahl der Ladesäulen gibt es aber nicht. Nach einer Erhebung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind es in Deutschland derzeit 11.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. "Wir unterscheiden zwischen Ladepunkten und Ladesäulen", sagt Lohmann. Bei der EWE und den meisten anderen Anbietern hat eine Säule zwei Ladepunkte, es können also zwei E-Autos zeitgleich aufgeladen werden. Die EWE fing 2014 mit 30 Ladesäulen an und betreibt derzeit 220 Säulen. Für dieses Jahr sei die Aufstockung auf 400 geplant.

Als Haupttreiber beim Thema Elektromobilität sieht EWE derzeit nicht unbedingt den Privatkunden, sondern eher die Flotte im Fuhrpark großer Unternehmen. Es ist keine Zukunftsmusik, dass Mitarbeiter am Arbeitsplatz ihr E-Auto abgeben, das dann autonom in den Ladepark auf dem Firmengelände fährt und am Ende des Arbeitstages den Beschäftigten wieder abholt, der das Auto dann durch den Verkehr steuert. "Technisch ist das schon heute machbar. Der Vorteil: Wir müssten nicht auf die rechtlich sehr komplexen Vorgaben für das autonome Fahren warten", so Lohmann.

Finanzielle Anreize von der EU

Die EU-Kommission will keine Quoten vorschreiben, plant aber ein Anreizsystem. Autohersteller sollen bis 2025 unter ihren verkauften Neuwagen mehr als 15 Prozent emissionsarme Autos haben, bis 2030 dann mehr als 30 Prozent. Noch 2016 lag der Anteil bei rund einem Prozent. Zuletzt wuchsen die Zulassungszahlen aber schon deutlich auf einen Anteil von 6,2 Prozent im dritten Quartal 2017.

Der vom Diesel-Skandal gebeutelte Wolfsburger Volkswagen-Konzern sieht im E-Auto einen wichtigen Zukunftsmarkt. Deshalb kündigte der weltgrößte Autobauer kürzlich zusätzliche Milliarden-Investitionen in Elektro-Mobilität an. In die Entwicklung von E-Autos, autonomes Fahren, neue Mobilitätsdienste und Digitalisierung sollen von 2018 bis 2022 mehr als 34 Milliarden Euro fließen. Der Löwenanteil ist dabei für die "Roadmap E" bestimmt. Im VW-Stammland Niedersachsen steht im Koalitionsvertrag der neuen rot-schwarzen Regierung, dass bis zu zehn Prozent der neu beschafften Fahrzeuge im landeseigenen Fuhrpark mit emissionsarmen Antriebssystemen ausgestattet werden sollen.

Seit Anfang des Jahres wurden 38 Ladesäulen für E-Autos mit Zuwendungen in Höhe von insgesamt 321.891 Euro gefördert. Laut Erhebung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft gibt es in Niedersachsen 580 öffentlich zugängliche Ladepunkte. "Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein künftiger emissionsarmer Mobilität. Dafür brauchen wir preisgünstigere Hybrid- und Elektrofahrzeuge, die sowohl für Wirtschaftsverkehre als auch den privaten Gebrauch geeignet sind. Hierbei soll Niedersachsen Spitzenreiter werden", formulierte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) die Vorgabe.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. Januar 2017, 23:20 Uhr