Kommentar

Es brennt an allen Ecken: Klärt die Zukunft des Schifffahrtsmuseums!

Heute weiht das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven sein neues Forschungsdepot ein. Dabei gibt es im eigentlichen Museum überhaupt keinen Grund zum Feiern, findet Catharina Spethmann.

Audio vom 21. Mai 2021
Die Halle mit Schrift "Wandel", davor Metallschrott
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Es brennt, und zwar an allen Ecken. Und damit meine ich nicht nur Bremerhavens teuersten Trümmerhaufen, die Überreste der "Seute Deern" in einer toten Ecke des Museumshafens.

Nein, es ist das Gesamtbild. Kurz zusammengefasst: Das Geld ist alle. Die Sanierung läuft ganz offensichtlich aus dem Ruder. Für den Erhalt der Museumsflotte gibt es anscheinend keinen Plan, zuletzt hat nur das Abwracken der "Seute Deern" zuverlässig geklappt. Damit nicht genug: Laut Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) braucht das Museum nun weitere 40 Millionen Euro für seine Sanierung.

Wie konnte es vor aller Augen so weit kommen?

Weitere 40 Millionen Euro! Das sind fast noch einmal so viel, wie bereits verbraucht wurden. Und wie für den Nachbau der "Seute Deern". Summa summarum käme man also auf mehr als 120 Millionen Euro. Das DSM – ein Millionengrab. Wie konnte es so weit kommen, vor aller Augen? Wer ist verantwortlich?

Auch wer näher hinguckt, findet nur Fragen, keine Antworten. Problembereich Gebäudesanierung: 42 Millionen Euro hat der erste Masterplan dafür und für die Neuaufstellung des Museums vorgesehen. Der Bangert-Bau sollte eine neue Ausstellung bekommen, ein Forschungsdepot sollte gebaut und der historische Scharoun-Bau saniert werden. Das Depot wird nun eröffnet. Aber sonst?

Der Scharoun-Bau, quasi die Keimzelle des Museums, ist ein "schadstoffsanierter Rohbau", wie es in einer Vorlage des Magistrats heißt, für mehr reichte das Geld nicht mehr. Er bleibt möglicherweise auf Jahre hinaus unbenutzbar. Und nun?

Gebäude-Geld reicht hinten und vorne nicht

Der Bangert-Bau: Er sollte eigentlich nur eine neue Elektroinstallation bekommen. Nun, so die Erkenntnis, muss doch grundsaniert werden. Weil dem Museum die nächste Evaluierung 2024 im Nacken sitzt – von der unter anderem die weitere Förderung durch Bund und Länder abhängt –, hat man das jetzt vorgezogen. Viel Geld, das für ganz andere Zwecke gedacht war, geht nun hierfür drauf. Und jetzt?

Eine Frau blickt nachdenklich in die Ferne.
Die Chefin des Deutschen Schifffahrtsmuseums Sunhild Kleingärtner sieht die Museumsflotte nicht als Teil der Forschung an. Bild: DPA | Ingo Wagner

Dabei haben wir noch nicht mal über die marode Museumsflotte geredet. Die, so war mal die Idee, sollte mit von den weiteren 46 Millionen Euro saniert werden, die es für den Nachfolgebau der "Seute Deern" vom Bund gibt. Geht aber nicht, das Geld ist dafür ausdrücklich nicht gedacht. Tja.

Die Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner, so heißt es in einer Vorlage, sieht die Museumsflotte nicht als Teil der Forschung an. Für Aufgaben außerhalb der Forschung stehen aber nur 15 Prozent des Gesamtetats zur Verfügung. Reicht das für die Flotte? Wohl kaum. Das zeigt ein Blick in den Museumshafen.

Niemand zog die Notbremse, bevor die Abwracker kamen

Wer bestimmt eigentlich, welches Geld wofür ausgegeben wird – was Forschungs- und was Museumsaufgabe ist? Wer trägt die Verantwortung – nicht zuletzt für den Schrotthaufen im Sandbett? Wer hätte schon die Notbremse ziehen müssen, bevor die Abwracker kamen? Und wie soll das in Zukunft laufen? Fragen, immer nur Fragen. Es wird jetzt endlich Zeit für Antworten!

Deutsches Schifffahrtsmuseum bezieht neues Forschungsdepot

Video vom 17. Mai 2021
Das Rettungsboot "Gerlach" des Deutschen Schifffahrtsmuseums hängt am Kran.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Mai 2021, 19.30 Uhr